Ohne Notizen trat der Buchautor auf die Bühne und bot während knapp zwei Stunden eher einen komödiantischen Auftritt als einen lahmen Vortrag. Er führte mit viel Humor und Elan durch den Abend und riss die Zuhörer, vor allem Eltern und Pädagogen, von Beginn weg mit.

„Erziehung hat zu tun mit Lachen", meinte er am Anfang seines Referates. Gute Vorträge offenbar auch. Er frage sich manchmal: „Möchtest du bei denen Kind sein? Nein!" Es gehöre dazu, dass man an den Punkt kommt, wo man nicht mehr weiter wisse in der Erziehung. Das sei völlig normal. Allerdings herrsche heute die Tendenz, alles alleine schaffen und keine Fehler machen zu wollen. Dabei dürfe man unvollkommen sein. Er riet gar, seinen Fehlern zuzuprosten. „Wir wollen heute immer alles planen, das gelingt uns aber nicht. Wir müssen unsere Grenzen erkennen", mahnt er, ganz nach dem Titel seines Referates „Kinder brauchen Eltern, die (sich) Grenzen setzen." Die Natur habe es so eingerichtet, dass gerade Eltern mit sehr hohen pädagogischen Ansprüchen und Zielen, so genannte „Hyperpädagogen", Schnecken als Kinder kriegen, die sich durch gar nichts aus der Ruhe bringen lassen und diese Eltern damit zur schieren Verzweiflung bringen.

Was früher selbstverständlich war, nämlich die Unterschiedlichkeit von Erziehung, lieben die Kinder. Man müsse nicht in allem einer Meinung sein. Mutter, Vater und Grosseltern können gemeinsam erziehen und dabei unterschiedliche Ansichten vertreten. Dies solle man auch nützen und Situationen, die Probleme bereiten, auch abgeben können. Wenn sich eine Mutter immer wieder mit ihrem Pubertierenden an Hausaufgaben reibt, kann es Sinn machen, wenn er diese beispielsweise mit der Patentante erledigt. Eltern müssen Halt geben, aber Perfektionismus und Vollkommenheit loslassen. Den Kindern soll Verantwortung für ihr Tun übergeben werden, wo das Sinn macht. Aber auch klare Grenzen müssen gesetzt werden. Ein Kind wolle diese spüren und ausloten. Es mache keinen Sinn, mit einem Kind darüber zu diskutieren, eine warme Jacke zu tragen, wenn es draussen kalt sei. Dann gehe man eben nicht raus, Punkt. Da brauche es keine ausschweifenden Erklärungen.

Mit vielen Geschichten aus seinem Alltag als Familienberater brachte Herr Rogge das Publikum zum Lachen, gab Denkanstösse und hielt immer mal wieder den Spiegel vor, ohne dass man sich dabei verletzt fühlte. Man konnte über die eigenen Fehler lachen, genau im Sinne des Referendars. Ein überaus vergnüglicher, lehrreicher Abend!

Nicole Lazzari-Müller, Seklehrerin, Schule Mellingen-Wohlenschwil