Wer ein Liebhaber alter, authentischer Blues-Musik ist, kam beim Konzert von Wolfgang Kalb aus Hirschaid (Franken) voll auf seine Rechnung.

Vor sehr kleiner Kulisse erfreute er die wenigen Zuhörer im Café Sein mit seinem Country-Blues aus den 20er- und 30er-Jahren. Es war ein sympathischer Musiker ohne Starallüren, doch ein grosser Könner seines Fachs. Man glaubte sich in einem Jazz-Lokal in Nashville. Wolfgangs Blues ging in die Beine und der Applaus nach jedem Stück war riesig und ehrlich. Man summte heimlich mit und hätte am liebsten neben ihm auf der Bühne gestanden!

Seiner Dobro-Gitarre entlockte er Töne, die seine Bewunderer in Staunen versetzten. Sein Repertoire umfasst Stücke seiner alten Vorbilder wie Blind Blake, Robert Johnson, Mississippi John Hurt und anderer Interpreten des Country-Blues, doch Wolfgang gab allen Stücken seinen eigenen Sound. Beim Spielen vergass er die Welt um sich und lebte nur für seinen geliebten Blues. Seine Zwischentexte waren verständlich und lehrreich. Er tritt an bekannten Jazz-Festivals auf und erntet jeweils sehr gute Kritiken.

Es war ein Künstler zum Anfassen, der in der Pause auf allfällige Fragen bereitwillig Auskunft erteilte.

Sei es mit seiner Mundharmonika, mit seinem fantastischen Gitarrenspiel, oder mit seinem echt amerikanischen Slang, Wolfgang Kalb wusste alle Anwesenden zu begeistern und man wird noch lange an diesen denkwürdigen und interessanten Abend zurückdenken. Er hätte ein volles Haus verdient!

Heidi Härri