Die SLRG Sektion Baden-Brugg und das Jugendrotkreuz Kanton Aargau bieten Geflüchteten erstmals einen Schwimmkurs an. In sechs Halbtagen lernen die Teilnehmenden, wie sie sich im, am und ums Wasser korrekt verhalten. Am fünften Kurstag wagten sie sich bereits in den Hallwilersee.

Das Jugendrotkreuz Kanton Aargau bietet seit Jahren unter anderem Sportnachmittage für geflüchtete Menschen an. Immer wieder wurde der Wunsch nach einem Schwimmkurs von Teilnehmenden der Sportnachmittage geäussert. Anfang 2019 fragte das Jugendrotkreuz erstmals bei der SLRG (Schweizerische Lebensrettungsgesellschaft) Sektion Baden-Brugg an, ob gemeinsam ein Schwimmkurs durchgeführt werden könnte. «Sie rannten bei uns offene Türen ein», erklärt Ilona Kessler, Kursadministratorin der SLRG Baden-Brugg. «Denn wir sind uns der Problematik bewusst. Gerade Personen, die hierher geflüchtet sind, hatten oftmals keinen Schwimmunterricht in der Schule, wie wir das in der Schweiz kennen». Sie ist eine von drei Rettungsschwimmern, die ehrenamtlich den Kurs leiten. Unterstützt werden sie jeweils von ein bis zwei Freiwilligen des Jugendrotkreuzes.

Das Ziel des Kurses

Die 14 Teilnehmenden stammen aus Syrien, Eritrea, Sri Lanka, Afghanistan, Somalia und dem Iran. Neun von ihnen waren vor dem Kurs noch nie in einer Badi, im Fluss oder See. «Die Niveaus sind sehr unterschiedlich», erklärt Ilona Kessler weiter. «Unser Ziel ist, dass sie sich wohl fühlen und sich ihrem Niveau entsprechend ins Wasser getrauen.»

In sechs Tagen an je drei Stunden lernt man kaum schwimmen. Daher ist es den Rettungsschwimmern wichtig, die Teilnehmenden darauf aufmerksam zu machen, wie sie sich im Wasser korrekt verhalten und dass sie lernen einzuschätzen, wann es gefährlich wird. Einfache Übungen helfen den Teilnehmenden sich mit dem Element Wasser anzufreunden: Wie Kopf unter Wasser halten, durch die Nase ausatmen, Beinschlag mit Brettli und auf dem Rücken schwimmen, so können sie einfacher atmen.

Der Respekt bleibt

In den Medien liest man immer wieder von ertrunkenen Personen, die nicht hier aufgewachsen sind. Wieso es zu diesen Unfällen kommt, wissen die Kursleiter nicht. Denn sie haben die Erfahrung gemacht, dass die Teilnehmenden grossen Respekt vor dem Wasser haben. «Anfangs getrauten sie sich kaum ins Wasser», erklären die Kursleiter. Jetzt im fünften Kursteil schwimmen sie bereits Wettrennen im Hallwilersee. Noch nicht alle getrauen sich ohne Schwimmweste in den See. Sie wissen, solange sie stehen können, ist es nicht gefährlich.

Wassersicherheitstest

«Es ist schön zu sehen, wie viel Freude sie im Wasser haben», sind sich die Kursleiter einig. Die acht Männer und fünf Frauen strahlen um die Wette. Sie fühlen sich sicherer im Wasser. Die Fortschritte, die sie in den paar Tagen gemacht haben, sind beachtlich. So werden acht Teilnehmende im letzten Kursteil den Wassersicherheitstest absolvieren. Dabei müssen sie einen Purzelbaum ins Wasser machen, eine Minute an Ort im Wasser treten und 50 Meter schwimmen. Mit diesem Test können sie danach selbständig in die Badi gehen.

Nach den sechs Halbtagen empfehlen die Kursleiter den Teilnehmenden das Gelernte an ihre Freunde und Familie weiterzugeben und geben ihnen dazu die Baderegeln in Farsi, Tigrynia, Arabisch und Tamilisch ab.