Kürzlich trafen sich 40 Mitglieder des Gemeinnützigen Frauenvereins Baden zum traditionellen „Besinnlichen Nachmittag“. Dieses Zusammensein bei Kuchen und Kaffee wird seit 1946 jährlich durchgeführt.

Rosemarie Keller aus Untersiggenthal las aus ihrem Buch „Ich bereue nicht einen meiner Schritte“ über das Leben und das mutige Wirken der Feministin und zweiten Ärztin der Schweiz.

Caroline Farner schrieb sich im Alter von 28 Jahren als zweite Schweizerin im Jahre 1871 an der Universität Zürich ein. 1877 schloss sie ihr Medizinstudium mit Auszeichnung ab und bildete sich in Wien und Deutschland weiter. Sie war nie verheiratet und lebte mit Anna Pfrunder und deren Eltern, einer wohlhabenden Zürcher Baumeisterfamilie, im Haus Ehrenberg in Zürich. Sie führte eine gut gehende Praxis für Allgemeinmedizin und behandelte auch Männer, was damals nicht gut ankam. In Urnäsch gründete sie ein Erholungsheim für Frauen, in dem Arbeiterinnen, Hausfrauen, Dienstmädchen und Prostituierte gepflegt wurden.

Caroline Farner war ein wichtiger Teil der Frauenbewegung, und sie gründete den Frauenverein Fraternité, heute der Schweizerische Gemeinnützige Frauenverein, und gab zwischen 1890 und 1894 die ganz im Geiste der Frauenbewegung geschriebene Zeitschrift „Die Philanthropin“ heraus, wo sie regelmässig Artikel zu gesundheitlichen und frauenrechtlichen Themen schrieb.

Meta von Salis war eine enge Freundin und Weggefährtin von Caroline Farner. Meta von Salis schrieb für sie und Anna Pfrunder eine Verteidigungsschrift, als den zwei Frauen Veruntreuung von Mündelgeldern 1893 der Prozess gemacht wurde. Die Verfolgungen durch den Oberrichter Wittelsbach – Partei im Streitfall Pfrunder-Wittelsbach und Richter in einer Person –, die in eine lange Untersuchungshaft und einen späteren Prozess mündete, in welchem die Frauen freigesprochen wurden, waren für die gesamte Frauenbewegung traumatisch, die Rufmordkampagne beispielhaft. Caroline Farner und Anna Pfrunder wurden freigesprochen, jedoch handelte sich Meta von Salis mit ihrer Verteidigungsschrift eine Verurteilung wegen Ehrverletzung ein. Die Tagebücher von Meta von Salis und ihre Briefwechsel sind heute fast das einzige Zeugnis über das mutige Wirken von Caroline Farner. Alle persönlichen Gegenstände verschwanden nach Ihrem Tod im Jahre 1913 spurlos.

An Caroline Farner erinnert heute noch die mit ihrem Vermögen gegründete Anna-Carolinen-Stiftung, die jedes Jahr zwei bis fünf Schweizer Studentinnen mit Stipendien unterstützt.

Nach der Lesung wurde munter diskutiert und die feinen selbstgebackenen Kuchen gekostet. Die Präsidentin des Gemeinnützigen Frauenvereins, Catherine Courvoisier, informierte über den Stand der Renovationen der vereinseigenen Liegenschaft „Haselstrasse 6“, in der im Januar 2015 das Familienzentrum Karussell seinen Betrieb aufnehmen wird. Die von Ruth Joho und Ellen Brunner, beide Brockimitarbeiterinnen, gestalteten Blumendekorationen in Brockivasen fanden alle ein neues Zuhause. Unter den zahlreichen Gästen waren auch die Grossrätin Marianne Binder, Tochter von Autorin Rosemarie Keller, Kathie Wiederkehr, Betriebsleiterin Familienzentrum Karussell und die beiden Ehrenmitglieder Ursula Widmer und Jose Dürr.