Aarau

TDS Aarau thematisiert Armut!

megaphoneaus AarauAarau

Dozierende und Studierende des Theologisch-Diakonischen Seminars Aarau befassten sich im Rahmen der beiden Projekttage Ende Februar mit theologischen, gesellschaftlichen und politischen Aspekten der Armut. Auf dem Programm standen drei pointierte Referate und elf praxisbezogene Workshops.

Als Schweizer Familie mit kleinen Kindern in den Slums von Manila leben? Das könnten sich wohl nur wenige vorstellen. Warum Armut und Krankheiten in Kauf nehmen, wenn man den hohen schweizerischen Lebensstandard wählen kann? Ein Basler Ehepaar hat diesen herausfordernden
Weg gewählt. Emotional, authentisch und mitreissend erzählten Christian und Christine Schneider in ihrem packenden Referat aus dem Leben unter grossen Verbrechern und kleinen Halunken, Mördern, Strichern und Junkies («unsere liebenswürdigen Nachbarn»). Neun Jahre lang lebten sie mit ihren Kindern in den Slums und bei den Müllbergen von Manila und teilten sich den kleinen
Wohnraum mit Kakerlaken und Ratten, während sie durchs offene Fenster von Nachbarskindern beobachtet wurden. Um sich Blicken entziehen zu können, hätte man das Fenster zubetonieren müssen, Rolläden gibt es in den Slums keine.
1996 gründete das Paar des Hilfswerk «Onesimo», das Strassenkinder in Manila begleitet. Die Jugendarbeit bietet jährlich Hunderten von armen, drogenabhängigen oder kleinkriminellen Kindern nachhaltige Hilfe. Aus ihrem Leben mit den Armen entwickelten sich Wohngemeinschaften für ehemalige Drogenabhängige, Prostituierte und Strassenkinder.
Schneiders selbst sind nach neun Jahren in den Slums 2003 in die Schweiz zurückgekehrt. Von Basel aus koordiniert das Ehepaar die ehrenamtliche Arbeit in Europa mit dem Leitungsteam in Manila und gewährleistet die Kommunikation zwischen Geldgebern und Kontaktpersonen vor Ort. Ihre Erlebnisse in den Slums von Manila haben Schneiders in ihrem 300-seitigen Buch «Himmel
und Strassenstaub» festgehalten. Ihr Fazit: «Unser Umgang und unser Leben mit der Slumbevölkerung ist entscheidend für die Glaubwürdigkeit unseres Christseins.»
Einsatz für eine gerechtere Welt Um das übergeordnete Thema der Projettage – «Globale Dimension der Armut» – drehte sich auch das anschauliche Referat von Pfarrer und TDS-Absolvent Stefan Hochstrasser, der sich seit
seinem Studium dem Thema «Umgang mit Geld und Besitz» sowie neutestamentlichen Texten zu Armut und Reichtum widmet: StopArmut 2015 ist eine durch den Verband «Interaction» verantwortete Kampagne der Schweizerischen Evangelischen Allianz und Teil der globalen
Kampagne «Micah Challenge». Stop Armut 2015 bezieht die Kampagnenarbeit auf die 8 Millenniumsziele der UNO, die bis 2015 erreicht werden sollten. Sie ruft Christen und
Entscheidungsträger in der Schweiz auf, sich für diese Ziele und so für eine gerechtere und barmherzigere Welt einzusetzen. Stefan Hochstrasser stellte insbesondere den StopArmut-Kurs «Just People?» vor. Dieser richtet sich an Gemeinden, Hauskreise und Jugendgruppen, welche
sich in Sachen Armutsbekämpfung und sozialer Gerechtigkeit gezielt weiterentwickeln wollen.
Trübes Milchwasser zum Lunch
Der zweite Projekttag wurde gegen Mittag zur emotionalen Gratwanderung: Analog den Verhältnissen in der Weltbevölkerung, wurden die knapp 100 Studierenden beim «Global Dinner» in vier Einkommensschichten eingeteilt: Superreiche, Reiche, Arme und Ärmste. Wer Glück hatte,
erwischte mindestens eine Schale Reis und im besten Fall etwas Salat, wer zu den Ärmsten gehörte, musste sich mit einem Schluck trüben Milchwassers begnügen. Lediglich vier Personen symbolisierten den Anteil der Reichsten, die mit leckeren Speisen verwöhnt wurden, während die
anderen hungrig warten mussten. Der Lunch bot Gelegenheit, sich ansatzweise in reale Begebenheiten einzufühlen.
Sensibilisierung, persönliche Auseinandersetzung und Veränderung sowie Kompetenzerweiterung standen als Zielsetzungen im Fokus der beiden Projekttage. Eine erste Bilanz zeigt, dass die Ziele weitgehend erreicht oder übertroffen wurden.

Meistgesehen

Artboard 1