Noch vor sieben Uhr in der Früh machten sich 24 Turnerinnen des Frauenturnvereins Zetzwil auf den Weg zur zweitägigen Turnfahrt ins Toggenburg.

Schon während der dreistündigen Zugsfahrt nach Nesslau wurde rege gelacht und gevespert. Dass das Reisen in grossen Gruppen auch Vorteile haben kann, zeigte sich dann im Postauto nach Alt St. Johann. Der überaus freundliche Chaffeur nutzte die Fahrt mit einem Extrabus zugunsten der Frauen und hielt nicht bei der offiziellen Haltestelle sondern direkt vor der Sellamatt-Bahn.

Nach der luftigen Fahrt nach Sellamatt und dem ersten Kaffeehalt ging es schliesslich los. Die verschiedenen, ungewöhnlichen Stationen entlang dem Klangweg wurden eifrig ausprobiert und entlockten auch den Turnerinnen immer wieder einen Ton der Überraschung.

Ab Iltios gelangte die muntere Schar mit der Luftseilbahn auf den Chäserrugg. Welch ein Ausblick! Obwohl einige Wolkenschleier die Fernsicht trübten, genossen die Frauen ein Mittagessen aus dem Rucksack mit fantastischem Rundblick.

Nun teilte sich die Gruppe auf: Zwei Turnerinnen fuhren mit der Bahn zurück und nahmen den zweiten Teil des Klangweges in Angriff. Wer gut zu Fuss war, machte sich an den Abstieg auf die Gamsalp. Das erste Felsband hatte es in sich und hinterliess bei einigen Turnerinnen schmerzende oder schlotternde Knie. Diese erholten sich aber bereits wieder auf dem Weg über die Schlachtböden zum Sattel. Erneut scherte eine sportliche Gruppe aus und nahm den Weg zur Gamsalp nicht wie geplant dem geologischen Höhenweg entlang sondern via Bergweg über den Gamserrugg unter die Füsse.

Nach einer kleinen Stärkung im Restaurant auf der Gamsalp gelangte die etwas gemütlichere Wandergruppe via Sesselbahn zur Unterkunft im Berggasthaus Oberdorf. Dass eine auf der Karte eingezeichnete Abkürzung nicht zwingend schneller ist, musste die sportliche Gruppe erfahren, welche den Abstieg nach Oberdorf zu Fuss zurück legte.

Die Leiterin folgte pflichtbewusst den Angaben des GPS, was nicht nur vor Schlamm triefende Wanderschuhe zur Folge hatte. Der Trampelpfad führte über unzählige Kuhweiden und an einer äusserst aufsässigen Kuhherde vorbei. Zurück auf dem Klangweg wurde die Truppe von einem aggressiv wirkenden Rind empfangen. Es liess sich nicht vom Weg vertreiben und quittierte jeden Versuch, an ihm vorbei zu gehen, mit Angriffsstellung. Der Anblick der Hörner war nicht gerade beruhigend. Dank des Ablenkungsgeschicks einer mutigen Turnerin konnten sich die restlichen Sechs in Sicherheit bringen. Mit einem beherzten Einsatz gelang es schliesslich auch der Zurückgebliebenen, den Attacken des Rindes zu entwischen.

Die gepflegte Unterkunft und das feine Nachtessen liessen dieses unangenehme Intermezzo bald vergessen.

Nach einer für einige Turnerinnen eher kurzen Nachtruhe rüsteten sich die Frauen für ein Curlingtraining in Wildhaus. Wer sich nicht aufs Eis wagte, nutze die Gelegenheit, die restlichen Posten des Klangweges entlang des Schwendisees auszukundschaften.

In der Curlinghalle wurden die Turnerinnen mit der harten und kalten Unterlage der Wintersportart konfrontiert. Obwohl die mitgebrachten Hallenturnschuhe auf dem Eis nicht den gewünschten Halt gaben, musste am linken Fuss zusätzlich noch ein Slider montiert werden. Nun war Schluss mit Spass. Höchste Konzentration war gefordert, damit man nicht gleich unsanft auf Händen, Füssen oder Hintern landete. Nach unzähligen Übungen zeigten die Zetzwiler Frauen aber bereits erstaunliche Fortschritte und nach eineinhalb Stunden konnte zum ersten "richtigen" Match gestartet werden. Nach wenig gespielten Steinen kam bereits Wettkampfstimmung auf. Als wären sie Profis wurde angezeigt, gecurlt, geslidet, gewischt und Take-outs gespielt. Leider wurde die aufkommende Spielfreude einer Turnerin zum Verhängnis. Sie vergass die rutschige Unterlage an ihrem linken Fuss und stürzte äusserst unsanft. Ihr Gesicht wurde zwar sofort mit metallenen Zahlenschildern und Eisbeuteln gekühlt, die Spuren des Sturzes sind aber noch heute in farbenfroher Weise zu sehen.

Das Curlingtraining endete somit zwar etwas getrübt, nach dem feinen Mittagessen in Wildhaus aber war wieder gute Stimmung und Gelächter zu hören. Nun reiste eine gut gelaunte Frauengruppe zurück nach Hause. (Esther Meier-Lüthy)