Nur schon das Wort Architektur für Bauten zu verwenden, die wir alltäglich um uns haben - nur schon das war neu an dem Spaziergang, den Emanuel Schoop durch Wettingen ausgedacht hatte.

Die Führung begann an der Nägelistrasse: Dort entstand 1966 die „Geissburg“: ein komplett als Stahlgerüst erbautes Gebäude als Generationenhaus, mit kleinen und Familienwohnungen. Es hat die Regeln des Neuen Bauens damals konsequent umgesetzt. Das Stahlgerüst, mit Zugseilen verstärkt, lässt durch seine Glaswände alles Licht hindurch, der Sockel ist wegen der schlanken Stahlträger voll als Raum zu benutzen. Das Haus hat mehrere Flächen und Räume zur mehrfachen Nutzung für alle Bewohner. Heute ist es in der naturnah gestalteten Umgebung des Gartens und der Fassaden beinahe unsichtbar geworden.

In der Austrasse stehen beidseitig bis über die Grenze nach Baden hinaus eine Reihe von Mehrfamilienhäusern von anfangs des 20. Jahrhunderts: mit Giebel und Quergiebel, mit hübschen Einzelheiten wie den hölzernen Lauben oder den geschnitzten Dachstützen.

Die Kantonsschule Baden ist als Stahlskelett gebaut, nach englischen Campus-Anlagen. Schön sind die orthogonale Anordnung der Baukörper im Gelände und natürlich die erhöhte Lage gegenüber der Altstadt Baden. Flanierwege durch die grüne Umgebung ermöglichen den Genuss dieser klar gesetzten präzisen Formen. Der Architekt Fritz Haller hat auch das Technikum Windisch gebaut, und er ist der Gestalter der USM Haller Möbel. Wenn man es weiss, kann man sich erinnern an die Crown Hall, die Mies van der Rohe für das IIT Campus in Chicago erbaute.  

Den Eingang nach Wettingen bilden Badener Häuser: Unmittelbar nach den offenen Arealen Kantonsschule und Altes Spital stehen links und rechts stattliche Geschäftshäuser mit der klassischen Einteilung in Sockel, zwei Stockwerke und Dachgeschoss mit Lukarnen. Sie markieren standesgemäss den Eingang in die Stadt Wettingen – gehören aber zu Baden.

Dahinter sind in den Querstrassen zur Landstrasse Reihenhäuser und Gruppen von Vorarbeiterhäusern zu finden, mit sorgfältig gestalteten Eingängen, mit Ziergärten vorn und Nutzgärten hinter dem Haus. Wo die Häuser direkt an der schmalen Strasse stehen, wird diese zur Wohnstrasse.

Am Lägernhangfuss steht eine Gruppe aus den Dreissigerjahren: stattliche Bürgerhäuser, feine Details bei Sockel, Fenstern und Eingang ergänzen geschickt die grosse Kuben.

Versteckt in Grün sind am Lägernhang auch Flachdachhäuser, die in den Dreissigerjahren alleine in den Reben standen und heute von konventionelleren Bauten umgeben sind: Loepfe, Gantner heissen die Architekten. Der Bauhaus-Stil oder Internationale Stil im Gefolge von Le Corbusier verzichtete auf jede Anlehnung an lokale Elemente: Kuben ohne Schmuck und Ablenkung, Betonung der Waagrechten, Villa am Meer ohne Meer. Am besten versteckt aber ist ein Haus an der Schartentrottenstrasse: Sichtbeton, Holz, davor ein naturnaher Garten, Fassaden und Quader verschwinden in den Bäumen.

Die Gruppe von 30 Personen erholte sich in der Laube der Pizzeria an der Schartenstrasse von den Strapazen der sportlichen Tour.

MLR