Eine elfköpfige Gruppe von Jugendlichen führte am Mittwoch- und Donnerstagabend, im Salzhaus Brugg ein Theater auf. Liv Antonsen und Albulina Dacic hatten das Stück „Liebe auf den letzten Blick“ selbst geschrieben. Monatelang hatte die Gruppe, die hauptsächlich aus Viertklässlern der Bezirksschule Brugg bestand, für diese zwei Aufführungen geprobt.

Am Mittwochabend war es endlich soweit. Die Premiere stand vor der Tür – zusammen mit zahlreichen Zuschauern, die vor der schwarz-weissen Pforte des Salzhauses auf deren Öffnung warteten. Genau um Viertel nach sieben strömte das Publikum ins verdunkelte Innere des Salzhauses. Mit roten Backen wuselten die jungen Schauspieler zwischen den Gästen hin und her, begrüssten sie, zupften Frisuren und Kostüme nochmals zurecht und letzte Handgriffe perfektionierten noch einmal die Kulisse. In der Dunkelheit der Bühne wurden Nervositäts-Umarmungen ausgetauscht. Und dann, als schliesslich alle Leute im Publikum sassen und sich Stille im Salzhaus auszubreiten begann, ging das Licht auf der Bühne an und zwei Teenager traten hinter dem Vorhang hervor. Die beiden Mädchen lächelten strahlend ins Publikum. In ihren Augen glänzte das Lampenfieber.

Ein Jahr lang hatten die Zwei auf diesen Moment hingearbeitet. Beide hatten sie als Autorinnen, Regisseurinnen, Organisatorinnen und Schauspielerinnen fungiert. Sie hatten ein Freifach besucht, welches anbot, Projekte zu realisieren. Die beiden Freundinnen hatten von Anfang an nur das gewollt: ein Drehbuch selber schreiben und dann dieses Stück aufführen.

Neun Monate lang hatten die beiden Mädchen immer wieder gezweifelt und gebangt. „Unser Arbeitsprozess bestand aus einem Auf und Ab der Gefühle. Mal waren wir euphorisch und mal am Boden zerstört wegen des ganzen Theaterzeugs“, erzählte Liv später. Und nun standen die beiden also auf der Bühne – ihrer Bühne. Kurz vor der Premiere ihres gemeinsamen Stücks. Die improvisierte Ansprache entlockte dem Publikum ein paar Lacher.

Dann begann das Stück. In wallenden, viktorianisch anmutenden Kostümen bespielte die Gruppe die Bühne des Salzhauses. Nach der Aufführung berichtete Katherine Rowlands, eine der Schauspieler, Folgendes über die Theaterbekleidung: „Wir sind jeden Donnerstag früher aufgestanden, um in der Schule diese Kostüme zu schneidern. Aber der Aufwand hat sich gelohnt. In diesen Kleidern fühlt sich jedes Mädchen wie eine Prinzessin. “

Die Kulisse war auf das Nötigste beschränkt, musste sie doch in den kurzen Sequenzen zwischen den Szenen in aller Eile umgestellt werden: Ein Tisch wurde verschoben, ein rotes Laken mit einem weissen ausgetauscht und schon ging es weiter mit der nächsten Szene. Man merkte, die Teenager standen allesamt nicht zum ersten Mal auf der Bühne. „Wir haben die allerbesten Jungschauspieler von ganz Brugg zusammengekriegt“, erklärte Albulina später strahlend.

Konzentriert und präsent spielten sich die Jugendlichen durch die Geschichte. Sie handelte von einer adligen Familie, irgendwann in der Vergangenheit. Da der Vater durchgebrannt war und neben den drei Töchtern auch noch jede Menge Schulden hinterlassen hatte, sah sich die verbitterte Mutter, gespielt von Liv Antonsen, gezwungen, ihre hübsche Erstgeborene reich zu verheiraten. Doch noch bevor es zur Hochzeit kam, wurde die Braut Estelle, gespielt von Emilia Lafleur, entführt. Und zwar vom Frauenheld Arthur, dargestellt von Felix Dehler. Arthur erhoffte, dass er sich durch das Lösegeld von zuvor begangenen Straftaten freikaufen könne. Während sich Estelles Schwestern auf die Suche nach ihr machten, geschah das Unerwartete: Arthur und seine Geisel kamen sich näher – und verliebten sich ineinander. Das Theater „Liebe auf den letzten Blick“ wurde der Bezeichnung Tragikomödie voll und ganz gerecht.

Als die Zuschauer das Salzhaus verliessen, wischten sich nicht wenige die Tränen aus den Augenwinkeln. Ob vor Lachen oder aus Gerührtheit, konnten sie nicht sagen. Der Mittwochabend war gelungen und der Freitag stand ihm in Nichts nach. „ Für alle, die das Theater auch noch sehen wollen: Vielleicht spielen wir es ja in 60 Jahren als Rentner noch einmal“, meinte Katherine Rowlands schmunzelnd. Nun, es bleibt zu hoffen.