Zur chinesischen Mauer und zurück

Sieben Schüler der Alten Kanti erzählen von ihrer Reise nach China

Sechs Chinesischschülerinnen und ein Chinesischschüler der Alten Kanti Aarau verbrachten drei Wochen im Reich der Mitte. Anlass der Reise war eine „Model United Nations"-Konferenz in Peking. Vor und nach der UNO-Simulation unternahm die Gruppe mit andern Schülern aus der ganzen Welt eine geführte Reise durch China. Hier erzählen sie von ihren Erfahrungen, Herausforderungen und Erkenntnissen.

Peking: Zelten im Regen an der chinesischen Mauer

Nach einem 10-stündigen Flug, den wir alle schlaflos verbracht hatten, weil wir so aufgeregt waren, landeten wir im wolkenverhangenen Peking. Von der hohen Luftfeuchtigkeit und den heissen Temperaturen waren wir vorerst alle ziemlich überrascht. Wir bezogen unsere Zimmer und nach einer kurzen Einführung fielen wir übermüdet ins Bett.
Am darauffolgenden Tag fuhren wir ins Umland von Peking. Wir verbrachten den Tag nahe an der Grossen Mauer, wo wir abends zelten gingen. Tagsüber wurden wir mit extremer Hitze und einem Plumpsklo, welches in China gängig ist, konfrontiert. Gegen Abend wurden wir erneut getestet, indem wir in strömenden Regen unsere Zelte aufbauen mussten. Wer zwei Stunden Schlaf bekam, durfte sich glücklich schätzen.
In der Morgendämmerung brachen wir auch schon wieder auf, um die Grosse Mauer zu besteigen. Trotz schlechten Wetters war es für alle ein unvergesslicher Anblick.
Zurück in Peking besuchten wir zuerst die tägliche Chinesischlektion, nahmen dann am Nachmittag an einer traditionellen Teezeremonie teil und genossen am Abend eine Akrobatikshow.
Am nächsten Tag schauten wir uns die ehemalige Residenz des Kaisers, die verbotene Stadt an. Auf dem angrenzenden Tian'anmen- Platz wurden wir von allen Seiten fotografiert, was während unseres ganzen Aufenthaltes in China zur Gewohnheit wurde. Den Abend verbrachten wir bei einer Gastfamilie, wo wir noch intensiver mit der chinesischen Kultur konfrontiert wurden.
Die nächsten drei Tage verbrachten wir in kleineren Gruppen, die jeweils ein Thema (Urbanisation, Wirtschaftskrise, Religion oder Kunst) erforschten. Dabei entdeckten wir Peking auf eigene Faust, indem wir zur Abwechslung mit Bus & U-Bahn unterwegs waren.
Als es dunkel wurde, fuhren wir zusammen zum Bird‘s Nest, welches zu den olympischen Gebäuden gehört.
Unseren Peking-Aufenthalt schlossen wir mit ausgedehntem Shopping und KTV(Karaoke) ab. (Nadine Jorg und Sarah Mettauer)


Konferenz: Diskussionen über Atomenergie und Gentechnik

Heftig diskutiert wurde während vier Tagen mit Schülerinnen und Schülern aus der ganzen Welt an der WEMUN Konferenz in Beijing. Unter den 2000 Delegierten befanden sich vor allem viele Chinesen und Inder, aber auch einige Amerikaner und Europäer nahmen an dieser Konferenz teil, die eine Simulation der richtigen UNO für Jugendliche ist. An diesem alljährlich wiederkommenden Anlass werden in unzähligen Komitees die unterschiedlichsten Probleme unserer Welt ausdiskutiert und gemeinsam nach möglichen Lösungen gesucht. Die Themen reichten von der friedlichen Nutzung der Atomenergie zu der zunehmenden Migration der Arbeiter aus Entwicklungsländern oder den Risiken von gentechnisch veränderten Lebensmitteln.
Wir als Schülerinnen und Schüler der Alten Kantonsschule Aarau haben uns nach anfänglichen geographischen Herausforderungen, vor welche uns diese riesige Konferenz- und Hotelanlage stellte, gut zurechtgefunden. Zwar waren wir anfangs auch ziemlich schockiert über jene Schüler, die sich monatelang vorbereitet hatten und welche zu allem Elend auch noch den grössten Teil der Teilnehmenden ausmachten. Doch die Business-Atmosphäre, die überall, von der Hotellobby bis zu dem Maskenball, zu spüren war, begeisterte auch uns bald. Schnell wurden wir mit vielen anderen Jugendlichen vertraut und lernten ihre Ansichten und Meinungen zu unserer Welt kennen. So schlossen wir Freundschaften nach Japan, Indien, China, den USA und viele mehr. Wir sind uns sicher, dass wir von dieser einmaligen Erfahrung in mancher Hinsicht profitieren konnten, vor allem die sozialen Fähigkeiten, wie eine spontane Rede vor dem ganzen Komitee zu halten oder respektvoll miteinander zu diskutieren, konnten nachhaltig verbessert werden. Viele von uns sind entschlossen, so bald wie möglich wieder hinzugehen. (Seraina Petersen und Mirjam Minder)

