Neue Spendengelder, Anfragen und Ideen - seit dem Gewinn des Aargauer Rotkreuzpreises vor einem Jahr haben die Initianten der Konzertreihe Musikalisches Fenster auf der Palliativstation des Kantonsspitals Baden viel erreicht.

Es ist kein alltägliches Publikum, das sich an diesem Dienstagabend auf dem elften Stock des Kantonsspitals Baden eingefunden hat. Auch die Konzertreihe die hier gerade beginnt, ist es nicht. Zu den romantischen Klängen von Stefan Müllers Harmonium stimmt Bariton Daniel Pérez im Gang der Palliativstation das erste Lied an.

Eine intime Atmosphäre

„Wer hier auftritt, sollte nicht auf Applaus aus sein“, betont Priska Bützberger, Co-Leiterin der Palliativstation und Mitorganisatorin, kurz vor Konzertbeginn. In diesem speziellen Umfeld zu spielen, sei sehr intim. „Einige Patienten kommen aus ihren Zimmern, viele lassen einfach die Türe einen Spalt offen und ein paar lassen sie bewusst geschlossen.“

Seit die Konzertreihe Musikalisches Fenster vor einem Jahr den mit 10‘000 Franken dotierten Aargauer Rotkreuzpreis gewonnen hat, gaben dreizehn Musiker hier ihr Können zum Besten. Von leisen Werken Johann Sebastian Bachs über sphärische Klänge von Led Zeppelin bis zu irischer Volksmusik war alles dabei. An diesem Abend sind die Töne eher melancholisch. Doch dem Publikum gefällt‘s. Immer mehr Leute kommen aus ihren Zimmern, um den Melodien zu lauschen.

Spendengelder und Aufmerksamkeit

Pianist und Ideengeber Stefan Müller hat seit Beginn des Projekts 2015 wiederholt für die Musikalischen Fenster in die Tasten gegriffen und sein Netzwerk genutzt, um weitere Musiker dafür zu begeistern. Zusammen mit Bützberger freut er sich über die zusätzliche Aufmerksamkeit, die das Projekt seit dem Preisgewinn erfahren hat. „Andere Spitäler haben sich danach erkundigt und wir konnten das erfolgreiche Konzept weiterreichen“, berichtet er. Zudem seien vermehrt Spendengelder für die Aktivitäten des Palliativteams eingegangen, ergänzt Bützberger.

Sensibilisierung für Sterbebegleitung

Das Palliativteam möchte die Musikalischen Fenster in Zukunft auch für die Sensibilisierung im Bereich der Sterbebegleitung nutzen. „Ich könnte mir vorstellen, ein Konzert mit einer Musikschule oder einem hiesigen Musikverein zu veranstalten“, so Bützberger.

Vorstandsmitglied Otto Zimmerman vom Aargauer Roten Kreuz, der sich an diesem Abend unters Publikum gemischt hat, ist beeindruckt vom Engagement: „Ich durfte heute selbst erleben, wie die Musik positiv auf die Gefühle der Patienten, der Angehörigen, Mitarbeitenden und mir als Besucher einwirkt.“ Die restlichen Zuhörer scheinen seine Meinung zu teilen. Nach den letzten Klängen ertönt ein unerwarteter Applaus auf dem elften Stock des Kantonsspitals.

Der nächste Aargauer Rotkreuzpreis wird an der Generalversammlung des Schweizerischen Roten Kreuzes Kanton Aargau am 21. Juni verliehen. Weitere Informationen zum Musikalischen Fenster unter: www.kantonsspitalbaden.ch/Fachbereiche/Palliativmedizin/index.html