Die Rosenkranzgruppe aus Lengnau AG mit Marianne Baldinger-Lang hat am Auffahrtsumritt in Beromünster teilgenommen.

Der Auffahrtsumritt Beromünster ist eine Prozession zu Fuss oder zu Pferd am Christi Himmelfahrtstag. Der Tross zieht bereits morgens um 5.30 Uhr los und führt entlang von blühenden Feldern und den grünen Wiesen. Tausende Besucher erleben am frühen Nachmittag den feierlichen, barocken Einzug und Abschluss im festlich dekorierten Flecken Beromünster. Priester, Kirchenräte, Kreuz- und Fahnenträger, die Musikanten und die Sänger, der Ordnungsdienst, alle sind in bunten Uniformen und Gewändern zu Pferd unterwegs. Anschliessend an diese folgt eine Hundertschaft weiterer berittener Teilnehmender. Tausende Teilnehmer gehen den 18 Kilometer langen Pilgerweg zu Fuss.

 „D‘Moischterer Uffert“ ist seit 509 Jahren Brauchtum, ist Farben frohe Folklore, vor allem Ausdruck von tief verwurzelter Volksfrömmigkeit und lebendig gelebte Religion. Der Umgang führt seit 1508 unverändert von Beromünster über sanfte ansteigende Hügelzüge nach Rickenbach. Da findet um 8.00 Uhr eine feierliche heilige Messe statt. Um 11. 15 Uhr geht es weiter entlang von Wiesen, Äcker, Waldrändern und durch die Weiler. Um 14.15 Uhr ist in Beromünster der feierliche Einzug im Flecken und der Segen mit dem Allerheiligsten wird gespendet. Dies kann man im Internet bei Auffahrtsumritt in Beromünster recherchieren.

Seit vielen Jahren dabei

Für die Lengnauer, bei denen schon die Eltern am Auffahrtsumritt teilahmen, ist der Blick ins Internet nicht nötig. So durfte Marianne Baldinger-Lang mit 8 Jahren das erste Mal mit ihrem Vater und den Geschwistern nach Beromünster. Seither sind 46 Jahre vergangen und sie fehlte nur vier Mal. „Das war immer ein Highlight für uns Kinder; morgens um 2.00 Uhr aufstehen und mit dem Auto gings dann immer nach Beromünster. Um 4.30 Uhr begann die Frühmesse und unser Vater ging beichten. Darauf folgte das Frühstück im Restaurant mit Gipfeli und Weggli, das gabs zu Hause nie.“ Um 6.00 Uhr ging die Prozession jeweils los. Zu Fuss ging die Gruppe den Rosenkranz betend vor den Reitern her, bei jedem Wetter.

Marianne Baldinger-Lang erinnert sich: „So erzählte unser Vater, dass in den 500 Jahren der Umritt bei jedem Wetter stattfand, ausser einem einzigen Mal. Es stürmte und regnete und die Leute beschlossen, nicht zu gehen. Nur ein einziger Mann nahm den Rosenkranz in die Hand und ging betend zu Fuss die Bannstrecke ab. Als dieser Mann in Beromünster eintraf, begannen alle Glocken zu läuten. So beschlossen die Einwohner von Beromünster diese Prozession nie mehr ausfallen zu lassen.“

Auch dieses Jahr regnete es von Beromünster bis Rickenbach, kein Sonnenaufgang und keine Aussicht auf die schöne Bergwelt. Den Schirm haltend beteten die Teilnehmer lautstark den Rosenkranz, damit man die einen umgebenden Beter hörte. In Rickenbach angelangt, konnte man sich in der Kirche und dem Restaurant aufwärmen. Nach dem Essen ging es zurück und man kam trocken in Beromünster an. Die Rosenkranzgruppen verabschiedeten sich voneinander und freuen sich aufs nächste Jahr, um den freudenreichen, lichtreichen, schmerzhaften und glorreichen Rosenkranz zu beten bei der „Moischterer Uffert“.

Lengnau, 24. Mai 2018

Marianne Baldinger-Lang