Politik ist nicht jedermanns Sache – trotzdem machten sich die Auensteiner Senioren am 20. Juni mit zwei vollen Cars auf ins Bundeshaus nach Bern.

Imposant ist der Blick vom „Rosengarten“ auf die Altstadt mit den Kaminen, Türmen und der Kuppel des Bundeshauses, welche golden glänzte, obwohl in Bundesbern nicht immer alles Gold ist, was glänzt. Nur ein paar Schritte weiter bis zum Restaurant, wo beim Mittagessen – im Schatten natürlich – viele interessante Gespräche geführt wurden.

Die Führung im Bundeshaus erfolgte in zwei Gruppen. Gleich beim Eingang fühlte man sich wie auf dem Flughafen: Personenkontrolle durch Sicherheitspersonal. Wie manchmal der Metalldetektor wegen eines künstlichen Hüftgelenks Alarm geschlagen hat, ist nicht bekannt. Bei den drei „Eidgenossen“ erklärte die Führerin den symbolischen Aufbau der Kuppel, welche die politischen Ebenen, aber auch die Landesteile und die Sprachenvielfalt umfasst.

Im Ständeratssaal durfte man sich in einen der ehrwürdigen Sessel setzen. Die im Pult vorhandenen Tintenfässchen – die meisten erinnern sich noch an die alten Schülerpulte – sind natürlich schon lange ausser Betrieb und wurden durch eine moderne Abstimmungsanlage ersetzt. Interessant waren auch die Erläuterungen über den Ratsbetrieb, wo es z.B. im Gegensatz zum Nationalratssaal keine Übersetzung der Voten in eine andere Landessparache gibt.

Viel imposanter ist der Nationalratssaal. Wiederum war es möglich, sich auf einem der Sessel niederzulassen. Wohl möglich, dass jemand den „falschen“ Sessel erwischt hat, d.h. dass üblicherweise jemand dort sitzt, der einer ganz anderen politischen Partei angehört als der persönlich bevorzugten.

Der Auensteiner Nationalrat Beat Flach informierte über den Ratsbetrieb mit seinen Gepflogenheiten. So sind die Räte in der Regel per DU miteinander, in den Verhandlungen im Saal jedoch per SIE. Die Erläuterungen der Führerin zum grossen Gemälde zeigten das Spannungsfeld zwischen Künstler und Architekt auf. Alle, welche schon ein Haus gebaut haben, könnten auch etwas davon erzählen!

Auffällig war schon, dass die Auensteiner/innen in der Wandelhalle nicht von Lobbyisten umschwärmt wurden. Auch hier lebten die Künstler ihre Kreativität aus. So machte die Führerin u.a. auf ein Deckenbild zum Thema „Tourismus“ aufmerksam wo die Touristen nackt dargestellt sind – und das um 1900: also lange bevor das auch von ausländischen Gästen besuchte Naturistengelände „Chläb“ in Auenstein gegründet wurde und die Nacktwanderer in Appenzell zu Diskussionen Anlass gegeben haben.

In einem der verschiedenen Kommissionszimmer erläuterte NR Beat Flach die Arbeit der Kommissionen. Sie macht einen Grossteil des Parlamentsbetriebes aus und nicht, wie in den Medien dargestellt, die Debatten im Ratssaal. Dort werden gewissermassen die Resultate der Kommissionen im Plenum beraten. Kompetent beantwortete er die Fragen der Seniorinnen und Senioren.

Nebst dem Besuch im Bundeshaus blieb noch Zeit für einen Bummel durch die kühlen „Lauben“ und die Gelegenheit zum „Lädele“. An diesem heissen Dienstag führte die Fahrt in den gut klimatisierten Bussen über die alte vor der Eröffnung der Autobahn übliche Route von Zürich nach Bern wieder zurück nach Auenstein.

„Die in Bern machen ja, was sie wollen …“ dieser Spruch wird wohl weiterhin fallen, aber zumindest einige Auensteinerinnen und Auensteiner wissen nun aus der Begegnung mit Beat Flach, dass der Einfluss eines einzelnen Parlamentariers begrenzt ist und wie „Bern“ funktioniert.           Text: Hans-Peter Ott