„Als Jugendlicher ging ich manchmal mehr als 10 Kilometer, nur damit ich tanzen konnte“, sagte Rolf Schneider. Er brachte den Tango Argentino in die Schweiz, veranstaltete auch die ersten Milongas (Tango- Tanzabende). Am Samstag gab sich der Meister die Ehre und zeigte mit seiner Frau Beata sein Können in der Tanzschule Dancer’s World. Sehr aufmerksam und höchst beeindruckt verfolgten die Zuschauerinnen und Zuschauer die hohe und achtsame Schule des Tangos Argentino. Für den Moment waren Bretzel und Bier vergessen.

Weil das Motto der Dancer’s Night Oktoberfest hiess, war Rolf Schneider umgeben von lernwilligen und -freudigen Tänzerinnen und Tänzer in Dirndl und Lederhosen. Dieser Schnupperkurs im bunten Outfit war einmalig und brachte den stilecht schwarz gekleideten Lehrer zum Schmunzeln. Aber egal ob schwanger, mit Punkfrisur, mit umgehängtem Herzl, mit Hirsch auf dem Shirt oder in kariertem Hemd, alle folgten den Anweisungen mit konzentrierter Hingabe, ganz so, wie’s sein sollte. Nach einer halben Stunde taten die Füsse, was gelernt wurde, und die Paare verschmolzen zu einer Einheit.

Man vergass die über 70 Jahre des Vaters des Tango Argentinos, spürte die unvergängliche Faszination, den brennenden Willen, den Funken der Begeisterung überspringen zu lassen, und die alterslose Freude am Tanz. Nach Rolf Schneiders Philosophie soll jeder Schritt zu einem ge­mein­sa­men, ge­nuss­vol­len Aben­teu­er wer­den. Der Samstagabend war sicher für ihn auch ein bisschen Abenteuer.

Nach dem speziellen Tango-Schmankerl führte DJ Marcus mit einem sanften Walzer wieder zu den klassischen Standard- und Lateintänzen zurück. Bald flogen die Schürzen wieder, und die Salsafans wirbelten die Frauen in der Rueda reihum.