Enttäuscht verliessen die Solothurner nach dem Abpfiff das Spielfeld, blieben noch lange in der Halle sitzen und diskutierten mit Freunden und Familie. Wunden lecken war angesagt. Soeben ging der Spitzenkampf gegen den unangefochtenen Leader der NLB verloren. Und dies denkbar knapp mit 20:22, wobei der letzte Treffer für den RTV Basel quasi mit dem Schlusspfiff fiel. Davor hatte die Truppe von Trainer Marco Kurth, der selber nicht spielte, 60 Minuten wacker gekämpft. Mehr als das sogar, denn während 45 Minuten war Solothurn dem Gegner sowohl in der Offensive wie auch in der Deckung überlegen und schnupperte an der Sensation.

In der ersten Halbzeit spielte der TVS die Basler sogar regelrecht an die Wand. Zwar ging der RTV gleich mit dem ersten Angriff durch Topscorer Rares Jurca in Führung. Das Heimteam liess sich dadurch aber nicht beeindrucken und konnte umgehend ausgleichen und kurz darauf sogar die Führung an sich reissen. In der Folge spielten die beiden Mannschaften bis zu 18. Minute (6:6) auf Augenhöhe, dabei trumpfte vor allem Solothurn mit einer enorm starken Verteidigung auf.

Einbruch nach der Halbzeit

Einmal mehr bewiesen die Solothurner, wieso sie die beste Verteidigung der Liga stellen. Abwehrchef Martin Beer stellte die Mitte zusammen mit Alain Blaser und Tom Althaus derart souverän zu, dass der mit Abstand beste Angriff der Liga völlig ratlos erschien. Die meisten der wenigen Torschüsse, die der RTV Basel gegen den Solothurner Abwehrwall abgeben konnte, wurden dann zudem von TVS-Keeper Taro Diethelm pariert. Bis zu Pause vermochten die Ambassadoren deshalb mit drei Toren Differenz (12:9) davonzuziehen.

Vermutlich selber erstaunt über die starke Leistung in den ersten 30 Minuten, verpasste der TVS den Start in die zweite Halbzeit komplett. Nach einem Angriff und zwei Gegenstössen nach technischen Fehlern, und nach nur gerade zwei Minuten und 19 Sekunden, hatte Basel die Lücke aus der ersten Hälfte geschlossen.

Solothurn ging danach zwar noch einmal in Führung (13:12), wurde aber in den folgenden Minuten von mehreren zweifelhaften Schiedsrichterentscheiden zurückgebunden. Gleich zweimal pfiffen die Unparteiischen ein Foul für den TVS, obwohl gerade ein Solothurner Spieler frei vor dem Tor zum Abschluss kam. Ein weiterer Treffer von Mathias Blaser wurde aberkannt, da dem Tor ein Stürmerfoul des Kreisläufers vorangegangen sein soll. Zudem hagelte es plötzlich Strafen und nur noch selten spielten die beiden Mannschaften bei numerischer Gleichzahl.

Kein Glück in der Schlussphase

Als sich alle Beteiligten Mitte der zweiten Halbzeit wieder fingen, lag der TV Solothurn jedoch deutlich mit 14:18 in Rücklage. Zu diesem Zeitpunkt hatte der Basler Topscorer Rares Jurca soeben seine dritte Zweiminuten-Strafe erhalten, was gleichzeitig die vorzeitige Disqualifikation bedeutet.

Trotzdem legten die Gäste gleich noch zwei Treffer nach (50. Minute, 14:20). Dennoch steckten die Solothurner nicht auf und mobilisierten noch einmal alle ihre Kräfte. Und plötzlich wähnte man sich wieder in der ersten Halbzeit. Geduldig und sicher spielten die Gastgeber ihre Angriffe aus, wendig und konzentriert präsentierte sich die Defensive und auch Torhüter Diethelm glänzte mit weiteren Paraden.

Tor um Tor verringerte sich die Differenz, bis es in der 57. Minute 19:21 stand. Offenbar zu viel für die Nerven von RTV-Spielführer Tibor Jurjevic, der sich im Angriff zu einer Tätlichkeit hinreissen liess und mit Rot vom Platz gestellt wurde. Mit dem folgenden Angriff erzielte Kreisläufer Nicolo Moggi sogar noch den Anschlusstreffer, gut zwei Minuten waren zu diesem Zeitpunkt noch zu spielen.

Als die Basler ihren anschliessenden Angriff mit einem technischen Fehler hergaben, hatte der TVS noch einmal die Chance, den mehr als verdienten Punkt mit dem Ausgleich doch noch zu holen. Doch beide Abschlussversuche landeten im Block und die Rheinstädter brachten ihren Vorsprung über die Runden.

Mut für den Kampf um den dritten Platz

Trotz der Enttäuschung über die verlorenen Punkte können die Solothurner Spieler stolz auf ihre Leistung sein. Sie brachten eine Mannschaft, die eigentlich in die NLA gehört, an den Rand einer Niederlage. Noch nie in der gesamten Saison hat der RTV Basel so wenig Tore erzielt wie gegen Solothurn, 26 Tore waren bisher die schlechteste Offensivausbeute des Leaders.

Freilich kann man sich davon im Sport nichts kaufen, denn Punkte gibt es für Siege und nicht für herausragende Leistungen. Aber es macht Mut, dass der TV Solothurn gewappnet ist für die letzten drei Spiele der Saison, in denen die Aarestädter noch mit Möhlin um den dritten Rang in der NLB kämpfen. Beide Teams müssen dabei noch gegen den BSV Stans antreten, der eine starke Rückrunde zeigt.

Das restliche Programm spricht aber für Solothurn, das noch gegen die Pfadi Espoirs und gegen Abstiegskandidat Siggenthal antreten muss. Möhlin hingegen muss sich noch den offensiv starken Lakers Stäfa und Leader RTV Basel stellen, gegen beide haben die Aargauer in der Hinrunde verloren.