Ein fesselnder Vortrag vom Chischte-Mami

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Frau Marlise Pfander, eingeladen von der SVP Birr, Brugg, Villigen und Windisch, berichtete über ihre Zeit als Direktorin des „Männerknasts“ Bern, dem meist überbelegten Ausschaffungs- und Untersuchungsgefängnis mit vorwiegend männlichen Insassen.

Die Zuhörer folgten gebannt dem mitreissenden, oft betroffen machenden Erlebnisbericht. Was doch eine Berührung auslösen kann: Ein „hartgesottener Mörder“ grännet das puurlutere Wasser, wie Marlise Pfander in sympathischem Dialekt erzählt. Dass weibliche Intuition und Empathie gepaart mit resoluter Abschaffung unsinniger Regeln (Frühstück um 05.30 Uhr) Erfolg haben könnte, bezweifelten viele Männer. Das kann doch nicht gehen, eine Frau als Chefin in einer Adrenalin-Chischte. Doch es ging. Neun Jahre leitete sie das regionale UG. Dass aber kein antiautoritärer Führungsstil aufkam, machte die engagierte (inzwischen zweifache) Grossmutter klar. „Hat mich einer angemöögget, habe ich zurückgemögget“. Sie hat konsequent Einzelhaft in der Betonzelle angeordnet, wenn nötig – aber stets griff sie ungern zu diesem letzten Disziplinierungs-Mittel.

Ihr Auftritt in der Sonne Windisch überzeugte: dynamisch, echt, humorvoll, einfühlend, kompetent. Das Leitmotiv in ihrer Tätigkeit: Wohltuend gesunder Menschenverstand und nicht eine Gutmensch-Ideologie oder abgehobene, pseudoakademisch begründete Empfehlungen. Der Präsident der SVP Windisch hatte Fragen vorbereitet. Er und das Publikum wollten die Meinung der Referentin zu Kuscheljustiz, untherapierbaren Verbrechern, ausländischen Aufsehern, Täter- oder Opferschutz, bedingten Geld- und Haftstrafen wissen. Schwer zu ertragen ist die vom Gesetzgeber offenbar gewollte Ohnmacht des Gefängnispersonals gegenüber renitenten Gefangenen und solchen, denen alles egal ist.

Viele Besucher blieben nach dem Vortrag und diskutierten engagiert weiter. Das beste Zeichen dafür, dass Frau Pfander und ihr Thema „den Nerv getroffen hat“!

Sie musste sich oft gegen Imponiersprache, weltfremde Managerentscheide, gegen Schein-statt-Sein-Allüren stemmen. Und so zog sich der rote Faden, der durch alle SVP-Vorträge des letzten Jahres ging, in diesem Vortrag: Den Verdacht, es herrsche eine Ideologie der „Seniorenjagd“ im Strassenverkehr, versuchte der Chefbeamte aus Schafisheim mit dem Hinweis auf objektive Demenztests zu widerlegen. Der nächste Referent, ein SP-Strafrechtsprofessor forderte, dass wissenschaftliche Untersuchungen an die Stelle von ideologischen, unbewiesenen Behauptungen (zum Beispiel, dass nur ein abartig teures Sondersetting helfen könne) treten. Der Nuklearingenieur legte dar, dass Ideologie statt Vernunft zur grassierenden, unsäglichen Energiestrategie in der Schweiz geführt habe.

Die Erfahrungen Marlise Pfanders reihen sich in die professoralen Thesen der Vortragsreihe ein, dass gesunder Menschenverstand in Fragen wie Senioren-Fahrtüchtigkeit, Ausgestaltung des Strafrechts, Energieproduktion, als auch im praktischen Strafvollzug an die Stelle ideologischer Denkgebote (und –verbote) treten soll. Bürger dürfen selber denken.