Ruth und Ernst Bai geben Tipps zum Umgang mit schwierigen Lebenssituationen

In schwierige Lebenssituationen kann jeder geraten, doch wie geht man damit um? Diese Frage wurde am Frauen- und Männerabend am 27. Mai in der Arche Kölliken kompetent von Ruth und Ernst Bai beantwortet.

Das Frauenmorgen-Team Kölliken lud die Besucher zu einem feinen Apéro mit selbstgemachten Köstlichkeiten ein.

Monika Eschbach moderierte durch den Abend und stellte den Referenten zu Beginn einige persönliche Fragen zu ihrem beruflichen und persönlichen Werdegang.

Ruth Bai lebt seit ihrer Geburt mit einer seltenen Muskelkrankheit und erkrankte zudem 2006 an aggressivem Brustkrebs. Sie leitete bis 2015 die christliche Behinderten-Initiative „Glaube und Behinderung“ (www.gub.ch).  Ernst Bai ist Theologe und arbeitet als Lebensberater und Seelsorger mit Menschen in schwierigen Lebenssituationen. So konnten beide Referenten sowohl aus eigener Betroffenheit als auch aus professioneller Sicht den Gästen gute Tipps weitergeben.

Myriam Röthlisberger am Akkordeon und Monika Eschbach am Flügel stimmten musikalisch auf den Vortrag ein.

Ruth Bai zeigte an vielen Beispielen auf, wie es einem Betroffenen in einer schwierigen Situation geht, wie er mit Schockstarre oder der verzweifelten Auflehnung gegen sein Schicksal reagieren kann. Wie er um die Frage kreist, warum trifft es mich? Wie man mit Gott hadert, der einen nicht vor diesem Schicksal beschützt hat. Ernst Bai zeigte einen klaren Weg für Betroffene auf: Man darf nicht stehenbleiben bei der Warum-Frage und bei der Verzweiflung, sondern muss sein Schicksal annehmen, sich ihm ergeben. Erst wenn dies geschehen ist, ist die seelische Heilung möglich. Der Betroffene soll sich umfassend informieren über seine neue Situation, und er sollte sich gute Ansprechpersonen suchen. Der eigene Partner bzw. die engste Familie sollen jedoch nicht zu Therapeuten und Seelsorgern werden. Der Betroffene muß reflektieren, was sich für ihn alles verändert hat, und welche Hilfestellungen durch Ärzte, Umfeld, Seelsorger oder auch in Büchern/Internet gegeben werden. Nicht zuletzt muß er auch wieder lernen, sich Gutes zu tun, und auch einmal über sich selbst zu lachen.

Im Umfeld des Betroffenen ist meist die Bereitschaft zu helfen gross, doch wissen viele nicht wie. Manchmal hilft einfach schon, den Betroffenen am Sonntag zum Essen oder zu einem Spaziergang einzuladen. Oder die Kinder zu hüten, die Wäsche zu machen. Einfache praktische Hilfe, die nicht nur die ersten 4 Wochen anhält. Ihm zuhören, für ihn da sein und auch für ihn beten, wenn er das möchte. Doch man darf den Betroffenen bei aller Hilfe nicht entmündigen, und ihm seine Autonomie und Würde nehmen, indem man ihm alles abnimmt und für ihn Entscheidungen trifft. Auch sich selbst darf man nicht überfordern, man muß und darf auch dem Betroffenen Grenzen setzen.

Der Vortrag endete mutmachend und aufmunternd mit einem kleinen gtw und einem grossen GTW: „geh tapfer weiter“, und „Gott tut Wunder“. Danach hatten die Gäste kurz Zeit, das Gehörte zu reflektieren, während Monika Eschbach und Myriam Röthlisberger den Abend musikalisch mit einer feinfühligen Melodie beendeten.