Feld- oder Wildhecken und kleine Feldgehölze geben mit ihrer Form, Grösse und Lage der Landschaft ihren eigenen Charakter. Sie sind wichtige, nicht zu unterschätzende Elemente in der Kulturlandschaft. Feld- oder Wildhecken sind nicht einfach störendes „Gestrüpp", ganz im Gegenteil, sie sind ausgesprochene artenreiche Lebensräume für Vögel, Säugetiere, Reptilien,
Insekten und viele andere Arten. Für bedrohte Tier- und Pflanzenarten bilden sie Rückzugs- und Überlebensinseln. Sie bilden auch sogenannte Trittsteine für die Ausbreitung von faunistischen und floristischen Individuen. Sie bieten vielen in der Kulturlandschaft nützlichen Schädlings-bekämpfern Unterschlupf oder Warte. Beim Eindunkeln erklingt ab und zu der Ruf eines hervorragenden Mäusejägers, der Waldohreule ab einer Warte aus einer Hecke. Typische Heckenbewohner sind Zauneidechse, Blindenschleiche, Goldammer, Neuntöter, Igel und ab und zu eine Ringelnatter. Viele kann man fast das ganze Jahr über beobachten. Zur Herbstzeit, trifft man am reichlich mit Beeren und Früchten gedeckten Tisch noch anderer Gäste, so den Dachs, den Marder, die Haselmaus, das Eichhörnchen und den Siebenschläfer an. Wo Hecken und Feldgehölze in Flugrouten der Zugvögel liegen, werden sie gerne von diesen bei Dämmerung als Schlafplatz angeflogen. Vor dem Weiterflug können die Vögel vor Ort an dem üppig gedeckten Tisch nochmals auftanken und neue Kräfte für ihre grosse Reise sammeln.
Hecken und kleine Feldgehölze können auf unterschiedlichste Weise entstehen. Im Mittelalter wurden oft ganze Besitztümer mit Hecken umgrenzt um ungebetene Gäste vom Grundstück fern zu halten. Andere Hecken wurden als natürliche Zäune bei Viehweiden angelegt. Lange gehörtern sie zum Typischen Landschaftsbild. Im Zuge der Modernisierung der Landwirtschaft verschwanden sie mehrheitlich aus unserer Landschaft.
Die meisten noch vorhandenen Feldhecken und Feldgehölze stocken auf felsigem, steinigem an die Oberfläche tretendem Material. Oft sind auch Findlinge oder Lesesteinhaufen die Ursache und Auslöser einer Feldhecke oder eines Feldgehölzes.
So auch sind die meisten der Hecken im „Honert" in der Gemeinde Stetten einst entstanden.
Dieses Heckengebiet hat sich dank des unermüdlichen Einsatzes des NAVOS mit vielen freiwilligen Helfern seit über zwanzig Jahren zu einer einmalig schönen, naturnahen Heckenland-schaft auf dem östlichen Abhang einer Seitenmoräne entwickelt.
Aus den einst sehr stark mit Bäumen und wenig Heckenpflanzen bewachsenen Feldhecken und Feldgehölzen, sind heute dank der Pflege sehr artenreiche Heckenoasen entstanden mit typischen Pflanzen, wie Liguster, Schwarz- und Weissdorn, Kreuzdorn, Pfaffenhütchen, Hartriegel, Hasel, Heckenrose, Heckenkirsche, Gemeiner Schneeball, einzelnen Kirschbäume, Hagebuchen, Esche und Eichen.
Am letzten Samstag im September war wiederum ein Arbeitstag zu Gunsten dieser wertvollen Heckenlandschaft durch den NAVOS (Natur- und Vogelschutzverein Stetten) angesagt. Eine einsatzwillige Schar von über zwanzig Helfer-innen und Helfern und nicht zu vergessen eine schöne Zahl von Kindern die hier ihre Kräfte an Sägen und Strauchscheren messen konnten, ermöglichten das gesteckte Arbeitsvolumen zu erledigen. Eine müde, aber fröhliche Schar, die im Bewusstsein etwas Nützliches für die Natur geleistet zu haben, fand sich am Mittagstisch zum wohlverdienten Essen an der prächtigen Herbstsonne ein. Auch in den kommenden Jahren werden Pflegeeingriffe notwendig sein, damit diese Biotope ihr Aufgabe und Funktion die ihr in der Natur zugewiesen sind erfüllen können. Dazu sind immer freiwillige Helfer sehr willkommen, entschliessen sie sich doch auch im kommenden Jahr mitzumachen?


Verfasser
Josef Gasser Förster / Naturexperte