(uzl)„Gouverner c’est prévoir“, heisst es. In die Alltagssprache der Politik übersetzt bedeutet dies: Denke über den Tag hinaus und handle entsprechend.  Der Obersiggenthaler Gemeinderat hat diesbezüglich einiges richtig gemacht. Etwa bei der familien-ergänzenden Kinderbetreuung. Das entsprechende Strategiepapier, das in der Einwohnerratssitzung vom 13. Dezember traktandiert ist, rundet die getätigten Objekt- und Verpflichtungskredite ab und bildet einen kohärenten konzeptionellen Rahmen. Es findet die uneingeschränkte Unterstützung der Fraktion SP/Grüne. Ohne Strategie-Kompass irrt der Gemeinderat hingegen in der Thematik Baldeggtunnel durchs Unterholz der Verkehrspolitik. Wie anders ist denn zu verstehen, dass er sich vor ein paar Monaten trotz schwerwiegender Bedenken verklausuliert für dieses Grossprojekt aussprach und nun zurückrudert. Wie kommt es, dass die Exekutive einer grösseren aargauischen Gemeinde in einer für die Entwicklung dieser Gemeinde so wichtigen Frage derart dilettantisch agiert? Warum nur, findet sich bei den Unterlagen zur Einwohnerratssitzung keine schriftliche Stellungnahme zum Postulat von 3 Ratsmitgliedern, die vom Gemeinderat verlangen, dass er sich entschieden gegen den Bau des Baldeggtunnels wehrt? Die Einwohnerratsfraktion SP/Grüne erwartet dazu klärende Worte vom federführenden Gemeindeammann und vor allem eine glasklare Haltung. Zu den übrigen Geschäften fasste die Fraktion folgende Beschlüsse: Für die Erneuerung der Steuerungstechnik im Oberstufenzentrum muss mindestens eine Konkurrenzofferte eingeholt werden. Darum beantragen SP und Grüne Rückweisung. Dem Kredit für die Sanierung der Spiel- und Begegnungsanlagen Bachmatt und Grütt stimmt die Fraktion nach kontroverser Diskussion zu. Auch das Vorgehen im Hinblick auf ein zweites längerfristiges Schwimmbad-Sanierungskonzept findet die Zustimmung von SP und Grünen. Massnahmen zur Steigerung der Attraktivität werden hingegen dezidiert abgelehnt.