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Ein Interview mit Harald Gloor zum Saisonbeginn

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Harald Gloor Headcoach Damen NLB / BTV Aarau Volleyball

Harald Gloor Headcoach Damen NLB / BTV Aarau Volleyball

Manuela Schenker: Wir blicken auf eine unglaubliche Saison zurück mit einer wahnsinnigen Leistung des Damen 1 und des ganzen Staffs rund um das Team. Nach nur einer Saison in der 1. Liga konnte der angestrebte Aufstieg in die NLB realisiert werden. Welche Ziele hast du dir und dem erfolgsverwöhnten Team für diese Saison gesetzt?

Harald Gloor: Unser Ziel für diese Saison sehen wir alle sehr pragmatisch. Wir wollen uns in der NLB festsetzen. Durch die Reduktion der NLB von 16 auf 12 Teams wird der Kampf um den Ligaerhalt immens schwer. Und wir müssen damit umgehen, die eine oder andere Niederlage zu verkraften. Trotzdem sind wir optimistisch, dass wir das Potenzial für eine starke Saison haben. Niemand im Team nimmt Niederlagen einfach so hin, alle sind motiviert sich stetig zu verbessern und ich bin sicher, wir werden schnell lernen. Mit vier wöchentlichen Trainingseinheiten zeigt das Team und der Staff, dass alle bereit sind mehr als andere zu geben und für unsere Ziele zu kämpfen. Das Kader ähnelt dem letztjährigen sehr. Wir konnten uns punktuell gezielt verstärken und sind breiter aufgestellt als vergangene Saison. In der Annahme und in der Verteidigung wollen wir mehr Bälle im Spiel behalten. Das tönt simpel, ist in Tat und Wahrheit aber ein langer Lernprozess. Wir haben uns vorgenommen, die Offensive variantenreicher zu gestalten, um den gegnerischen Block und die Defense stetig zu beschäftigen. Weiter gehört ein starker Service einfach dazu. Viele Spielerinnen setzen sich auch individuelle Ziele, an welchen sie stetig arbeiten.

Mit Dünya Kiliç hast du eine neue erfahrene NLB Passeuse ins Team geholt. Das ist der vierte Wechsel innert einem Jahr auf dieser Schlüsselposition. Zweite Passeuse ist das Jungtalent Ella Ammeter (17 Jahre). Wie schwierig ist es das Team auf die wiederum neue Situation einzustellen und welche Risiken sind damit verbunden?

Nach der speziellen letzten Saison mit dem doppelten Transfercoup auf der Zuspielposition (Kathleen Weiss und Marija Tabunscic) folgt eine neue Ära. Glücklicherweise wurde insbesondere Ella nachhaltig von Kathleen geprägt. Sie hat die Zeit mit ihr genutzt, sie gut beobachtet und von ihrer Erfahrung profitiert. Mit den beiden unglaublich ehrgeizigen Dünya und Ella haben wir ein spannendes Duo gefunden. Die beiden pushen sich gegenseitig zu Höchstleistungen. Zum Glück sind beide in jedem Training anwesend. So sind wir schon länger an der Abstimmungsarbeit. Aber selbstverständlich braucht das Zeit und jede spielt die Bälle ein bisschen anders. Mein Wunsch ist, mit diesen beiden über einen längeren Zeitraum zusammenarbeiten zu können. Ein Vorteil ist, dass wir damit unberechenbarer werden und dass wir bei einer Verletzung nicht sofort reagieren müssen. Die Saison beinhaltet viele Spiele, mehr als in der 1. Liga. So kann auch die Belastung besser verteilt werden.

Wo siehst du die Stärken und Schwächen im Team?

