Die Chancen zu erkennen und gleichzeitig die Risiken im Griff zu behalten, ist eine der wichtigsten Aufgaben jedes Unternehmens und besonders im Exportgeschäft von grosser Bedeutung. «Stellte ich mir früher die Frage, ob ich es mir leisten kann, ins Ausland zu expandieren, frage ich mich heute: Kann ich es mir leisten, es nicht zu tun?». So Patrik Zimmerli, der vor der VCU Vereinigung Christlicher Unternehmer Aargau/Solothurn im Aarauer «Mürset» die Exportförderangebote des Bundes erläuterte.

Patrik Zimmerli ist 1977 geboren und in Zofingen aufgewachsen. Nach dem Studium an der Uni Bern ist er seit 2004 in verschiedenen Funktionen des Bundes anzutreffen: Wissenschaftlicher Mitarbeiter des SECO in Bern, Programmbeauftragter in Tansania, für das SECO im Paris Club, ab April 2019 Stv. Chef Internationale Zusammenarbeit in der Schweizer Botschaft in Tunis.

Weshalb sich dem Exportgeschäft anschliessen?

Die Schweiz ist gemessen an der Pro-Kopf-Leistung eine der grössten Exportnationen der Welt. Mit einer Exportquote von über 65 Prozent, gemessen am Bruttoinlandprodukt, ist das Wohlergehen unseres Landes stark mit der Exportentwicklung verbunden. «Jeder zweite Arbeitsplatz ist indirekt- oder direkt abhängig vom Export. Ich schätze die Zahl der exporttätigen Unternahmen in der Schweiz auf bis zu 40’000», so Zimmerli. Der Schweizer Markt ist sehr klein und somit stark abhängig vom Ausland. Auch viele KMU-Unternehmen sind geradezu auf ausländische Märkte angewiesen. «Mit unserer hohen Qualität der Produkte und Dienstleistungen sind wir gesuchte Partner im Ausland. Relativ schnell einen Exportpartner zu finden, ist möglich, aber es gibt gewisse Hürden und auch Fallen zu beachten», betont Zimmerli.

Der Weg zum Erfolg

Um ein Exportgeschäft starten zu können, muss ein KMU gewisse Standards erfüllen und ein spezifisches Knowhow mitbringen, denn es gibt viele Risiken. Fragen wie nichttarifgebundene Massnahmen, Ursprungsregeln, Zollkosten, Absicherungen, Exportfinanzierung usw. müssen als erstes geklärt werden. Dass in jedem Land unterschiedliche Kulturen und Mentalitäten anzutreffen sind, sprachliche Hürden bestehen, andere Marketingregeln gelten und nicht jedes Land jedes Produkt unterstützt, macht die Sache nicht leichter.

Die häufigsten Fehler

«Es gibt überall heikle Märkte und falsche Partner. Geduld ist der Schlüssel zum Erfolg. Und Kontrolle ist besser als Vertrauen», so Zimmerli. Ein starkes Führungsteam und hohe Qualifikation der Mitarbeitenden gereichen also auf jeden Fall zum Vorteil. Zu den häufig beobachteten Fehlern beim Einstieg in den Export gehören die Unterschätzung der Konkurrenz und des Aufwandes. Oder man bindet sich an den falschen Partner, weil die Due Dilligence zu ungenau durchgeführt wurde. Dass die persönlichen Beziehungen enorm wichtig sind, ist ebenfalls klar, wird aber vielfach massiv unterschätzt und fatalerweise auf die Email-Ebene verlagert. Und schliesslich steht häufig die mangelnde Identifizierung mit dem Zielmarkt im Weg, die intensive Auseinandersetzung mit Kultur und Sprache – und die schwache Anpassungs- und Lernfähigkeit.

Wo bekommt man Unterstützung?

«Switzerland Global Enterprise» (SGE) ist ein privater Verein mit einem öffentlich-rechtlichen Leistungsauftrag. Mit Informations- und Kontaktvermittlung, Beratung, Messen und vielem mehr ist die SGE die Fachstelle für Fragen bezüglich Exportgeschäfte. Rund 5’000 Firmen der Schweiz profitieren pro Jahr von diesem Support. Swiss Global Enterprise hat ein breites Expertennetzwerk, ist allerdings nicht kostengünstig. Als Alternative gibt es den «swiss export», ein selbstständiger Verband, welcher sich auf Veranstaltungen und Kurse für die Exportabwicklung spezialisiert.

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Respekt, Fairness, Verantwortung

Mit Anlässen zu aktuellen Themen fördert die Vereinigung christlicher Unternehmer VCU den Erfahrungs- und Meinungsaustausch unter den Mitgliedern sowie mit Fachleuten und interessierten Gästen. Hauptfokus ist laut VCU-Präsident Max Zeier dabei das «Wirtschaften mit Werten». Ziel der Vereinigung ist es, ihren Mitgliedern unternehmerische, gesellschaftliche und ethische Impulse zu vermitteln und ihre Verantwortung im Umgang mit Gesellschaft und der Welt wahrzunehmen. Dies ganz nach dem Motto: «Respekt – Fairness – Verantwortung».