Die Gemeinde Freienwil möchte «Unicef – kinderfreundliche Gemeinde» werden. In einem Workshop konnten Kinder und Eltern ihre Bedürfnisse, Kritik und Wünsche äussern.

«Ein Schwimmbad!» «Die Schule abreissen und einen Freizeitpark hinbauen!» «Eine grosse Party machen!» Die Freienwiler Kinder wissen ganz genau, wie ihr Dorf noch mehr ein ganz besonderer Ort werden könnte. An einem Tisch in der Mehrzweckhalle zeichnen die jüngsten Einwohnerinnen und Einwohner der Gemeinde ihre Wünsche auf Papier. Der schönsten Zeichnung winkt ein toller Früchtekorb.  Auf einem Formular beurteilen sie zudem verschiedene Kategorien mit «Smileys»: Wie gern haben sie zum Beispiel Singen, Velofahren oder Spielen? Von den Eltern wollen die Organisatoren des Freienwiler «Familientags» freilich etwas differenzierter Auskunft: «Was macht Freienwil attraktiv? Was ist nicht ideal? Was kann man verbessern -> Lösungsvorschäge!», steht auf dem Formular, das an Posten 1 den Erwachsenen verteilt wird. 

Ein Postenlauf durchs Dorf

Im Workshop am vergangenen Samstag wollte die Arbeitsgruppe «Unicef-zertifizierte Gemeinde» sozusagen den Puls ihrer Familien fühlen. «Es geht auch darum, den Kindern eine Stimme zu geben, denn allzu oft werden sie nicht in Entscheidungen einbezogen, die vor allem sie betreffen», so Gemeinderat Daniel Aeschbach, der die Arbeitsgruppe zusammen mit Gemeinderätin Rébecca Schneider-Häfliger und Tom Rosenheck leitet.

Von der Turnhalle ging es auf einer kleinen Tour durchs Dorf um die Themen Freizeitangebot, Unicef, Spielplätze, Verkehrssituation und «Sprachrohr»: Wie beurteilen die Kinder die Spiel- und Freizeitmöglichkeiten Freienwils? Auf welchen Kreuzungen und Strassen fühlen sie sich unsicher? Haben sie das Gefühl, genügend mitbestimmen zu können, was im Dorf läuft? Würden sie in einem Schülerrat oder Jugendparlament mitmachen?  

Über 100 Kinder und Erwachsene nahmen die Gelegenheit wahr, ihre Meinung direkt – und anonym – zu äussern. An jedem Posten gab es einen Stempel, und mit der vollen Karte durften sich alle Teilnehmenden eine Bratwurst in der Turnhalle abholen. In die Organisation des Events war auch die Regionale Jugendarbeitsstelle Surbtal JAST eingebunden, und die Jubla Surbtal sorgte mit Basteln und Spielen für Unterhaltung.  

85-seitiger Fragebogen

Die meisten Gemeinden behaupten ja von sich, familien- und kinderfreundlich zu sein. Doch: Was bedeutet dies überhaupt? Und woran wird es gemessen? Ein internationaler Parameter ist die UN-Kinderrechtskonvention, welche die Grundrechte der Kinder festlegt. Gemäss dieser Konvention haben Kinder unter anderem ein Grundrecht darauf, angemessen versorgt, gefördert und geschützt zu werden. «Das mag in unseren Breitengraden verglichen mit anderen Kontinenten vielleicht selbstverständlich klingen», sagt Gemeinderat Daniel Aeschbach. «Doch auch hier ist es nicht immer selbstverständlich!»  

Die Unicef, das Kinderhilfswerk der Vereinen Nationen, hat nun eine Initiative namens «Kinderfreundliche Gemeinde» lanciert. Ziel ist es, die Umsetzung der Kinderrechtskonvention auf kommunaler Ebene zu unterstützen. «Schon wieder ein Label?» Diese Frage stellte sich die Arbeitsgruppe, als vor anderthalb Jahren die Einladung von Unicef zur Teilnahme in Freienwil eintraf. «Doch das Konzept überzeugte uns», so Aeschbach. Die Arbeitsgruppe füllte einen 85-seitigen Fragebogen aus, der als Standortbestimmung dient. «Dabei kamen in einigen Bereichen wie Verkehrssicherheit oder Einbezug der Kinder in für sie relevante Bereiche Defizite zum Vorschein», so Aeschbach.  

Erstellung eines Massnahmenplans

Der Workshop war der zweite Schritt auf dem Weg zum Label «Unicef-zertifizierte Gemeinde». In den kommenden Wochen wird die Arbeitsgruppe die Ergebnisse auswerten und darauf basierend einen Aktionsplan erstellen. Dieser muss von der Gemeinde und der Schulpflege genehmigt werden. Bei diesem verbindlichen Massnahmenplan geht es vor allem um den systematischen Einbezug von Kindern und Jugendlichen in die Gemeinde. Ein aktiver und ständiger Kontakt zwischen Gemeindebehörden und den Kindern oder Jugendlichen soll erfolgen, um Bedürfnisse abzuklären. «Bei gewissen Themen werden wir auch an die Gemeinde oder den Kanton gelangen», verspricht Daniel Aeschbach.

Wenn Freienwil sämtliche Kriterien erfüllt, erhält das Dorf als vierte Aargauer Gemeinde nach Baden, Rekingen und Zetzwil das Label «Unicef-kinderfreundliche Gemeinde». «Sehr wichtig ist bei dem ganzen Thema aber auch die Nachhaltigkeit», betont Aeschbach: «Wir hoffen, dass auch andere Gemeinden nachziehen.» Alle vier Jahre muss das Label rezertifiziert werden. Damit die Stimme der Kinder nie überhört werden kann!