Harmonisierung heisst, mit anderen Bildungssystemen der Deutschschweiz zu harmonieren. Die FDP Aarau organisierte einen Diskussionsanlass, um sich Klarheit darüber zu verschaffen, was der Lehrplan21 für den Alltag der Schüler und Lehrpersonen bedeutet.

Leidenschaftliche Wortwechsel zwischen den Befürwortern um Victor Brun, stellvertretender Leiter der Abteilung Volksschule des Departements Bildung, Kultur und Sport (BKS) des Kantons Aargau und dem Initiativkomitée "Ja zu einer guten Bildung-Nein zum Lehrplan21" um Bruno Nüsperli prägen den Diskussionsabend. Zwischen den Lagern aufgestellt hat sich FDP Grossrätin Sabina Freiermuth-Salz, die mit ihren kritischen Fragen Schwachstellen in der Kommunikation des BKS aufzeigt: „Das BKS muss die Zeit bis zur Abstimmung nutzen und über die künftige Ausgestaltung des Lehrplans 21 im Kanton Aargau Transparenz schaffen,“ so Sabina Freiermuth-Salz, sonst laufe man Gefahr, dass die Initiative gegen den Lehrplan 21 angenommen wird. „Die Initiative aber verhindert weniger den Lehrplan 21, als dass sie eine starre Fächerkombination im Schulgesetz verankert. Wichtige Lerninhalte wie zum Beispiel die Berufsbildung würden ausgelassen. Statt Probleme zu lösen, schafft die Initiative neue Schwierigkeiten.“

Trotz der schwierigen Umstände gelingt es der Moderatorin Dr. Sandra Kobelt erfolgreich durch die Diskussion zu führen.

Victor Brun weist darauf hin, dass die Initianten keine Lösungen aufzeigen wie der Verfassungsauftrag zur schweizweiten Harmonisierung der Bildung umgesetzt werden soll. Die Initianten wollen einfach verhindern. Der Bund würde bei einer Annahme der Initiative durch das Aargauer Stimmvolk intervenieren müssen, um so seinem Verfassungsauftrag der Harmonisierung der Schule gerecht zu werden. Die Gegner der Initiative heben zudem hervor, dass das Modell des LP21 an den Berufsschulen seit mehr als zehn Jahren erfolgreich erprobt ist.

Mit dem Lehrplan21, so Initiant Bruno Nüsperli, schere die Schweiz international aus. Harmonisierungsbedürftige Bereiche dagegen wie die Fremdsprachen werden durch den LP21 unbefriedigend behandelt. Schüler müssten in der Schule weiterhin durch den Frontalunterricht gebildet werden und nicht nur diskutieren lernen. Auch sei der Lehrplan 21 viel zu kompliziert und vielschichtig, als dass eine Lehrperson diesen je korrekt umsetzen könne.

Sabina Freiermuth-Salz prophezeit dem BKS Schiffbruch mit dem neuen Lehrplan, sollte es dem Departement nicht gelingen, dem Stimmvolk klar und deutlich zu vermitteln, wie dieser im Kanton umgesetzt wird. „Und solange die Fremdsprachen nicht harmonisiert sind und jeder Kanton seine eigenen Stundentafeln festsetzen kann, sollen für einen neuen Lehrplan keine Umgestaltungen in Angriff genommen werden, welche erst noch erhebliche Kosten mit sich bringen“ so Freiermuth.. Ob ihre mahnenden Worte vom BKS erhört werden, wird die Abstimmung zur Initiative Anfang 2017 zeigen.