Das NLA-Team des HSC Suhr Aarau hat sein zweites Heimspiel in Folge knapp mit 29:31 verloren. Gegen den Serienmeister Kadetten Schaffhausen führte die starke Mannschaft über weite Strecken der Partie, zeigte sich trotz der weiter gewichtigen Ausfälle und der zuletzt erlittenen, bitteren Heim-Niederlage gegen GC Amicitia selbstbewusst sowie voller Leidenschaft und hätte entsprechend mindestens einen Punkt - wenn nicht gar beide Punkte - verdient gehabt!

Zum Auftakt des Spiels zündete das Heimteam ein regelrechtes Feuerwerk, führte noch in der ersten Spielminute mit 2:0 und später gar 3:0, ehe der entnervte internationale Topgoalie Stevanovic nach sieben gespielten Minuten beim Stand von 7:4 ein erstes Mal seinen Kasten zu Gunsten des, in der Folge noch glückloseren Simon Kindle, räumen musste. Via 9:6 und 10:8 kämpfte sich der amtierende Schweizermeister dann bis zur 16. Spielminute auf 11:10 heran. Weil der HSC-Rückraum, bestehend aus den drei Eigengewächsen Tim Aufdenblatten, Patrick Romann und Raphael Rohr aber derart stark aufspielte und mit unglaublicher Treffsicherheit und Übersicht glänzte, sollte die erste Favoritenführung noch weitere acht Minuten auf sich warten lassen. Da war Stevanovic bereits wieder zurück im Kadetten-Gehäuse. Und auch der Gastgeber wechselte von Radovanovic zu Ferrante.

Die ebenso torreiche wie abwechslungsreiche Partie wurde mit hohem Tempo und hoher Intensität, dabei aber stets fair, geführt. Das Schiedsrichtergespann liess dies mit einer klaren Linie stets zu, führte dabei einen bereichernden Dialog mit den Protagonisten und fiel entsprechend positiv auf. Es entwickelte sich ein Duell auf Augenhöhe, in dem das Heimteam früher und im Verlauf der Partie mehr Zeitstrafen nahm, als die über die gesamte Spieldauer gesehen, konstanteren Gäste.

In der 22. Spielminute gingen die Schaffhauser denn auch erstmals mit 15:14 in Führung. Sechs Minuten später untermauerte Tim Aufdenblatten mit seinem Treffer zum 18:16 jedoch erneut eindrücklich die Ambition des Heimteams, auch gegen den Haushochfavoriten erneut etwas Zählbares mitzunehmen. Die 19:18-Pausenführung war verdient und versprach entsprechende Spannung für den zweiten Durchgang.

Captain Patrick Romann eröffnete diese mit einem sehenswerten Anspiel auf Kreisläufer Slaninka, der souverän verwandelte. Angeführt vom in dieser Phase überragenden Spielführer sowie unterstützt von einem immer besser werdenden Rückhalt Ferrante, hielt das weiter von Verletzungssorgen geplagte und damit dezimierte Team den Vorsprung mit seinen Anhängern im Rücken und hatte sich längst einen Punktgewinn oder gar Sieg verdient. Das Starensemble das ihm gegenüberstand, war an diesem Abend keineswegs unwiderstehlich, nur konstanter, konsequenter im bestrafen der gegnerischen Fehler, aber stets in Reichweite bzw. Schlagdistanz.

Die Kadetten, sie schienen in dieser Phase zudem beeindruckt, liessen sich zu theatralischen Aktionen hinreissen und liefen entsprechend lange dem besagten Zwei-Tore-Rückstand hinterher. Es war neben Topscorer Gabor Csaszar, dem in der zweiten Halbzeit aufdrehenden Flügel Manuel Liniger zu verdanken, dass der Ligakrösus in dieser Phase überhaupt erstmals seit der 22. Spielminute überhaupt wieder in Führung gehen konnte (24:25, 47. Spielminute). Insgesamt drei verworfene Siebenmeter (im Verhältnis zu 4 souverän verwandelten der Kadetten durch Manuel Liniger) sowie vier Minuten mehr in Unterzahl bildeten eine zusätzliche Hypothek gegenüber dieses starken Kontrahenten, der in der 58. Spielminute mit 30:28 in Führung gehen konnte.

