Im Podiumsgespräch zwischen Flückiger/Nietlispach und Chopard/Wermuth in Reinach kreuzten sich, wie angekündigt, sehr wohl die Klingen. Nebst der Diskussion von ganz spezifischen Fragen stellte das Gespräch über die 1:12 und die Mindestlohninitiative aber auch eine Grundsatzdebatte über die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der Schweiz dar.

„Was würde eine Annahme der zwei Initiativen konkret bedeuten für die Schweiz, Herr Wermuth?“, „Erfüllen Sie, als Unternehmer, Herr Nietslipach, 1:12?“ und zahlreiche weitere Fragen dominierten die Atmosphäre im Volkshaus in Reinach AG am gestrigen Abend. Dort debattierten Max Chopard, Gewerkschaftssekretär der Unia und SP-Nationalrat, sowie Cédric Wermuth, ebenfalls SP-Nationalrat, mit Silvia Flückiger, Nationalrätin der SVP, und Josef Nietlispach der Aargauischen Industrie- und Handelskammer über die beiden aktuellen Initiativen zur Lohngerechtigkeit: 1:12 und die Mindestlohninitiative. Das Gespräch wurde moderiert von Maurice Velati vom Schweizer Radio DRS. Die beiden Initiativen sprechen offensichtlich ein Thema an, das die Gesellschaft bewegt, wie die gute Besucherzahl zeigte.

Die 1:12 Initiative der JUSO verlangt, dass der höchste von einem Unternehmen bezahlte Lohn nicht höher als das Zwölffache des tiefsten Lohns sein darf. Die Mindestlohninitiative der Gewerkschaften sieht einen gesetzlich verankerten Mindestlohn von 4‘000 Franken für eine Vollzeitstelle sowie die Förderung von Gesamtarbeitsverträgen vor. Während die Diskussion um die beiden Initiativen anfänglich Fragen anschnitt, die wir mittlerweile von den momentan oft – und heiss – geführten Debatten kennen, wurden die Besucher anschliessend durch verschiedene – und manchmal unerwartete – Themen durch den Abend geführt: Demokratie, Globalisierung und was denn guter Journalismus sei.

Doch trotz dieser durch die Initiativen ausgelöste Grundsatzdebatte war vor allem eine Frage dominant: Was haben die beiden Initiativen für Auswirkungen? Neben der Frage nach Lohngerechtigkeit, formulierte der Gewerkschafter Chopard seine Voten kurz und prägnant: „Die beiden Initiativen führen zu mehr Kaufkraft in der Breite und kurbeln so die Wirtschaft an. Wir müssen einfach volkswirtschaftlich denken.“ Nietlispach setzte dem jedoch die Befürchtungen um Steuereinnahmen- und Arbeitsplatzverlust entgegen. Dies parierte Chopard hingegen mit Beispielen aus Studien, die zu anderen Schlüssen kommen. Und während Silvia Flückiger vor einem „Lohndiktat“ warnte, erinnerte Wermuth sie daran, dass es etwas seltsam wäre, einen demokratischen Entscheid an der Urne als Diktat zu betrachten. In einem Punkt waren sich die Kontrahänten einig: der Abstimmungsentscheid ist noch offen!