Unter dem Titel „All That Sax“ präsentierte am 29. April 2017 das Blasorchester Baden Wettingen BBW ein Unterhaltungskonzert im Tägerhard Wettingen. Ein sehr aufmerksamer und disziplinierter Orchesterapparat folgte akribisch der höchst dynamischen und präzisen Direktion und Gestik ihres omnipräsenten musikalischen Leiters Christian Noth. Er führte seine sehr professionell agierenden und spielfreudigen Musikerinnen und Musiker zu Höchstleistungen, die entsprechend vom zahlreich erschienenen Publikum enorm gewürdigt wurden. Ueli Angstmann als waschechter Wettinger überzeugte als Solist mit seinem Alto- und Sopransaxophon durch eine stupende Präzision und Virtuosität.

Das Konzert begann mit einem attraktiven und temperamentvollen Pasodoble – „Gallito“ – und brachte echt spanisches Flair, abwechselnd und gefühlvoll, in den Saal. Bei „El Camino Real“, feurig und empfindsam interpretiert mit wohltuenden Tempi, zeigten vor allem die lyrischen Passagen der Holzbläser deren Können; bemerkenswert sind – dies ist für das ganze Konzert gültig – die jederzeit auf der Höhe stehenden Perkussionisten.

In „Scaramouche“ – einer clownesk und virtuos vorgetragenen Studie über den Sprüche klopfenden Narren Scaramouche, zeigte Ueli Angstmann sein grosses Können in den drei Sätzen, deren Mittelteil die Traurigkeit und Melancholie des Clowns deutlich machte, der Schlusssatz aber in der immer fröhlichen Zirkusatmosphäre endete.

Ein grossartiger Klangaufbau mit heftig geforderten Perkussionisten bei absolut schwieriger Rhythmik mündete in die Samba-Orgie des Orchesterstückes „Os Passaros Do Brasil“. Dem melancholischen und geprägt von Tristesse gespielten Mittelsatz, getragen von einem sehr subtil agierenden Flöten- und Klarinettenregister, folgte ein furioses und überschäumendes Samba-Finale, welches die Stimmung vom Carnevale von Rio authentisch wiedergab.

Nach der wohlverdienten Pause versetzte das Orchester die dankbaren Zuhörer mit „Dixieland On Parade“ direkt ins Land der Dixies, nach New Orleans. Die Spielfreude des Musikerinnen und Musiker, insbesondere der Solisten – Trompete, Klarinette, Posaune und Saxophon – sprang unmittelbar auf die Konzertbesucher über. Anschliessend wussten im Stück „Saxophonia“ die acht tüchtigen Saxophonisten mit ihrem wunderschönen Timbre sehr zu gefallen.

Nadine Garnitschnig führte in gewohnt professioneller Art durch das Programm; zum Konzertstück „The Midnight Sun Will Never Set“ von Quincy Jones gab sie – wie auch bei den anderen Programmpunkten – stets interessante Hintergrundinformationen zum Besten. Der Solist Hans-Ulrich Bühler am Bariton-Sax brillierte mit sinnlich, warmem Ton in dieser sehr getragenen Komposition, welche subtil vom grossartig spielenden Orchester begleitet wurde.

Mit dem Titel „Sir Duke“ von Stevie Wonder, bestbekannt, mit herrlichem Swing, fetzig und höchst virtuos, brachte das BBW seine Zuhörer in beste Laune. Und der letzte Titel „Saxpack“ war wohl auch ein Höhepunkt des gelungenen Konzertes: Ueli Angstmann überzeugte vollends mit seinen Improvisationen, dem schmeichelnden Touch gewisser Passagen und dem virtuosen Wechsel vom Alto-Sax zum liebenswürdigen und sehnsüchtigen Sopran-Saxophon. Die Damen und Herren Perkussionisten gaben nochmals ihr Bestes, was auch sehr gut gelang.

Ein einzigartiges Erlebnis: Blasmusik auf sehr hohem Niveau! Herzlichen Dank.

Theo Schaad