Lenzburg

Veloverkehr in Lenzburg: Es gibt Verbesserungsmöglichkeiten

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Gut 30 Veloexpertinnen und -experten sowie weitere Interessierte trafen sich am 12. April auf Einladung der Grünliberalen im Familienzentrum Lenzburg. Daniel Fischer eröffnete die kritische Runde. Eigentlich müsste für Lenzburg als typische Velostadt schon viel erreicht worden sein, aber man wollte schauen, ob es doch noch Optimierungspotenzial gibt. Und siehe da, man wurde fündig, und wie?

Zu Beginn führte Werner Christen von Pro Velo ein, was aus Sicht von Pro Velo ideale Verkehrsverhältnisse für Velofahrer sind. Dabei schälten sich drei Ebenen heraus. Erstens müssen in alle Richtungen Velorouten vorhanden sein, um von Ost nach West und von Nord nach Süd zu gelangen. Diese sollten signalisiert und vom Fussgänger- und Autoverkehr entflechtet sowie mit einem Asphaltbelag versehen sein. Zweitens braucht es am Zielort, sei es am Bahnhof, beim Einkaufen oder vor der Bank hinreichend Möglichkeiten, das Velo sauber abzustellen. Drittens sind die vielen kleinen Details entscheidend, ob es als Velofahrer schliesslich klappt: eine kleine Kante am Boden kann da schnell zum Absteigen zwingen. Im Anschluss konnte Maurus Staubli, Präsident der Verkehrskommission, bei verschiedenen, allgemein bekannten Problemstellen wie der Aarauerstrasse beim Lenzopark oder die Bahnhofstrasse vor dem ehemaligen Storchennäst aufzeigen, was bereits angedacht worden ist und wie eine Lösung aussehen könnte.

Allgemein bekannt ist die missliche Situation beim Bahnhof. Schon heute hat es täglich gegen 700 Velos, die am Morgen kommen und am Abend wieder gehen. Die bestehenden Abstellplätze sind oft überfüllt. Zum Glück sind beim Bahnhofplatz, incl. Bahnhof und einem neuen Busbahnhof und sogar bei den Perrons Verbesserungen in Planung. Die Stadt prüft aufgrund einer Einwohnerrats -Motion der Grünliberalen, ob die Einrichtung einer geführten Velostation ähnlich wie in Aarau machbar ist. Zudem ist durch die massive Bautätigkeit in Lenzburg, Staufen und Niederlenz (alles in der typischen Velodistanz von 1-2km zum Bahnhof) damit zu rechnen, dass der Bedarf an gleisnahen Abstellplätzen deutlich zunehmen wird. Im Moment kann aufgrund der vielen Projekte im Planungsstadium noch nichts Genaues versprochen werden. Die Situation muss aber im Auge behalten werden.

Bei den Detailfragen kamen Markierungen und andere Hindernisse zur Sprache. Oft überquert man als Velofahrer ein Trottoir und müsste eigentlich absteigen, wenn man die Verkehrsregeln fix einhalten möchte. Für Probleme sorgen weiter Bordsteinkanten, selbst wenn sie nur 2-3 cm hoch sind. Aber wenn man mit Schuss kommt und der Reifen ist nicht gerade prall vollgepumpt, riskiert man einen Schlag auf die Felgen.

Beim Schulhausverkehr – überhaupt immer dann, wenn Kinder in Gruppen unterwegs sind – reichen die üblichen Sicherheitsvorkehrungen oft nicht mehr. Trotz Velounterricht und Mahnung zur Vorsicht, wird manch ein Kind aus Übermut oder Unachtsamkeit ab und zu einen Fehler machen. Wenn es an solch kritischen Stellen Autos hat, welche schnell fahren können (typischerweise „noch kurz durch bevor es rot wird“), dann passieren schlimme Unfälle. Es ist leider auch damit zu rechnen, dass Kinder oft den für sie praktischsten Weg wählen, obwohl er eigentlich verboten ist.

Auch im regionalen Verkehr wurden einige Verbesserungsmöglichkeiten erwähnt. Sehr erfreulich ist, dass beim Kreisel zur Schnellstrasse zwischen Rupperswil und dem Strassenverkehrszentrum jetzt plötzlich doch eine neue Velo-Unterführung gebaut wird, so dass man die Strasse nicht mehr überqueren muss. Diese alte Forderung aus Velokreisen hat der neu geplante Kiesabbau möglich gemacht, weil die Lastwagen die alte Veloroute brachen. Eine ähnlich gefährliche Situation ist beim Weg nach Ammerswil auf der Höhe Fünfweiher. Zwar ist alles gut markiert, aber weil die Geschwindigkeit nicht reduziert ist, bleibt die Überquerung gefährlich. Auch nicht gerade angenehm ist die Fahrt mit dem Velo ins Industriequartier Birren zwischen Lenzburg und Seon.

Abschliessend wurde von Veranstaltungsteilnehmenden eine Liste erstellt, was prioritär in Lenzburg für Velofahrer zu verbessern gilt. Natürlich wussten alle, dass es immer um Güterabwägungen geht. Was dem Velofahrer dient, ist vielleicht für die Fussgänger mühsamer, oder die Autos sind noch mehr im Stau, oder die Massnahmen wären sehr teuer. Aber schliesslich wollte man diesen Abend die Situation aus Sicht des Velofahrers beurteilen:

Top Ten Lenzburger Velopedenzen der GLP und von pro Velo

  1. Genügend Veloabstellplätze am Bahnhof, von allen Seiten, die wirklich gleisnah sind
  2. Ab der Migrosunterführung Richtung Bahnhof eine neue separate Velospur auf der Bahnhofstrasse vor dem ehemaligen Storchennäscht mit einem sicheren Übergang auf die andere Strassenseite
  3. Durchgang neben Mülimärt auf der Bachstrasse ohne Schikane
  4. Stadt Lenzburg (Stadtrat) soll mit den umliegenden Gemeinden ein regionales Velo-Konzept erarbeiten und dieses möglichst schnell umsetzen. Zum Beispiel durchgehender Aabachradweg auf dem ehemaligen Seetalbahntrasse bis nach Wildegg, Unterführung des Radwegs nach Ammerswil beim Föifweiherparkplatz und separate Mittelvelospur auf der Aarauerstrasse, um vom Wiligraben her kommend sicherer überqueren zu können
  5. Durchgehende Velospur von der Bahnhofstrasse zur Herounterführung
  6. Sichere und schnelle (direkte) Velowege zum Bahnhof, zum Beispiel auf der Hendschikerstrasse eine separate Velospur von der Othmarsingerstrasse bis in die 30er Zone Schützenmattstrasse
  7. Sichere und schnelle (direkte) Velowege zu den Schulhäuser, abgestimmt auf die Bedürfnisse der Schulkinder, zum Beispiel vor dem Kino Urban
  8. Gedeckte Veloabstellplätze bei Einkaufszentren (Coop, Mülimärt, Migros, Lenzopark etc.) in unmittelbarer Nähe der „Einkaufswägeli“
  9. Keine Sperrung von Velorouten für Baustelleninstallationen
  10. Schneeräumung im Winter auch auf Velospuren und Radwegen

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