Zu Besuch bei den Bibern im Wasserschloss

Der Natur- und Vogelschutzverein Lengnau lud zur Biberexkursion ins Wasserschloss ein. Eine bunt gemischte Schar aus Jung und Alt liess sich in die Welt von Meister Bockert einführen.

Der Fabelnamen für den Biber war nur ein kleines Detail, das die rund 50 Teilnehmenden am letzten Mittwoch im alten Jahr über diese faszinierenden Tiere mit dem sehr engen Sozialverhalten lernten. Fredi Schären, Naturfreund und Biberkenner aus Turgi, hatte für den ersten Teil viel Anschauungsmaterial bereit gelegt. Da gab es schon fast kunstvoll angenagtes Holz zu bestaunen, einen Schädel mit kräftigen orangen Zähnen, eine Doppelkralle der Hinterpfote, die zur Fellpflege dient, und auch ein ausgestopfter Biber fehlte nicht. Mehr oder weniger vorsichtig wurde am Bibergeil gerochen, einem Drüsen-Sekret von Männchen und Weibchen, mit dem das Territorium markiert wird.
Auf dem anschliessenden Spaziergang der Aare entlang wies Schären auf viele Spuren der bis 30 Kilogramm schweren Nagetiere hin. Vor allem angenagte und gefällte Bäume waren zu sehen. Die Zuhörer erfuhren, dass der Biber es vor allem auf die feine Rinde der jüngeren Äste und die Knospen abgesehen hat. Da das Angebot an Kräutern und Knollen im Winter sehr klein ist und der Pflanzenfresser nicht klettern kann, werden die Bäume umgenagt, um an die begehrte Nahrung zu kommen. Das Holz wird in transportierbare, bis 20 Kilogramm schwere Teile zerkleinert und ins Wasser gebracht, wo ein Vorrat angelegt wird und ein Teil auch als Baumaterial Verwendung findet.
Der Eingang zum Bau
Eine Ansammlung von abgenagten Ästen im Wasser weist laut Fredi Schären auf die Nähe eines Biberbaues hin. Gespannt folgten die Blicke den Weisungen des Biberkenners. Und tatsächlich, da sah man den Eingang zum Bau. Dies irritierte einige Teilnehmer und führte zur Frage, ob denn der Eingang nicht immer unter Wasser liege. Laut Schären ist dies zwar meistens der Fall, jedoch vor allem bei niederem Wasserstand nicht immer. Auch dass der Biber nur nachts unterwegs ist, stimmt laut Schären nicht. Zwar ist der frühe Morgen die aktivste Zeit, doch in geschützten Lebensräumen und während der Wanderung kann man die Tiere auch am Tag sehen. „Können Sie dem Biber nicht rufen, damit er aus dem Bau kommt?" Diesen Wunsch einer Teilnehmerin konnte Fredi Schären leider nicht erfüllen.
Förderer der Biodiversität oder Schädling?
Wie kein anderes Tier gestaltet der Biber aktiv seinen Lebensraum. Dadurch entsteht auch ein Zuhause für viele andere Tier- und Pflanzenarten. Er hilft mit, dass an unseren Flüssen und Bächen wieder an die natürliche Flussdynamik angepasste Gehölzarten wachsen.
Durch seine landschaftsgestalterischen Aktivitäten kann der Biber an Orten, wo man der natürlichen Ufervegetation zu wenig Platz lässt, Probleme verursachen und Schäden anrichten. Diese entstehen meist in den ersten zehn bis zwanzig Metern vom Wasser entfernt. Da werden auf der Nahrungssuche auch Feldfrüchte wie Zuckerrüben und Mais nicht verschmäht oder in Gärten ein Obstbaum benagt. Dabei lässt er sich auch von einem Zaun nicht aufhalten. Was gerade im Weg ist, wird weggenagt. Einzelne Bäume können durch Maschendraht geschützt werden.Der beste Schutz vor Schäden wäre jedoch, der Natur auch am Flussufer mehr Platz zu geben.

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