Wenn man auf einem Waldweg einen einzelnen Schuh mit hohem Absatz findet, macht man sich so seine Gedanken : wer läuft in solchen Schuhen im Wald, und zweitens warum hat sie nicht gemerkt, dass ihr ein Schuh fehlt? Na ja, heutzutage ist alles möglich, warum also wundern? Ein paar hundert Meter weiter kommt der Schreibende an einer Sitzbank vorbei, auf der ein kleiner Haufen Schuhe liegt, lauter Einzelstücke, keine zwei, die zusammen passen. Man macht sich wieder so seine Gedanken, was soll das? Hundert Meter weiter, diesmal bei der Trostburg, wieder eine Bank und… dreimal darf der Leser raten. Richtig, wieder mit einer Anzahl einzelner Schuhe drauf. Die Gedanken, die man sich jetzt macht, werden intensiver. Was geht hier vor? Die Gedanken führen zu keinem Ergebnis, man schiebt es beiseite, man hat schliesslich andere Probleme.

Einige Tage später erzählt mir die Nachbarin, dass ihr zwei einzelne Schuhe abhanden gekommen sind, die draussen abgelegt waren, über Nacht verschwunden, einfach so. Sofort kommen mir meine Beobachtungen in den Sinn, die ich ihr schildere. Heute berichtet mir die andere Nachbarin, dass ihr zwei Schuhe, die nachts draussen standen, fehlen, ein älterer, dessen Verlust sie verschmerzen kann, aber der andere, ein fast neuer Jogging-Schuh, das Paar rund 200 Fr., dieser Verlust tut ihr weh. Glück im Unglück, später bei einem Spaziergang am Waldrand entdeckt sie auf einer Wiese einen hellen Fleck. Von Neugier getrieben geht sie hin und findet da ihren vermissten teuren Schuh wieder. Dieses Gespräch auf der Strasse wird von der dritten Nachbarin zufällig mitgehört. Sofort kommt sie hinzu und berichtet von einem Schuh, der gerade verschwunden ist, unter den gleichen Umständen – nachts draussen gelassen und am nächsten Morgen weg. Jetzt wird man stutzig, die Angelegenheit wird höchst mysteriös. Wieder macht man sich Gedanken. Affen, von denen man weiss, dass sie für jeden Schabernack gut sind, kommen nicht in Frage. Irgendein Fetischist? Von denen weiss man ja, dass sie ausgefallene Vorlieben haben. Aber von einem Schuh-Fetischist habe ich noch nie gehört. Wird auch gestrichen. Man denkt an die Diebstähle, die ja in letzter Zeit im Aargau zugenommen haben. Aber wer so was klaut, einzelne gebrauchte Schuhe, der ist nicht ganz richtig und schadet dem Image der Profidiebe beträchtlich und würde gar nicht geduldet. Nein, unser Quartier ist zu dem Schluss gekommen : nach dem jetzigen Stand der Dinge kommt nur einer als Täter in Frage : Meister Reineke, der Fuchs! Was in seinem Kopf vorgeht, bleibt sein Geheimnis, aber warum er meine Schuhe, die auch immer nachts draussen stehen, verschmäht hat, gibt mir zu denken. So was ist Diskriminierung. Aber ab heute sind auch meine Schuhe nachts im Haus.

Dies alles geschehen in Teufenthal. (bkl)