Nachdem wir uns in den letztjährigen Play Offs mit der Verteidigung und in der Annahme eher schwertaten, war das einer der Sommer Akzente. Wir haben uns verbessert – viel Schweiss ist geflossen. Dann hatten wir letzte Saison ein eher schmales Kader. Jede Verletzung hat dazu geführt, dass Unsicherheit aufkam. Dank den Zuzügen werden wir das besser auffangen können. Wir sind ausgeglichen besetzt und mit Anika Schulz haben wir eine Spielerin, die viele Punkte garantiert. Die Jungen konnten sich ein weiteres Jahr entwickeln und durch das Zusammenbleiben des Teams kennen wir uns jetzt noch besser. Ich glaube, wir werden ein unangenehmer Gegner sein, der um jeden Ball kämpft und in der offensive werden wir die eine oder andere spannende Kombination zeigen können. Trotzdem sind wir immer noch sehr jung. Und nicht zu vergessen, wir kommen aus der 1. Liga in das Haifischbecken NLB. Jedes Team hat sich für diese schwierige Saison verstärkt. Es kann sein, dass wir dadurch zu Beginn der Saison damit zu kämpfen haben. Auch dass die Spiele und die Ballwechsel eng sein werden. Das sind wir uns noch nicht gewohnt. Dies kann zu Verkrampfungen führen. Wir sind uns dessen bewusst und werden dementsprechend den Druck versuchen tief zu halten. 

Du warst diesen Sommer mit der Schweizer Nationalmannschaft an der Europameisterschaft in Bratislava und konntest während knapp zwei Wochen das Niveau der europäischen Teams beobachten. Du darfst dir eine Spielerin aus dem internationalen Feld aussuchen. Wer und warum?

Oha, das ist eine spannende Frage. Es gibt so viele fantastische Spielerinnen im internationalen Volleyball ... schwierig. Aber wenn ich eine wählen müsste, wäre es wohl die Türkin Ebrar Karakurt. Ihre Power im Angriff ist enorm und ihr Siegeswille scheint noch stärker zu sein als bei vielen anderen. Mir gefällt ihre Verbindung mit den Zuschauern. Sie motiviert nicht nur die Spielerinnen auf und neben dem Feld, sondern auch den Staff und die Zuschauer. Sie bringt Emotionen in die Halle, und das mit 19 Jahren. Und ich bin sicher, sie wird in der Zukunft noch viel besser werden. Beeindruckt hat mich auch die serbische Zuspielerin Maja Ognjenović. Ihre Fähigkeit, den Ball spät in ihrer Flugphase zu spielen macht es für den gegnerischen Block sehr schwer vorherzu- sehen, wohin sie den Ball spielen wird. Ach, es sind so viele Ausnahmekönnerinnen dabei. Und das faszinierende ist ja, dass jede dieser Spielerinnen ihre persönliche Stärke einbringt. Keine ist gleich wie die andere. Sie haben ihren Weg gefunden, sich auf dem Spielfeld auszudrücken. Die eine mit Kraft, die andere mit Grazie oder Energie oder Technik oder Explosivität, oder oder oder ...  Jede ist einzigartig in ihren Vorzügen. Genau dahin möchte ich die Spielerinnen im Damen 1 auch bringen. Seine Stärken zu kennen und diese Konsequent zu spielen macht gute Spielerinnen aus.

Was ist dein persönlicher Wunsch für die Saison 2019/20?

Erstmal wünsche ich mir, dass die Spielerinnen gesund bleiben und Freude am Volleyball haben. Diese Freude und die Lust am Volleyball wollen wir auch unseren Supportern vermitteln. Ich geniesse es, wenn die Spielerinnen an ihre Limiten gehen, sich in Bälle werfen, diese verteidigen und die Angreiferinnen nach überlegtem Zuspiel mit Risiko den Punkt abschliessen. Ich wünsche mir, dass wir mutig auftreten. Dann werden auch die Erfolge kommen. Und da ich Niederlagen gerne vermeide, wünsche ich mir viele Siege. Dann geht es mir und meinem Umfeld viel besser ;-). 

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