Morgens um 6 ist die Welt noch in Ordnung: Wer jedoch an diesem Samstagmorgen in die Welt hinaushorchte, hörte, dass es unglaublich fast wie aus Kübeln goss. Und wer dann noch angemeldet war, die 330 Nistkästen auf dem Gemeindegebiet von Muhen zu reinigen, hätte sich wohl am liebsten wieder unter die Decke verkrochen. Aber pünktlich zur Startzeit lies der Regen nach und ca. 20 Helfer von jung bis junggeblieben machten sich auf verschiedenen Routen mit Leitern, Werkzeug und Schreibmaterial daran, die Nistkästen in Ordnung zu bringen.

Da der Wald ja bekanntlich lebt, ist es manchmal eine Herausforderung, die Nistkasten auf der vorgegebenen Route auch zu finden: Mal wird ein Baum von Sturm oder vom Forstamt gefällt und der Nistkasten wird umgesiedelt, selten fällt ein Kasten auch altershalber oder witterungsbedingt auseinander und ist so auch nicht mehr auffindbar.

Doch meistens sind die Kästen dank den gut dokumentierten Unterlagen des NVM auch gefunden worden. Durch die arteneigenen Vorlieben für den Nestbau wird bestimmt, wer darin gewohnt hat und in der Statistik erfasst. Die Vögel bevorzugen jedes Jahr ein neues Nest und deshalb werden die Kästen vom vorhandenen Nistmaterial gereinigt und wo nötig geflickt.

In diesem Jahr wurden auffällige viele "doppelte" Nester gefunden, d.h. die erste Brut überlebte aus wohl verschiedenen Gründen nicht. Es wurden sehr viele Gelege gefunden, die nicht geschlüpft sind. Und drauf wurde dann ein 2. Nest gebaut.

Ebenso gab es wieder Doppelvermietungen: Zuerst lebte ein Vogelpaar in diesen Haus, danach zogen z.B. Wespen, Haselmäuse oder auch Siebenschläfer ein. Diese putzigen Tiere sind jeweils der Höhepunkt der Kastenreinigung. Schauen sie uns doch so treuherzig an, wenn der Kasten geöffnet wird. Unglaublich flink machen sie sich aber sofort aus dem Staub und flitzen an nächsten "Baumstamm", der auch mal ein Hosenbein sein kann, empor in Sicherheit. Aus gebührendem Abstand wird dann wohl wehmütig beobachtet, was mit dem warmen Nest geschieht. Es wird rausgeputzt. Aber der Siebenschläfer verkriecht sich sowieso um diese Zeit in den Waldboden für den Winterschlaf.

Zum wohlverdienten Mittagessen trafen sich dann alle gutgelaunt und im Wissen, etwas Gutes für die Vogelwelt getan zu haben, im Müheler Waldhaus, wo Erwin Mühlemann und Kurt Lehner für das leibliche Wohl besorgt waren. Herzlichen Dank allen Helfern.