Die Mitgliederversammlung des VCS Aargau drehte sich um die Velopolitik. Drei Experten der Aargauer Veloverkehrspolitik haben ihre Einschätzungen dargestellt, in welchen Bereichen im Aargau beim Veloverkehr Herausforderungen bestehen, wie dieser schon heute aktiv ist und woran es dennoch hapert.  Der Kanton Aargau will mit der beschlossenen Mobilitätsstrategie den Anteil des Veloverkehrs signifikant steigern. Das Ziel ist somit klar und auch breit abgestützt. Allerdings sind aktuell erst wenige Fortschritte erkennbar.  Herausforderungen für den Veloverkehr Im ersten Referat zeigte Hubert Kirrmann, Präsident von Pro Velo Baden, die aktuellen Herausforderungen des Veloverkehrs und mögliche Lösungen dazu auf. Als Herausforderung sieht er den Umstand, dass Familien aus Sicherheitsgründen aufs Velofahren verzichten und dass Jugendliche und Migranten weniger Velo fahren. Um den Veloverkehr wieder populärer zu machen, brauche es eine "attraktive Velo-Infrastruktur" und "eine Wiedererstarkung der Velokultur".  Was macht der Kanton Aargau? Im zweiten Referat stellte Carlo Degelo, Leiter der Verkehrsplanung des Kanton Aargaus, die aktuellen und geplanten Tätigkeiten des Kantons vor. Degelo hält erst mal fest: "In den Kernstädten, ländlichen Zentren und urbanen Entwicklungsräumen ist der Platz begrenzt, darum bracht es flächeneffiziente Verkehrsmittel. Das heisst es braucht mehr Velo- und Fussverkehr." Eine Massnahme mit welcher der Veloanteil gesteigert werden soll, neben der Berücksichtigung der Bedürfnisse der Velofahrer bei allen Projekten des Kantons, sind Veloschnellrouten. Dazu wurden drei potenzielle Routen eruiert. Es sind dies Brugg-Baden-Killwangen, Aarau-Hirschenthal und Lenzburg-Aarau-Olten-Zofingen. Warum geht es dennoch nicht voran? Erich Niklaus, Stadtplaner, Architekt und Alltagsvelofahrer, zeigte an fünf anschaulichen aarauer Verkehrssituationen aus der Sicht des Velofahrers eindrücklich auf, dass die Attraktivitätssteigerung des Velos leider (noch) nicht in der Praxis angekommen ist und identifizierte gewisse Hindernisse warum es mit der Veloförderung nicht vorangeht. Niklaus kommt zum Schluss, dass "sich die Bedürfnisermittlung an der Zukunft orientieren" sollte. Er lädt dazu ein, "die Aufgabenteilung von Kanton und Gemeinden zu überdenken". Insbesondere bei der Planung und der Kostenverteilung bei Kantonsstrassen, sollte der Kanton künftig dafür besorgt sein, dass nicht aus Kostengründen an der Verbesserung der Veloinfrastruktur gespart wird und dass den Bedürfnissen der Velofahrer vermehrt Rechnung getragen wird. Zudem schlägt er vor, dass die "Verbindlichkeit von Richtplänen und Konzepten gestärkt werden soll", so würden die guten Pläne bei den konkreten Bauprojekten auch berücksichtigt.