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Was blüht im Winterwald?

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Erste erfolgreiche Exkursion des NAR in diesem Jahr.

Blüten im Winter – diese widersprüchliche Aussage war offensichtlich ein interessanter Ansatz, denn rund 35 Naturbegeisterte fanden sich für die erste Exkursion des Naturschutzvereins Aare-Rhein in diesem Jahr ein.

Die Natur hat auch im Winter viel zu bieten

Auf den ersten Blick erscheinen unsere Wälder im Winter kahl und leblos. Doch auch in dieser Jahreszeit blühen bereits einige Pflanzen. Bäume und Sträucher lassen sich anhand der Rindenstruktur und der Knospen bestimmen. Simon Bächli, Gärtner und Geomantiker aus Umiken, verschaffte den Teilnehmerinnen und Teilnehmern spannende Erlebnisse und Erkenntnisse.

Seidelblast und Leberblümchen

Vom Treffpunkt Zurzacherberg ging es hinein in den Winterwald. Simon Bächli hatte ihn schnell entdeckt: den fast schon erblühten Seidelbast, ein sehr früher Blüher. Der Seidelbast ist ein geschützter, leicht giftiger Strauch mit feinen rosa Blüten und darf nicht ausgegraben werden. Wer diesen hübschen Strauch in seinem Garten anpflanzen will, wendet sich am Besten an Bioterra. Aus Samen gekeimte Pflanzen (z.B. von Bioterra) sind Stecklingen vorzuziehen, da die geschlechtliche Fortpflanzung gegenüber der vegetativen Vermehrung zu einer grösseren genetischen Vielfalt führt. Diese Vielfalt ist besser gegen Krankheiten gewappnet. . – Neben dem Seidelbast liegt Herbstlaub am Boden, kleine Blätter sind sichtbar. Simon Bächli schiebt das Laub weg, so dass die Blüten des blauen Leberblümchens sichtbar werden.

Erkennungsmale im Winter

Bäume und Sträucher zu bestimmen ist im Sommer recht einfach, denn sie haben ihre charakteristischen Blätter. Doch was macht man im Winter? Dazu gibt Simone Bächli klare und einfach umsetzbare Tipps am Beispiel des Faulbaums:

  1. Schauen – was finde ich vor, wie sieht die Rinde aus, wie ist die Knospe geformt?
  2. Tasten – mit den Fingern Rinde und Knospen erkunden
  3. Schauen – am Boden schauen, ob sich dort Herbstblätter befinden, die die Bestimmung erleichtern
  4. Riechen – beim Faulbaum ist das einfach, denn er riecht nach Katzenurin, daher der Name
  5. Wuchsform anschauen – ist der Baum/Strauch gross oder klein, gedrungen oder ausladend

Der Faulbaum als Frühblüher ist übrigens sehr beliebt bei Bienen und anderen Insekten, weil er Nahrung anbietet zu einer Zeit, in der noch Magerzeit angesagt ist. Spezielle Gäste sind die Raupen der Zitronenfalter – gäbe es keine Faulbäume, so könnten wir uns nicht an den hübschen Zitronenfalter erfreuen!

Es ist kalt im Winterwald…

Trotz der frühlingshaften Zeichen macht sich die winterliche Jahreszeit bemerkbar. Pause ist angesagt. Sibylle Clerc und Claudia Müller, Vorstandsmitglieder des NAR, haben vorgesorgt. Der offerierte Kräutertee, Apfel- und Rumpunsch wird bis auf den letzten Tropfen weggetrunken…

Eichen- und Buchenwald, früher stark genutzt

Der Weg führt in einen Buchenwald, in dem sich aber auch alte Eichen befinden, viele vor 100 Jahren und mehr  gesetzt. Buche und Eichen lassen sich gut anhand der Baumrinde und der Knospen bestimmen. Es gibt zwei Arten von Eichen zu unterscheiden: Die Stieleiche hat beim Blatt nur einen ganz kurzen Stiel, hingegen ist die Frucht gestielt – die Pfeife aus Kinderzeiten. Bei der Traubeneiche ist es umgekehrt: Das Blatt hat einen langen Stiel, die Früchte hingegen sind gebüschelt/als Trauben ohne Stiel. Auf Buchen und Eichen können verschiedenste kleinere und grössere Tiere leben, sie sind deshalb für den Wald sehr wichtige Bäume.

Früher trieben die Bauern ihre Säue in den Buchen - Eichenwald, wo sich die Tiere an den Früchten der Bäume gut taten. Man sprach damals von Eichel- und Buchenmast. – Das war sicher ein gutes Sauleben!

Weitere Spezialitäten

Simon Bächli weist die Naturwandernden ständig auf Neues hin: Da ist eine junge Mehlbeere am Wegrand, direkt an einem Wildwechsel – ein vom Wild umgeknickter Strauch bietet wieder Lebensraum  für bestimmte Insekten. Den schwarzen Holunder kann man sogar im Winter an seinem Duft erkennen. Wenn man einen Ast abbricht, erscheint das weisse Holz, im Unterschied zum roten Holunder. Mit einem Holunderstängel zeigt Simon Bächli den zahlreichen Kindern, wie man darauf Panflöte spielen kann.

Eine tolle Wanderung durch die winterliche Natur findet ihren Abschluss, und alle Beteiligten gehen mit neuem Wissen heim in die warme Stube. – Herzlichen Dank an Simon Bächli und die Organisatorinnen Claudia Müller und Sibylle Clerc!

Eva Kuhn aus Full Reuenthal

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