Erster Aarauer FDP Samstags-Talk

Jugendliche und Digitale Medien: Zwischen Totalverbot und Laisser-Faire

Ist das Handyverbot an Schulen richtig? Wie und wo lernen Jugendliche Digitale Umgangsformen? Am FDP Samstag-Talk diskutierten ausgewiesene Experten mit dem Publikum. Es zeigte sich rasch: Eltern und Lehrpersonen sind gefordert, den richtigen Umgang mit den digitalen Medien zuerst  selbst zu lernen. Gerade Jugendliche brauchen hier gute Vorbilder.

Der Alltag von Jugendlichen wird durch elektronische Mitteilungen im Minutentakt zerstückelt, wodurch ein produktiver Arbeits-„Flow“, ein konzentriertes Arbeiten und Lernen unmöglich wird. Dies ist eine der Kernaussagen von Frau Sara Signer, Wissenschaftliche Mitarbeiterin an der PH Zürich, im Rahmen der Veranstaltung „Jugendliche und Digitale Medien“ der FDP Aarau. Rund 30 Personen nahmen an dem FDP-Talk teil, davon viele Menschen in Ausbildung. Der Anlass wurde moderiert von Sandra Kobelt, Vorstandsmitglied der FDP Aarau.
In der Diskussion mit der Referentin Frau Ursula Uttinger, Präsidentin Datenschutzforum Schweiz, konfrontierte die Diskussionsleiterin Frau Sandra Kobelt gleich zu Beginn die Datenschutzexpertin mit der Frage: „Wer nichts zu verbergen hat, braucht sich doch um den Datenschutz nicht zu kümmern?“ Mit der Gegenfrage „wollen Sie wildfremden Menschen einfach so ihre Wohnung zeigen?“ führte Frau Ursula Uttinger jedem vor Augen: Es gibt Lebenslagen und persönliche Orte, die ein Mensch nicht mit seinem Umfeld teilen will. Ein Mensch soll auch weiterhin die Freiheit behalten, eigenständig zu entscheiden, was der Nachbar oder der Arbeitgeber von seinem Privatleben erfährt.
Herr Peter Roschi, Trompeten- und Werklehrer an der Bezirksschule Aarau, CVP Einwohrerrat und Christoph Voellmy, Teamleiter für internationale Kampagnen in einer grossen Online-Werbeagentur, brachten im zweiten Teil der Diskussion mit dem Publikum ebenfalls ihre Erfahrungen mit Digitalen Medien ein.
Christoph Voellmy empfiehlt kein grundsätzliches Handyverbot an den Schulen, stattdessen muss den Jugendlichen Eigenverantwortung im Umgang mit Digitalen Medien beigebracht werden. Eltern hätten diesbezüglich Verantwortung zu übernehmen, oftmals gehen sie aber mit schlechtem Beispiel voran.
Sara Signer führt dies dem Publikum mit einer eigenen Beobachtung vor Augen, bei der Eltern am Sandkasten sich mit ihrem Smartphone beschäftigten statt im Sandkasten mit ihren Kindern zu spielen. An diesen Beispielen ist erkennbar, dass heute der Umgang mit digitalen Medien in der Gesellschaft noch nicht geregelt ist. Gemäss Sara Signer „steckt unsere Gesellschaft in den Kinderschuhen, was den korrekten Umgang mit digitalen Medien betrifft“. Selbst Eltern wissen nicht, wo sie gegenüber ihren Kindern Grenzen setzen sollen, da sie als Eltern oft selbst ständig am Handy hängen“. Deshalb fällt es nun den Schulen zu, Digitale Umgangsformen im Unterricht zu lehren. So ist Peter Roschi der Meinung dass konsequent gegen Schüler vorgegangen werden soll, welche andere mit heimlich gedrehten Filmen in Onlinemedien blossstellen wollen.
Das totale Handyverbot an vielen Schulen stiess beim Publikum teilweise auf Ablehnung. Die Mehrheit der anwesende FDP-Vertreter erachtete ein solches Verbot gar als unvereinbar mit liberalen Grundsätzen. Referenten und Publikum waren sich einig, dass ein positiver Umgang mit digitalen Meiden möglich ist, allerdings brauchen gerade Jugendliche Anleitung und Führung, damit dies gelingt.

Am FDP Samstags-Talk erhalten Gäste fundierte Auskunft zu hochaktuellen Themen.  Der Anlass gliedert sich in zwei Teile. Im ersten Teil geben namhafte Experten eine Einführung. Im zweiten Teil, können sich die Gäste in einer offenen Diskussion ihre persönliche, fundierte Meinung bilden. Erworbene Erkenntnisse finden Eingang in den Alltag und in die Aarauer Politik