Gemeinsam mit dem begeisterndsten Handball-Hexenkessel der Schweiz im Rücken erspielte sich das Heimteam 35 Sekunden vor Schluss die Chance zum womöglich finalen 30:30-Ausgleich und setzte entsprechend, mit dem siebten Feldspieler agierend, alles auf eine Karte - den Punktgewinn. Der zwölfte technische Fehler war aber am Ende einer zu viel - er erlaubte es Flügel Nik Tominec, den Siegtreffer zum 29:31 aus HSC-Sicht ins leere Tor zu erzielen - bitter für den dezimierten HSC Suhr Aarau, der ein tolles, leidenschaftliches Spiel zeigte und mindestens diesen einen Punkt verdient hätte.

So aber bleibt die Hochachtung des Gegners, der anwesenden 605 Zuschauer sowie der treuen Anhänger, für ein Team, dass sich nach vier Niederlagen in Serie nicht entmutigen liess, vor Leidenschaft, Spielfreude und Wille sprühte und es am Ende leider verpasste, sich dafür selber zu belohnen. Es spielte sich aber mit diesem Auftritt frei und wird die kommenden, entscheidenden Wochen entsprechend gestärkt bzw. voller Selbstvertrauen angehen.

Am Samstag, 02. Dezember 2017 gastiert der Sechstplatzierte auf seiner Mission, die Finalrunde zu erreichen nun beim Tabellenführer Wacker Thun. In der Lachenhalle wird das zwölfte Meisterschaftsspiel dabei um 17.00 Uhr angepfiffen.

HSC Suhr Aarau - Kadetten Schaffhausen 29:31 (19:18)
Schachenhalle Aarau, 605 Zuschauer, Schiedsrichter: Zwahlen/Castineiras.

HSC Suhr Aarau: Radovanovic (1. - 21., 2 Paraden), Ferrante (21. - 60., 12 Paraden), Reichmuth (4/1), Kaufmann (1), Romann (7), Aufdenblatten (8/1), Rohr (5), Slaninka (4), P. Strebel, Laube, Baumann, Prachar, Christ (n.e.), Hofer (n.e.). L. Strebel (krank), Kägi, Skvaril, Isailovic (alle verletzt).
Kadetten SH: Stevanovic (1. - 7. & 21. - 60, 6/3 Paraden), Kindle (7. - 21, 0 Paraden), Meister (1), Liniger (9/4), Küttel (1), Csaszar (8), Norouzi (2), Szyba (1), Markovic (3), Koch (2), Tominec (4), Pendic, Delhees (n.e.).

Die HSC-Stimme zum Spiel
von Cheftrainer Misha Kaufmann:
"Wir hätten heute wirklich einen, wenn nicht gar beide Punkte verdient gehabt! Wir haben eigentlich stets geführt, die Partie dreht irgendwann um die 50. Spielminute. Wir haben das Spiel aber wirklich über weite Strecken kontrolliert. Solche Spiele, solche Situationen gibt es leider - schlussendlich gilt es auch daraus wieder zu lernen - wir haben zwei bis drei Fehler zu viel gemacht, dies kostet uns die Punkte gegen einen solch konstanten Gegner."

Auf die Frage ob das Strafenverhältnis von 4:2 und das Verhältnis verschossener Siebenmeter von 3:0 auch ein Grund war, dass am Ende nichts Zählbares mitgenommen werden konnte: "Darauf würde ich es nicht beschränken - eine agressive Abwehr ist immer etwas positives, etwas wovon wir leben. Vor allem im zweiten Durchgang konnten wir uns dort wunschgemäss steigern, haben nur noch dreizehn und nicht mehr wie zuvor achtzehn Gegentore kassiert - das war sicher gut. So wie ich es kurz nach dem Spiel sehe, ist es mehr an den technischen Fehlern gelegen, die unnötig sind, der Müdigkeit geschuldet sind und dann vom Gegner konsequent bestraft werden. Da müssen wir cleverer werden, nicht mehr so viel Risiko nehmen!"

Auf die Frage ob der Auftritt auf Augenhöhe mit dem Meister aber dennoch Selbstvertrauen gibt für die kommenden Aufgaben: "Jeweils einen Schritt vorwärts zu kommen, dazu zu lernen, das ist wichtig. Das haben wir auch am Montag nach der Niederlag gegen GC Amicitia angesprochen, dass von jedem nun ein Schrittchen kommen muss. Heute haben wir das gesehen und auch gespürt, dass es wie von mir vorhergesagt ein anderes Auftreten von meiner Mannschaft sein wird - wir sind gestartet wie die Feuerwehr. Wir waren hungrig, wollten es besser machen als zuletzt - das ist uns gelungen, auch wenn am Ende dabei leider nichts Zählbares herausschaut!"