Shanghai: VIP dank Schweizer Pass

Noch ziemlich erschöpft von den anstrengenden Tagen an der Konferenz und auch ein wenig übermüdet, weil unser Flugzeug nach Shanghai über eine Stunde Verspätung gehabt hatte, besuchten wir nach einer kurzen, aber erholsamen Nacht eine Lebensmittelfabrik etwas ausserhalb von Shanghai. Nach einem interessanten Vortrag unserer Reiseleiterin über private Unternehmen in China, wurden wir im Fabrikgebäude herumgeführt. Einen kleinen Gegenpol zu diesem lehrreichen Morgen bekamen wir am Nachmittag, als wir in die Nanjing Road geführt wurden, seines Zeichens die grösste und berühmteste Shoppingstrasse in Shanghai. Sie trägt diesen Titel zu Recht, und nachdem wir hier einen Shopping-Marathon innerhalb von drei Stunden hingelegt hatten, besuchten wir noch das Art District ein paar Strassen weiter, wo auch unser letztes Geld an diesem Tag, in den vielen kleinen Läden in den Seitengassen, den Besitzer wechselte.
Den zweiten Tag in Shanghai widmeten wir fast vollständig der berühmten Expo in Shanghai. Es war drückend heiss, was die zahlreichen chinesischen Besucher nicht davon abhielt, stundenlang vor den Pavillons zu warten. Wir beschränkten uns deshalb auf den Besuch des Schweizerpavillons (wo wir triumphierend mit unseren Schweizerpässen in der Hand an der Warteschlange vorbeimarschierten) und einiger anderer Pavillons, wo wir dank unserer Überredungskünste und der Vorliebe der Mitarbeiter für Europäer durch den Hintereingang hereingelassen wurden.
Am Abend folgte dann der Höhepunkt für viele von uns: Eine Bootstour auf dem Huangpu, auf der wir einen atemberaubenden Blick auf die nächtliche Skyline von Shanghai hatten - Augenblicke, die wir nie vergessen werden.
Am nächsten Tag hiess es dann auch schon wieder Koffer packen, und noch vor 9 Uhr morgens standen wir bereits wieder mit gepackten Koffern in der Lobby. Unseren letzten Tag in Shanghai verbrachten wir mit dem Besuch einer Textilfabrik, wo wir eine Führung vom Fabrikvorsteher erhielten und die Arbeiter bewunderten, die den ganzen Tag in dieser drückenden Hitze arbeiten konnten. Uns verweichlichten Europäern lief schon nach wenigen Minuten der Schweiss in Strömen von der Stirn, dementsprechend waren wir froh, als wir wieder in den klimatisierten Car steigen durften. Als Abschluss besuchten wir noch das älteste Quartier in Shanghai, wo wir uns in Ruhe umsehen konnten, einige chinesische Spezialitäten ausprobierten und noch ein paar echte Schnäppchen ershoppen konnten. Gegen Abend fuhren wir dann an den Bahnhof, von wo uns ein Hochgeschwindigkeitszug mit 430 km/h an den Flughafen fuhr. (Annick Lüscher und Aline Odermatt)

Xi‘an: mit dem Tandem auf der Stadtmauer

Xi'an - Heimatort der Terrakotta-Armee, Hauptstadt der ersten Kaiser Chinas, letzte Station unserer Expedition durch das Land des Lächelns. Noch ein letztes Mal hiess es einchecken im Hotel. Von dort aus erkundeten wir die Stadt mit dem Bus, stets begleitet von Peter, unserem gesprächigen Reiseleiter.
Nach der Besichtigung einer Pagode, eine Art Tempel der zur Aufbewahrung von Schriften diente, waren wir zu Gast in einer der besten Schulen des Landes. Durch eine Präsentation und einen kurzen Vortrag der chinesischen Schüler erhielten wir einen Einblick in die Geschichte Xi'ans und in das strenge Leben der zukünftigen Elite Chinas. Ein Essen mit anschliessenden traditionellen musikalischen und tänzerischen Darbietungen rundete den ersten Tag ab.
Am zweiten Tag ging es in einen der älteren Teile der Millionenstadt. Als Ausgangsort der Seidenstrasse wurde Xi'an nämlich von vielen Händlern aus dem fernen Westen besucht. Durch ihren Einfluss entstand ein muslimisches Viertel, wo wir unsere noch übrig gebliebenen Yuan ausgaben und eine der grössten Moscheen Chinas besichtigten. Wir besuchten dort ausserdem ein traditionelles chinesisches Haus und bekamen ein Schattentheater zu sehen.
Am letzten Tag unseres kurzen Aufenthalts traten wir kräftig in die Pedale: Tandem fahren auf der 10 Meilen langen Stadtmauer und das in strömendem Regen. Erschöpft und durchnässt, aber trotzdem glücklich ging nach einem kurzen Stopp im Hotel weiter zum Jiaozi Kochen (chinesische Teigtaschen) und dann auch bald schon zum Bahnhof. Von dort aus fuhren wir mit dem Nachtzug zurück nach Beijing. Gezeichnet von einer nächtlichen Tortenschlacht - eine Schülerin unserer Delegation feierte Geburtstag - verbrachten wir noch einen glühend heissen Tag im Sommerpalast. Danach hiess es Abschied nehmen und einen halben Tag und sechs Zeitzonen später war die Reise schon zu Ende. (Christian Roeren)

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