FDP.Die Liberalen Stadt Aarau

AHV-Finanzierung & Erwerbstätigkeit im Rentenalter

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Herausforderungen bei der Reform der Altersversorgung:
AHV-Finanzierung & Erwerbstätigkeit im Rentenalter

Die Finanzierung der AHV und die Erwerbsarbeit im Rentenalter sind aufgrund der steigenden Lebenserwartung ein dringliches gesellschaftspolitisches Thema.

Am 2. FDP-Samstagstalk zeigten Urs Bolliger, Roger Holzer (beide FDP) und Nancy Wayland Bigler (Direktorin Sozialversicherung Aargau) die aktuelle und künftige Situation der AHV auf. Bei der anschliessenden Podiumsdiskussion, moderiert von Mario Gutknecht, machten die divergierenden Vorschläge von Peter Roschi, Einwohnerrat CVP Aarau, und Renato Mazzocco, Aargauischer Gewerkschaftsbund, deutlich, wie stark die Reformvorstellungen der politischen Lagern noch voneinander abweichen.

Aufgrund der niedrigen Zinsen braucht es gemäss Urs Bolliger heute bereits ein Vermögen von 650 Tsd. CHFr., um ohne Einkommenseinbussen die Rente anzutreten. Jede und jeder muss daher spätestens vor dem 40sten Altersjahr mit dem Aufbau seines Altersvermögen beginnen, um so seine persönliche Verantwortung bei der Altersvorsorge wahrzunehmen. Ein Teil der Bevölkerung hat jedoch begrenzten Spielraum, diese finanziellen Mittel beiseite zu legen. Das Sozialversicherungssystem als Grundpfeiler der sozialen Sicherheit steht dementsprechend unter Druck. Somit stellt sich die Frage, welche Reformen das System braucht, um die Existenzsicherung im Alter zu garantieren.

Roger Holzer verwies hierzu auf eine wesentliche Neuerung der AHV Reform 2020, die Teilzeitrente, welche auch eine Antwort auf die Flexibilisierung der Arbeitswelt ist. Um die Finanzierung zu sichern, schlägt der Bundesrat zudem eine Art „Schuldenbremse“ vor, deren Stabilisierungsmassnahmen automatisch greifen, sobald der Finanzierungsgrad der AHV unter eine bestimmte Schwelle fällt. Es ist allerdings umstritten, welche Massnahmen umgesetzt werden sollen und welche Veränderungen sie nach sich ziehen.

Nancy Wayland, Direktorin der Sozialversicherung Aargau (SVA), verglich diesbezüglich das komplexe Sozialversicherungssystem mit einem Mobile, bei dem bereits kleine Veränderungen grosse, zum Teil existenzielle Folgen haben können. Angesichts dessen stellte Nancy Wayland ein wachsendes Bedürfnis seitens der Bevölkerung fest, sich von der SVA bezüglich AHV und Vorsorge intensiv beraten zu lassen. Die zahlreichen Fragen zur „Beitragslücken“ und Ergänzungsleistungen aus dem Publikum bestätigten diesen Eindruck.

In der anschliessenden Podiumsdiskussion wurde offenkundig, wie stark sich die Positionen bezüglich der Sanierung der AHV unterscheiden.

Aufgrund der sinkenden Pensionskassenrenten hielt Renato Mazzocco eine Stärkung der AHV für notwendig, die mit einer Erhöhung der Beiträge finanziert werden soll. Peter Roschi sah dagegen in der Flexibilisierung der Lebensarbeitszeit den richtigen Ansatz. Ältere Arbeitnehmer sind allerdings aufgrund des aktuellen Systems der Sozialabgaben teuer für die Arbeitgeber. Roger Holzer erachtete daher eine Erhöhung des Rentenalters nur als sinnvoll, wenn gleichzeitig Massnahmen zur Verbesserung der Situation von über 50-Jährigen auf dem Arbeitsmarkt getroffen werden. Als Beispiel einer solchen Massnahme nannte er einen unveränderten prozentualen Sparbeitrag für das BVG über die ganze Erwerbstätigkeit.

Alle Podiumsteilnehmer machten zum Abschluss der Diskussion klar, dass eine gemeinsame, überparteiliche Lösung schnell kommen müsse, um ein Schaden an der AHV und den Sozialversicherungen abzuwenden. Mit diesem Appell an die Politik endete dieser informative und intensiv geführte FDP-Talk.

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