Die Parkführung begann mit dem Blick vom Rathaus auf den Brühlpark. Als Wettinger Stadtpark war der Brühlpark 1956 angedacht als Teil eines neuen politischen und kulturellen Zentrums, zusammen mit Rathaus, Bezirksschule, Hochhäusern und Saalbau. Erst am 3. Juni 1984 wurde der Park realisiert, der Preis pro Quadratmeter entsprach demjenigen eines normalen Spannteppichs. Peter Paul Stöckli zeigte vom Rathausdach aus die formalen Gestaltungselemente und erinnerte sich an die Entstehung des Parks aufgrund der Bedürfnisse eines städtischen Zentrums: Der Brühlpark sollte ein Zentrum bilden, sollte die angrenzenden Quartiere vernetzen, sollte Aufenthaltsort und Spielort sein, pflegeleicht und strapazierfähig im Alltags- und Jahresgebrauch. Der Rundgang durch die Lindenallee, zum zentralen Brunnenbecken, durch den raffiniert natürlichen Wald im Osten und den praktisch erprobten Spielplatz zeigte, dass der Brühlpark sein Versprechen einlöst.

Im Friedhof St. Sebastian ist die Vergangenheit als Begleitstimme in den aktuellen Zustand hinein sehr präsent. Er erzählt nicht nur Geschichten, er enthält Potenzial für deren Weiterführung in Gegenwart und Zukunft. Qualitätvolle gestalterische Elemente wie Halle, Wegführung, Kammerung, Steine, Bäume, Hecken, Blickachsen werden in Zukunft sorgfältig gelesen und gefasst werden können. Ein öffentlicher Raum braucht Charakter und Prägung durch Sinn, braucht Vielschichtigkeit, wie sie durch Geschichte entstehen kann.

Der Park Bruggerstrasse in Baden bot zum Abschluss den Genuss eines gelungenen Beispiels von Weiterentwicklung eines Friedhofs zum Park: Zufällig Entstandenes und historisch Gewachsenes ist mit geschickter Hand zu einer spannenden, stimmungsvollen, vielstimmigen Folge von Raumerlebnissen geworden, genutzt und geschätzt von den benachbarten Einwohnerinnen und Einwohnern, zum Lesen, Verstecken, Klettern, für Picknick und Beschaulichkeit. Die 17 Personen, die die Führung mitmachten, kamen aus Wettingen, Baden, Neuenhof und Umiken, sie genossen den Rundgang und zum Schluss Apero und Gespräch im Schatten der Bäume.

Marie Louise Reinert