Eine fast perfekte Mannschaftsleistung auf der einen und schwerwiegende Absenzen auf der anderen Seite ermöglichten den Aargauern einen unerwartet klaren Sieg in Willisau. Da Hergiswil gleichzeitig in Kriessern verlor, haben noch vier Teams Chancen auf ein Finalticket.
Normalerweise ist die BBZ-Halle in Willisau ein Hexenkessel. Auch am Samstag waren 1000 Zuschauer gekommen - eine ordentliche Kulisse für einen Qualifikationskampf. Doch richtig Stimmung wollte zumindest unter den Einheimischen nicht aufkommen. „Phasenweise war es gar unheimlich ruhig", sagte Freiamts Trainer Marcel Leutert."
Die Willisauer Fans hatten tatsächlich wenig zu feiern. Das Duell der Erzrivalen war für einmal ein ungleiches. In der ersten Halbzeit gewann Willisau nur einen einzigen Kampf: bis 96 Kilogramm Freistil setzte sich Thomas Bucheli gegen den jungen Pascal Gurtner durch. Dass am Ende auch Gurtner zufrieden sein durfte, war bezeichnend. Er hatte gegen den Internationalen nicht vorzeitig, sondern nur nach Punkten verloren.
Die Aargauer verstanden es, Willisau auf Distanz zu halten - im Sieg genauso wie in der Niederlage. „Es ist genial gelaufen, von Beginn weg", erklärte Leutert. Nach drei Kämpfen und ebenso vielen Siegen durch Oleg Lavruvjanec (55 kg Freistil), Mirko Silian (120 kg Greco) und Markus Weibel (60 kg G) führten die Gäste früh mit 9:2, nach der Niederlage von Gurtner und dem Sieg von Christian Huwiler (66 kg F) zur Pause 12:5. „Huwiler und Silian gewannen jeweils zu Null. Eine zusätzliche Aufgabe, die beide super gelöst haben", so Leutert.
Schlüsselmomente nach der Pause
Noch durfte man eine Mannschaft wie Willisau aber nicht abschreiben. Die zweite Halbzeit hätte das Blatt wenden können. Hätte, wenn da nicht Reto Bucher und Pascal Strebel für zwei Schlüsselmomente besorgt gewesen wären.
Bucher, trotz eines Bänderrisses im Fussgelenk angetreten, verlor gegen den Spitzenringer Murat Argin zwar die erste Runde, entschied die zweite aber mit einer klasse Dreier-Wertung und bewies in der dritten taktisches Feingefühl. Er wählte nach dem 0:0 in der regulären Zeit freiwillig die Unterlage, liess in dieser Argin keine Chance und gewann den Kampf. „Natürlich schwirrt so eine Verletzung irgendwo im Hinterkopf herum. Während des Kampfes hat sie mich aber nicht behindert", erklärte Bucher. „In solchen Situationen beweist Reto, dass er nach wie vor Weltklasse ist", lobte ihn Trainer Leutert. Denn der Kampf sei in zweierlei Hinsicht wichtig gewesen: für Bucher selbst, vor allem aber für die Mannschaft.
Strebel bodigt Söldner Ilhan
Die fast schon unheimliche Ruhe stellte sich aber erst nach dem folgenden Kampf bis 66 Kilogramm Greco ein. Denn Pascal Strebel bewies, dass er sich national wie international auf den Spuren von Reto Bucher bewegen kann. Der 20-Jährige trat gegen den Bulgaren Mumyunay Ilhan selbstbewusst auf und wurde dafür belohnt. Nachdem beide eine Runde durch Zwiegriff für sich hatten entscheiden können, gelangen Strebel in der dritten Runde zwei Einer-Wertungen aus dem Stand. Der Bulgare war geschlagen, die Willisauer mitsamt Publikum bedient. „Siege gegen Ausländer sind immer speziell, in Willisau gleich doppelt", freute sich Strebel. Gegen den gleichen Bulgaren hatte Strebel im Frühling in Paris übrigens noch verloren.
