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Sumy-Konvoi brachte fast 100 Tonnen Hilfsgüter

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Spitalbetten, medizinisches Material, aber auch Fahrzeuge und Ausrüstung für Feuerwehr, Ambulanz und Polizei wurden transportiert.

Seit vier Jahren führt der Verein Help-Point Sumy Wohlen Hilfstransporte in die ukrainische Stadt Sumy durch. "Wir bringen den Menschen dort Spitalbetten, die in der Schweiz durch neue Modelle ersetzt werden, medizinisches Material aus Armeebeständen, aber auch Fahrzeuge und Ausrüstung für die Feuerwehr, Ambulanz und Polizei", sagt Vereinspräsidentin Marianne Piffaretti. Der letzte Konvoi mit neun Sattelschleppern und 95 Tonnen Hilfsgütern legte die rund 2600 Kilometer bis nach Sumy im April innert fünf Tagen zurück. Dank grosszügiger Beiträge von Firmen und Einzelpersonen sowie viel Freiwilligenarbeit der Vereinsmitglieder konnte ein grösserer Transport zusammengestellt werden, als ursprünglich geplant.
"Speziell die Unterstützung durch Nutzfahrzeughersteller und Transportunternehmer ist für uns sehr wertvoll", betont Konvoileiter Andreas Sulser. Folgende Sponsoren stellten Zugmaschinen, ganze Sattelzüge oder Auflieger zur Verfügung: Neuhaus Fahrzeugbau (Wohlen), Hächler Nutzfahrzeuge (Othmarsingen), Gebr. Zeier (Mellingen), Pema Suisse (Rekingen), Thomann Nutzfahrzeuge (Schmerikon), Mercedes-Benz Automobil AG (Wettingen), Scania Schweiz (Kloten), Renault Trucks Schweiz (Dietikon), Hama Suisse (Alpnach), Rüegger Transport (Rothrist), Paul Leimgruber & Co (Basel), EGT Chemie (Tägerig), Bertschi (Dürrenäsch).


Ukrainische Strassen haben ihre Tücken
"Wir konnten unseren Konvoi mit top-modernen Fahrzeugen durchführen - das schätzen wir sehr, und dafür möchten wir uns auch herzlich bedanken", sagt Sulser. Nach einer problemlosen Fahrt durch Deutschland und Polen und einer relativ raschen Abfertigung an der Grenze in Medyka / Shegini nahm der Konvoi die ersten Kilometer ukrainischer Strasse unter die Räder. Trotz der Polizeibegleitung, die mit Blaulicht und Sirene für freie Fahrt sorgte, ging es nur langsam voran. «Wenn man in der Ukraine 60 km/h fahren kann, ist dies schon viel», erklärt Andreas Sulser.
Grund dafür sind die oftmals prekären Strassenverhältnisse. «Da gibt es Schlaglöcher, dass es einen fast ans Kabinendach schlägt», beschreibt Sulser die Situation anschaulich. Dennoch erreichten die Schweizer ihr Tagesziel in Zhytomir, rund 100 Kilometer vor Kiew, fahrplanmässig.
Am nächsten Tag kämpften sich die Sattelschlepper durch den starken Verkehr in der
ukrainischen Metropole - ohne die Eskorte der Miliz kaum denkbar. Auch die Navigation ist für westliche Besucher in der Ukraine nicht immer einfach. «Östlich von Kiew ist alles nur auf Kyrillisch angeschrieben, wir konnten gar nichts mehr lesen», sagt Sulser.


Spitalbetten werden gebraucht
Am Nachmittag erreichte der Konvoi die sogenannte Oblast-Grenze, also den Rand der Verwaltungsregion Sumy, wo die Teilnehmer von der Stadtregierung in Empfang genommen wurden. Später fuhr der Konvoi weiter in ein Spital, das im letzten Jahr ein Ambulanzfahrzeug und Betten aus der Schweiz erhalten hatte. "Da haben wir gesehen, dass unsere Hilfe wirklich gebraucht wird", betont Andreas Sulser. Die gespendeten Betten sind auf der Kinderstation im Einsatz, aber es gibt noch immer Bedarf für weitere. "Teilweise liegen die Patienten auf Holzpritschen, das wäre bei uns gar nicht vorstellbar", sagt Sulser. Nach einem sehr warmen und herzlichen Empfang für den "Sumy-Express" im Spital fuhr der Konvoi weiter und traf gegen 20
Uhr am Zielort ein. Dank tatkräftiger Unterstützung ukrainischer Rekruten konnte der gesamte Konvoi innert eines Tages abgeladen werden.


Keine einzige Panne
"Wir hatten auf der ganzen Fahrt keine Panne zu beklagen", freut sich Andreas Sulser, "das zeigt, wie robust die Zugfahrzeuge und Auflieger sind". Zu verdanken ist dies sicher auch der Firma Koch Nutzfahrzeuge (Wohlen), die für die technische Fahrzeugbereitstellung verantwortlich zeichnete. Die einzige grössere Reparatur musste bei einem mitgeführten Polizeiauto durchgeführt werden. Kurz nach Krakau trat ein Kupplungsschaden auf, das Fahrzeug wurde bis Kiev abgeschleppt und dort in einer ukrainischen VW-Garage repariert. Mit einem Tag Verspätung konnte der Streifenwagen schliesslich der Polizei in Sumy übergeben werden. "Insgesamt war der Konvoi ein Erfolg, wir sind unfallfrei durchgekommen und konnten vielen
Menschen helfen", fasst Andreas Sulser zusammen. Zudem lobt der Konvoileiter seine Crew: "Wir hatten ein hervorragendes Fahrerteam, die Stimmung war sehr gut, ich würde jederzeit wieder mit dieser Besatzung fahren". Dass es dieses Jahr noch einen Konvoi nach Sumy gibt, steht praktisch fest. Bereits lagern beim Verein Help-Point Sumy wieder Dutzende von Spitalbetten, die Verladearbeiten in die Container haben bereits begonnen. Der Hilfskonvoi und die Fahrerinnen und
Fahrer auf dem Unabhängigkeitsplatz in Sumy. Nach einer Fahrt von rund 2600
Kilometern hatten sie ihr Ziel erreicht.

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