Vevey ist ein Traditionsverein und die Stadt am Lac Léman war lange Zeit eine nationale Bas­ketball-Hochburg. Aus der Vevey-Schule stammt auch ein gewisser Thabo Sefolosha. Das Heute ist weniger rosig. Trotz der Aufstiegs-Euphorie konnten, zum Erstaunen vieler Kenner und Insider, die Viviser in der höchsten Spieklasse nicht Fuss fassen.

Gut, sie gewannen die Auftaktpartie am 30. September 2017 gegen Winterthur mit 76:67. Danach setzte es für die Waadtländer 18 (!) Niederlagen in Folge ab – meist waren es Kanternie­derlagen oder Matches, welche der Rivale bereits im ersten Viertel, spätestens aber zur Halbzeit, ent­schieden hatte.

Dem zweiten Saisonerfolg am nächsten kam der Aufsteiger am 18. November 2017, als die Waadtländer in der 9.  Runde ein Heimspiel, sehr unglücklich, mit 62:63 verloren, ob­wohl der Gastgeber zweimal den Ball für den Siegeskorb hatte. Der Widersacher an jenem Samstag hiess üb­rigens Starwings…

Nach 12 Minuten geführt

Obwohl der Auftakt aus Starwings-Sicht sehr zäh verlief (2:8 nach vier Minuten), fing sich das Birstaler Kombinat auf und zeigte bis zum Viertelsende gute Kost. Aber das erste Mal­heur war bereits nach neun Minuten und 24 Sekunden erfolgt, als Allyn Hess sich erneut verletzte und fortan von der Bank aus dem Match beiwohnte.

Nach zwölf Minuten stand es 26:19 – doch dann kam der Filmriss, der totale Einbruch. Und weiteres Verletzungspech. Nach 15 Minuten war auch für Alexis Herrmann (wie Hess rekonvaleszent und ange­schlagen ins Spiel gegangen) die Partie fertig. Und aus einem 26:19 war ein 28:36 gewor­den.

Cheftrai­ner Roland Pavloski, dem die pure Verzweiflung anzusehen war, musste jene fünf Akteure «laufen» lassen, die noch zur Verfügung standen. Einer, Petar Babic, ist auch rekonvales­zent und dürfte wohl kaum spielen. Andere, wie Branislav Kostic und Björn Schoo, waren stark foulbelastet. Die Quintessenz war, dass sie spielen mussten, aber «körperlos», weil sie sich keine Fouls leisten durften. Kurzum: Der Vergleich verkam zu ei­ner totalen Farce.

Vevey hatte vor zwei Wochen seinen erhofften serbischen Topskorer (welcher er aber nie war) namens Stefan Zivanovic entlassen. Und dafür seinen Landsmann Jagos Matijasevic (24, 195 cm) verpflichtet.

Gegen die «Wings» war dieser schnell mit vier Fouls belastet, sass mehrheitlich auf der Bank – und erst als die «letzten Mohikaner» der Baselbieter hilf­los auf dem Feld standen, kam der Distanzwerfer nochmals zum Zuge. Und steuerte so leichte acht Punkte bei.

Konkurrenz reagiert

Bei Vevey fehlte mit Vincent Gaillard der «Königstransfer» des letzten Sommers; der Nationalspieler und Milos Rajic (ebenfalls ein Langzeitverletzter) waren eigentlich für die Stammfünf vorgesehen gewesen. Aber die Viviser haben die drei Gardner-Brüder, alle­samt im er­weiterten Nationalteam-Kader, unter Vertrag.

Und der Neuling aus der Roman­die, der in seinem Sprachgebiet viel harte Kritik erhalten hat, konnte Mitte Januar aus Genf den 18-jährigen Eliott Kübler (eines der grössten Schweizer Talente mit Jahrgang 1998) verplichten. Ihn von einem Titelkandidaten loseisen.

Und diesen als 10. Mann bringen. Der Co-Letzte Winterthur hat zwei seiner drei US-Profis entlassen – der neuverpflichtete Baka­ri Copeland (USA) erzielte gleich 22 Punkte und gefiel individuell. Dass «Winti» im Wallis bei Monthey mit 59:114 unterging, sei aber auch noch erwähnt.

Die Starwings, die in ihrer 13. Nationalliga-A-Saison stehen, können auf kein «unvorhergesehenes Ereignis» reagieren. Ausländerwechsel kommen nicht in Frage – dies ehrt die Klub­verantwortlichen, welche diesen «Menschenhandel» nie mitgemacht haben. Aber Langzeit­verletzte können nicht ersetzt werden.

Zuzüge sind nicht möglich – und so muss Pavloski Akteure einsetzen und forcieren, die angeschlagen oder verletzt sind. Die Quint­essenz ist, dass gegen Vevey während 25 Minuten eine Equipe auf dem Feld stand, die auch in der Nationalliga B Mühe bekunden würde. In dieser Deutlichkeit muss es gesagt werden. Alles andere ist Augenwischerei.

Ligaerhalt muss Ziel sein

Und weil nach jedem Match das Lazarett grösser wird, stellt sich nicht die Frage, ob die «Wings» die Playoffs noch erreichen können (was bei vier Zähler Rückstand auf Rang 8 durchaus möglich wäre), sondern vielmehr, wie man den Ligaerhalt bewerkstelligen möch­te, wenn nach jedem Spiel ein Leistungsträger weniger zur Verfügung steht.

Wenn in die­ser verflixten 13. Saison (wahrlich eine Unglückszahl) dieses «Pech, Pannen und Pleiten» weitergehen, so wird das einstige Aushängeschild des Deutschschweizer Basketballes, in Frühling, wenn es um den Klassenerhalt geht, keine fünf Spieler mehr auf dem Feld ha­ben...