Sehr fein, sehr leise eröffneten die "Alder Buebe" mit der Komposition von Ueli Alder "Sonnenaufgang auf der Osteregg" das Abendprogramm. Es folgen ein Schottisch und eine Polka. Das Spiel der vier schweigsamen Musiker ist ein Ohrenschmaus: wie die Lieder heissen, bleibt ein Rätsel. Sie spielten "aus dem Herzen und aus dem Bauch": Willi Valotti am Akkordeon. Walter Alder am Hackbrett, Michael Bösch (Geige) und  Köbi Schiess am Kontrabass.

Üeberraschende Ergänzung
Ob Walzer oder Mazurka, Polka oder Zäuerli - der Flamencotanz ergänzt sich überraschend gut mit der Appenzeller Streichmusik. Eigentlich eben doch keine Überraschung, denn Adlerbuebe-Castaño vollzogen nur, was in der Ethonologie längst Geschichte ist. Einst zogen die Zigeuner des mittleren Ostens über Ungarn nach Europa und in der Folge entstand daraus auch die Appenzeller Streichmusik.

Doch die Zigeunerstämme Indiens fanden auch über Nordafrika den Weg nach Westeuropa, sprich Spanien - die Flamencokultur entstand. Wenn nun Bettina Castaño nach den Schottisch-Rhythmen der Adlerbuebe einen Flamenco tanzt, wird zusammengefügt, was die Geschichte vorgezeichnet hat. Und dies vollzogen die fünft Künstler keineswegs etwa nüchtern-nominell, sondern mit viel Spass und gehörigen Portion Schalk im Nacken.
Denn da wurde keine experimentelle und unververständliche Multikultisprache gesucht, sondern hüben wie drüben bleib man bei dem, was man wirklich gut kann - musizieren und „bödelen".

Fast unverändert liessen sich die bekannten Stücke aus dem Repertoire der Adlerbuebe heraushören, so wie auch Castaño an ihrem tänzerischen Ausdruck nichts Authentisches vermissen liess.(oh)