Naturschutzverein Eiken

Eine Reptilienburg aus alten Dachziegeln

megaphoneVereinsmeldung zu Naturschutzverein Eiken

Es ist Samstagmorgen und Thomas Wohldmann leitet ein paar aktive Mitglieder des Naturschutzvereins Eiken an, Ziegel mit Sand in der Nähe des Mühleweihers aufzuschichten. Die Ziegel stammen von einem letzthin abgerissenen alten Bauernhaus in Eiken. Statt sie fortzuwerfen, weiss Thomas Wohldmann sie in der Natur sinnvoll einzusetzen. Mit den alten Ziegeln soll eine Reptilienburg entstehen, die Eidechsen und anderen Kleintieren einen Unterschlupf wie auch einen Sonnenplatz bieten soll.

 Im Gebiet von Eiken gibt es seit ein paar Jahren eine Ziegelburg Richtung Chinz. Diesen Frühling wurde beim Mühleweiher eine alte zusammengefallene Ziegelburg ersetzt. Der Anstoss kam von Thomas Wohldmann, dem Erfinder der Ziegelburg. Es ist etwas ungewöhnlich, Ziegel in der Natur und für die Natur auszubringen. Was hat es damit auf sich? Thomas Wohldmann, Präsident des Naturschutzvereins Eiken, berichtet, wie die Idee Ziegelburg entstanden ist: „Bei meinen Streifzügen in Dorfnähe bin ich bei einem Schuppen auf aufgeschichtete Ziegel gestossen und auf eben diesen Ziegeln hatten sich Zauneidechsen gesonnt. Diese Entdeckung habe ich weiterentwickelt und Überlegungen gemacht, wie dieser Ziegelhaufen noch besser für Reptilien, Amphibien und Insekten gestaltet werden kann. Und so entstand dann auch die Idee, mit Sand die Zwischenräume zu vergrössern.“
Die angelegten Ziegelburgen haben sich bewährt. Reptilien sonnen sich auf den oberen Ziegeln. Bei Gefahr ziehen sie sich in die Burg zurück. Auch Eier, die Reptilien dort ablegen, sind im Sand zu finden. Ein weiterer Bewohner ist die Geburtshelferkröte. Die Ziegelburg wird als Balzplatz und als Rückzugsort für die Männchen mit Eischnüren genutzt. Und zu guter Letzt dient die Ziegelburg Amphibien und Reptilien als Überwinterungsort.
Die Ziegelburg beim Mühleweiher sollte aus den genannten Gründen erhalten bzw. erneuert werden. Mit einem Freiwilligeneinsatz an einem Samstagmorgen schichteten vier Vereinsmitglieder des Naturschutzvereins Eiken unter der Anleitung von Thomas Wohldmann rund 120 Ziegel aufeinander. Dem Betrachter wird schnell bewusst, dass es für die Burg zwar nur Ziegel und Sand braucht, die Umgebung aber auch etwas hergeben muss. Die Burg steht in einer naturbelassenen Gebiet oder mit anderen Worten «mitten in einer nicht ganz aufgeräumten Umgebung“.
Die Freiwilligen haben für die Besorgung des Materials und für den Bau der Burg je einen halben Tag investiert. Lohnt sich dieser Einsatz überhaupt? Was bringt es, in die Natur einzugreifen? „Der Einsatz für die Natur lohnt sich immer“, ist Thomas Wohldmann überzeugt. „Dank den verschiedenen Biotopen in Eiken haben viele bedrohte Tierarten ein Rückzugsgebiet gefunden. Und zudem jede und jeder kann etwas tun. Im Siedlungsgebiet, in jedem Garten bzw. auf jedem Fleckchen Erde können wir ein kleines Biotop schaffen und etwas für die Biodiversität tun. Anstatt sich über Insektensterben, Abholzung bzw. Umweltverschmutzung aufzuregen, müssen wir handeln, denn der ökologische Zusammenbruch erfolgt lautlos. Es gibt leider keine lautstark skandierenden Tier- oder Pflanzenarten, die gegen ihr Aussterben protestieren. Es gehört auch zu den Aufgaben der Naturschutzvereine, das Sprachrohr der „stummen Natur“ zu sein, sich für sie einzusetzen und die Bevölkerung zu sensibilisieren. Der Naturschutzverein Eiken setzt sich, ebenfalls nicht lautstark aber dafür fortwährend, für die Natur ein.

Ziegelburgen gibt es in Eiken nicht nur in Naturschutzgebieten. Auch in einem Privatgarten wurden alte Ziegel mit Sand aufeinandergeschichtet. Ob Offenland, Weinberg, Wald oder Garten, für die Ziegelburg braucht es einen sonnigen Standort innerhalb einer klein strukturierten Umgebung. Reptilien bewegen sich nur in einem Radius von 50 – 100 Metern und innerhalb dieses Bereichs brauchen sie miteinander verbundene Elemente wie Paarungs- und Eiablageplätze, Jagdreviere aber auch Versteckmöglichkeiten. Material, das sich gut aufwärmt, wie Steine, Mauern oder eben Ziegel, lieben Eidechsen und andere Reptilien zum „Sünnele“. Als wechselwarme Tiere brauchen sie warme, jedoch nicht brütend heisse Sonnenstandorte, um ihre Körpertemperatur aufrecht zu erhalten. Auch die Schlingnatter, das Tier des Jahres 2019 des Naturschutzvereins Eiken, gehört zu den Reptilien.

Mit grossem Enthusiasmus verfolgt der Naturschutzverein Eiken das Ziel zusammen mit der Bevölkerung etwas mehr Natur ins Dorf zu bringen. Ende August erfahren Kinder und Eltern unter der Leitung von Daniela Lauber Bärlocher, was für die Behausung von Reptilien gemacht werden kann. Ganz im Sinneetwas tun statt reden.

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