Der letzte Anlass der diesjährigen Reihe „Begegnungen auf dem Weg" fand am kulturhistorischen Ort der Jura-Salzgewinnung statt. Eine Gruppe der reformierten Kirchgemeinde Frick besuchte das Salzmuseum in Schweizerhalle und die Saline Riburg/Möhlin.

„Salz ist unter allen Edelsteinen, die uns die Erde schenkt, der kostbarste", schrieb Justus Liebig, der deutsche Chemiker, der von 1803 bis 1873 lebte und der durch seine Arbeiten in der Agrikulturchemie und der Ernährungslehre bekannt wurde. Welche Hausfrau, welcher Koch ist sich dessen beim Salzen des Nudel- oder Spaghettiwassers heute noch bewusst? Ein Besuch im liebevoll eingerichteten Museum in den Räumen der ehemaligen Villa Glenck in Schweizerhalle ist ein „Aha-Erlebnis" auf einem Gebiet der Selbstverständlichkeit und eine Führung in der Saline Riburg/Möhlin und im imposanten „Saldome", der im Sommer 2005 fertig gestellt worden war und eine Lagerkapazität für 80‘000 Tonnen Auftausalz hat, weckt Erstaunen und Bewunderung für ein scheinbar alltägliches Gut.

Auf dem Rundgang auf dem Gelände von Riburg fallen die alten Bohrhäuschen der Gründerzeit aus dunkelbraunem Holz mit ihren hohen Türmen auf, die in Erinnerung an die weniger automatisierte Produktion von damals instand gestellt wurden. Sie bilden nicht nur einen optischen Kontrast zum gigantischen Saldome, sondern machen auch bewusst, welche „technischen Welten" zwischen ihnen und dem Riesen liegen.

Salz war während Jahrhunderten ein Mangelprodukt

Die Salzförderung beschränkte sich im Mittelalter vorwiegend auf Meersalzverdunstungsanlagen der Mittelmeerländer und auf kleinere Salzbergwerke im Gebiet des heutigen Süddeutschlands. Wie andere edle Handelsgüter wurde das Salz immer auf den gleichen Verkehrsachsen auf dem Land oder auf dem Wasser transportiert. Ähnlich wie die „Seidenstrassen" aus dem Orient kannte man daher die „Salzstrassen" des Abendlands. Da die alte Eidgenossenschaft ausser im kleinen Waadtländer Bergwerk von Bex, das heute noch existiert und eine Sonderrolle spielt, keine eigene Salzversorgung hatte, sicherten sich die Kantone die Salzlieferungen durch Kriege oder durch Staatsverträge - sie bezahlten ihren Salzbedarf mit Söldnern statt mit Geld: „Blut gegen Salz".

Salz wurde auch als reguläres Zahlungsmittel eingesetzt. In Äthiopien, zum Beispiel, haben sich so genannte „Amolis" bis in die neuere Zeit gehalten. Amolis waren ungefähr 30 Zentimeter lange Salzstangen von einem Kilogramm Gewicht, die in mühevoller Arbeit in den Salzfeldern im Nordosten des Landes gebrochen wurden. Für drei Amolis bekam man ein Pferd; eine Ehefrau oder ein kleines Schwein kosteten zwei Amolis!

Der Gründer der Saline Schweizerhalle

Mehr als ein Jahrtausend der Kriege um Salz, der Handelsverträge und Söldnerdienste zur Sicherung der Versorgung mit dem unentbehrlichen „Weissen Gold", fand mit dem Jahr 1836 ein Ende, als dem deutschen Salinenfachmann, Carl Christian Friedrich Glenck, nach langen Jahren erfolgloser Suche, in Schweizerhalle endlich die Salzförderung gelang. Glencks Forschungen waren so bahnbrechend, dass sie sogar die Aufmerksamkeit des naturwissenschaftlich interessierten greisen Dichters, Johann Wolfgang von Goethe, auf sich gezogen hatten. Goethe beriet den viel jüngeren Salzfachmann in verschiedenen Briefen und widmete ihm sogar ein Gedicht zum Dank für einen Salzbrocken.

1909 wurden die „Vereinigten Schweizerischen Rheinsalinen" zusammengeschlossen, die heute noch in allen Kantonen, ausser dem Waadtland, das Salzmonopol haben. Ein Kuriosum ist es, dass Salz in gewissen Kantonen der Schweiz bis 1960 nur an ganz bestimmten Orten, von für den Verkauf legitimierten Personen, gehandelt werden durfte. Oft hatte die Post ein so genanntes „Salzregal" - eine Erlaubnis zum Salzverkauf. (Annemarie Schläpfer)

Bild: Salzverkaufsladen aus dem frühen 20. Jahrhundert (Annemarie Schläpfer)