Der Rest war Zugabe und ähnlich einseitig. Sandro Vollenweider (84 kg F) rehabillitierte sich für den schwachen Auftritt vor Wochenfrist und punktete Daniel Minder aus. Ivan Kron (74 kg F) gewann gegen Dominik Bossert nach Punkten und ebenfalls zu Null. Nicola Küng bezog schliesslich die zweite Niederlage des Abends gegen Jonas Bossert. Richtig freuen vermochte sich darüber im Heimteam aber niemand. Willisau kann die verletzungsbedingten Ausfälle von Marco Riesen (Kreuzbandriss) und Andreas Reichmuth (Armbruch) derzeit nicht kompensieren. Hinzu kam eine Ringerstaffel Freiamt, die sich sehr fokussiert und ausgeglichen präsentierte. „Ich kann mich nicht erinnern, dass wir gegen Willisau schon mal so hoch gewonnen haben. Trotzdem ist es nicht mehr als ein Kampf", sagte Reto Bucher. „Wir werden dieses Resultat nicht überbewerten", meinte auch Trainer Leutert.
Zusammenschluss an der NLA-Spitze
Da Leader Hergiswil etwas überraschend in Kriessern eine 13:8-Pausenführung noch aus den Händen gab und 19:21 verlor, kam es in der Nationalliga A zum grossen Zusammenschluss. Mit Hergiswil, Freiamt (beide 6 Punkte) sowie Willisau und Kriessern (beide 4) haben noch vier Teams Chancen auf die Finalqualifikation. Nur Weinfelden ist abgeschlagen. „Das ist doch spannend und im Interesse des Ringens", sagte Freiamts Trainer. Wohlwissend, dass seine Mannschaft in der Rückrunde nochmals zulegen kann.
„Es spricht tatsächlich vieles für uns, etwa der Wechsel in den Stilarten oder auch das breite Kader", sagt Bucher, der nicht nur selber ringt, sondern auch Greco-Trainer ist. Die Stilartenwechsel in den einfach besetzten Gewichtsklassen kommen den Aargauern entgegen: Vor allem das Litauer Leichtgewicht Oleg Lavruvjanec (55 kg) dürfte es freuen, dass er ab dem nächsten Kampf am 7. November (Heimkampf gegen Weinfelden, 20 Uhr in Muri) nicht mehr im freien sondern in seinem bevorzugten griechisch-römischen Stil antreten darf. Profitieren werden auch Markus Weibel (60 kg) und Mirko Silian (120 kg), welche die zweite Saisonhälfte im Freistil bestreiten. „Wir sind in einer super Position, besser hätte das Wochenende nicht laufen können"; erklärt Pascal Strebel. „Nun müssen wir den guten Vorzeichen in der Rückrunde aber auch Taten folgen lassen." --pst

RC Willisau - RS Freiamt 10:25 (5:12)
BBZ-Halle Willisau. - 1000 Zuschauer. - Kampfrichter: Jean-Claude Zimmermann. - 55 Kilogramm Freistil: Roger Heiniger - Oleg Lavruvjanec 1:3 PS (2:3, 1:2). - 60 kg Greco: Kurt Bachmann - Markus Weibel 1:3 PS (1:4, 0:4). - 66 kg F: Michael Koch - Christian Huwiler 0:3 PS (0:3, 0:3). - 66 kg G: Mumyunay Ilhan - Pascal Strebel 1:3 PS (0:1, 1:0, 0:2). - 74 kg F: Dominik Bossert - Ivan Kron 0:3 PS (0:5, 0:6). - 74 kg G: Jonas Bossert - Nicola Küng 3:0 PS (1:0, 1:0). - 84 kg F: Daniel Minder - Sandro Vollenweider 0:4 TÜ (0:6, 0:7). - 84 kg G: Murat Argin - Reto Bucher 1:3 PS (1:0, 0:3, 0:1). - 96 kg F: Thomas Bucheli - Pascal Gurtner 3:0 PS (3:0, 4:0). - 120 kg G: Felix Scherrer - Mirko Silian 0:3 PS (0:1, 0:6). (phs)