An zwei Abenden informiert die Kantonsschule Wettingen interessierte Bezirksschüler und Bezirksschülerinnen und ihre Eltern.

Brennende Fackeln erhellen das Klosterparkgässli und andere Wege, die zum ehemaligen klösterlichen Refektorium, der heutigen Aula der Kantonsschule Wettingen führen. Wo vor fast 175 Jahren die letzten Zisterzienser Mönche schweigend und ohne Gegenüber ihre kargen Mahlzeiten einnahmen, erleben rund 500 Gäste am 10. November und 3. Dezember 2014 ein frugales Feuerwerk an Bildprojektionen (Bildnerisches Gestalten), jazzigen Rhythmen (Dia-Show mit Schulbildern), unzweideutigen Kurven (Mathematik) und zerknülltem Schreibpapier (Deutsch). Ein Ballon mit Wasserstoffgas explodiert (Chemie). Man lerne: mit naturwissenschaftlichen Kenntnissen lassen sich Unfälle verhüten.

Am Gymnasium, so Rektor Dr. Kurt Wiedemeier, werden intellektuell begabte Jugendliche mit einem Flair für das Spezielle und Kreative trainiert und auf dem Weg zur UNI oder zur ETH durch akademisch geschulte Lehrpersonen gecoacht. Es bietet eine vierjährige Komplettbildung mit einer einmaligen Breite (14 Grundlagenfächer) und mindestens vier individuellen Vertiefungsmöglichkeiten (Akzent-, Schwerpunkt- und Ergänzungsfach und Freifächer), auf Wunsch zum Teil auf Englisch (Immersion). Flexible Allrounder und begabte Spezialisten sind gleichermassen gefragt. Wer ein Schweizer Gymnasium abschliesst, hat zwar noch keinen Berufsausweis aber einen prall gefüllten Bildungsrucksack, mit dem der Gipfel, sprich das Masterdiplom, jeder Fakultät erklommen werden kann. Weltweit ist dies einzigartig.

Die zwei Abende erlauben vielfältige Einblicke in Grundlagen- und Akzentfächer. Die Schülerinnen und Schüler der dritten Bezirksschule wollen wissen, ob das Gymnasium etwas für sie sein könnte. Diejenigen der vierten Klasse möchten herausfinden, welches Akzentfach (vielleicht das neue „Digitale Gesellschaft und ihre Medien“?) am meisten bietet oder am spannendsten sein könnte. In zwei 30-minütigen Ateliers erhalten sie Gelegenheit dazu. Sie wollen die Bildung schliesslich nicht im Sack kaufen.

„Ich muss auf jeden Fall an die Kanti Wettingen, meine Schwester ist schon hier.“ meint Nina aus Oberrohrdorf. Jessica ist unsicher: „Ich möchte an die Kanti Baden. Die ist städtischer.“ Fabio interessiert die Immersion und vielleicht auch der Doppelabschluss mit dem International Baccalaureate. Der ist im Osten des Kantons nur an der Kantonsschule Wettingen möglich. Sein Vater nickt: „Englisch ist wichtig heutzutage!“

Im Brudersaal werden die Mitglieder der Schulleitung ausgefragt: Hat es überhaupt Platz an der Kanti Wettingen? (Ja.) Was muss ich machen, damit ich hier aufgenommen werde? (Du musst unter „Erstanmeldung“ ein Kreuz bei der Kanti Wettingen machen.) Muss ich mich schon an der Bezirksschule für den Immersionsunterricht anmelden? (Ja.)

Die Wahl der nach-obligatorischen Schullaufbahn geschieht in der Regel im Januar, nach dem Zwischenzeugnis am Ende des ersten Semesters. Neben dem Gymnasium stehen die Fachmittelschulen und die Berufslehre offen. Ausser der Kantonsschule Wettingen gibt es noch fünf andere Gymnasien im Kanton Aargau.

Solche Anlässe ermöglichen den Bezirksschülerinnen und Bezirksschülern ihre Entscheidung in Kenntnis des gymnasialen Abenteuers, das sie erwartet, zu fällen. Als Belohnung winkt die (Zweisprachige) Matura, das Eintrittsticket für eine Schweizer Hochschule, garniert mit unzähligen schulischen Explosionen auf dem Weg dorthin.

Marc Buchmann