Präsident Rudolf Witzig begrüsste am vergangenen Montag eine wackere Schar von Freisinni-gen zur Generalversammlung in der alten Trotte in Erlinsbach. Die Versammlung befasste sich zuerst mit dem Bildungskleeblatt. Anschliessend konnte über ein arbeits- und erfolgreiches Par-teijahr 2008 berichtet werden.

Der Freisinnige Ressortchef Bildung Grossrat Hans Ueli Bühler (Stein) stellte zuerst in einem Überblick die Vorlage „Bildungskleeblatt" vor. Die vom Volk beschlossene Angleichung der Schulstrukturen, die gewandelten Herausforderungen von Gesellschaft und Wirtschaft sowie die veränderten Leistungsbän-der der Schüler machen eine grössere Reform notwendig. Der Grosse Rat hat die vier Kleeblätter un-terschiedlich deutlich verabschiedet, am knappsten die Strukturreform (Kleeblatt 1 und 2). Die vierjähri-ge Basisstufe mit Ersatz des Kindergartens durch eine altersgemischte Eingangsstufe, die anschlies-sende altersdurchmischte und auf ebenfalls vier Jahre verlängerte Mittelstufe ergeben neu eine achtjäh-rige Primarschule. Es findet eine Integration aller in die Regelklasse statt, auch der heutigen Einschu-lungs- und Kleinklassen. Die anschliessende Oberstufe wird auf drei Jahre gekürzt, in drei Leistungszü-gen und in je drei unterschiedlichen Niveaus je Fach geführt. Die heutigen Bezirksschulen verschwin-den und die drei neuen Leistungszüge werden unter demselben Dach geführt. Ergänzt werden diese Reformen durch die kantonsweite Einführung von Tagesstrukturen mit Schul - ergänzender Früh-, Mit-tags- und Nachmittagbetreuung. Die Benutzung ist freiwillig. Im Kleeblatt 4 schliesslich sollen alle Ge-meinden mit einem Sozialindex bewertet werden und sozial schwierige Milieus erhöhte Lektionenzutei-lungen erhalten. Rund 40% der Gemeinden sollen in den Genuss des Sozialindexes kommen.

Viele offene Fragen und etliches an Kritik

Die Beurteilung vor allem der Strukturkleeblätter fiel in der Diskussion kritisch aus - die FDP Aargau hat denn auch zum Kleeblatt 1 und 2 die NEIN-Parole resp. Stimmfreigabe beschlossen. Bühler, der selber für eine Annahme der Kleeblätter 1 sowie 3 und 4 votierte, hatte zahlreiche Fragen aus dem Publikum zu beantworten. Sie gaben einen Hinweis darauf, dass die Vorlage zum heutigen Zeitpunkt für viele mehr Fragen stellt, als beantwortet. Auf die anstehenden politischen Probleme wiesen auch viele kriti-sche Voten hin. So verwies Fraktionschef Daniel Heller auf die Kosten: Diese werden mit dieser Reform um 20 Prozent pro Schüler ansteigen, die vielerorts notwendig werdenden Schulraumbauten nicht ein-gerechnet. Wenn eine Finanzknappheit bevorstehen sollte, werden viele Annahmen, auf denen die Reformen heute basieren, so nicht einzuhalten sein. Herauszuhören war, dass viele von den Tages-strukturen und vom Sozialindex ein grossen Lösungsbeitrag zu den heutigen Schulproblemen erwarten. Die Strukturreform überzeugt hingegen viele (noch) nicht. Die Umsetzung wird den Lehrkräften gewalti-ge Leistungen verlangen. Es sei nicht verwunderlich, dass eine Mehrheit die Reformen gar nicht mittra-ge.

Bestes FDP-Wahlergebnis im Bezirk

Der statutarische Teil war kurz. Präsident Witzig konnte berichten, dass der Vorstand den Auftrag der GV 2008 erfüllt und die Partei neu organisiert hat. Max Tschiri hat das Parteiarchiv neu geordnet und auf der Gemeinde deponiert; Dani Thalmann hat die Webpage neu gestaltet; die Mitgliederdatei wurde aktualisiert und ein abwechslungsreiches Programm mit politischen und gesellschaftlichen Anlässen organisiert. Mit dem FDP-Gemeinderat Hans Ruedi Hubeli wird ein regelmässiger Meinungsaustausch gepflegt. Die Wahlen in den Regierungsrat, ins Bezirksgericht (der Erlinsbacher Roland Baumann wur-de gewählt) und in den Grossen Rat beanspruchten die Parteiorgane. Die Erlinsbacher Kandidaten Marcelle Heller und Daniel Heller konnten mehrfach auftreten, wurden mit einem breit gestreuten per-sönlichen Schreiben empfohlen und haben im Bezirk entsprechend gut abgeschnitten. Die FDP hat in Erlinsbach ihren hohen Wähleranteil verteidigt - in keiner anderen Gemeinde des Bezirks liegt er noch so hoch wie in Erlinsbach. Das ist ein Auftrag für die Gemeindewahlen vom Herbst 2009. Die Rechnung konnte ausgeglichen gestaltet werden, die Wahlkampfausgaben konnten durch Spenden voll kompen-siert werden. Das Programm 2009 ist primär auf das Gemeindewahljahr ausgerichtet. Die FDP-Mandatsträger werden aus heutiger Sicht alle wieder antreten. Bericht und Arbeit wurden dem souverän auftretenden Präsidenten Ruedi Witzig und Kassier Urs Liebi mit warmem Applaus abgegolten. (he)