«Da hatte ich Tränen in den Augen!» gestand Norbert Bischofberger den Besucherinnen und Besuchern im Kirchlichen Zentrum Lee in Riniken am 31. Januar. Zur diesjährigen Veranstaltung in der Reihe «Gedankenstriche – Vorträge zur Bedeutung des Evangeliums von Jesus Christus für heute» luden verschiedene christliche Gemeinden aus der Region ein. So durfte der Umiker Pfarrer Wolfgang von Ungern-Sternenber, der für die Organisation verantwortlich war, rund 60 Personen begrüssen. Nobert Bischofberger, Journalist und Theologie, erzählte aus seiner Tätigkeit bei der Sendung «Sternstunde Religion» des Schweizer Fernsehens. In 17 Jahren führte er ganz unterschiedliche Interviews. Diverse Sendungsausschnitte dieser Gespräche machten nicht nur die Veränderungen in all den Jahren deutlich, sondern führten verschiedene Aspekte seiner Arbeit vor.

Hie und da berührte ihn eine dieser Begegnungen tief. So bei der Sendung, in welcher der österreichische Jesuitenpater Georg Sporschill zu Gast war. Eine halbe Stunde erzählte der Pater aus seiner Arbeit und den Begegnungen mit den heimatlosen Kindern. Die Zuhörer spürten in den Ausführungen die persönliche Betroffenheit des Moderators. Gerade als er von den Gottesdiensten berichtete, die der Jesuitenpater mit den Strassenkindern im Untergrund feierte, war es für einen Moment, als ob das Gespräch gerade stattfinde. Ein dichter Augenblick, in dem spürbar wurde, dass Fernsehmachen nicht nur aus Technik besteht, sondern auch mit viel Herzblut und Leidenschaft zu tun hat.

Dieses Engagement leuchtete hell, als der Referent von seinem neusten Projekt «Spirituelle Wege der Schweiz» sprach. An diesem Beispiel zeigte er auf, dass Themen nicht immer am Redaktionstisch entstehen, sondern auch auf einem Familienausflug geboren werden können. So sei er beim Besuch der Beatushöhle fast über das Grab am Eingang gestolpert. Beatus, habe er gelesen und dabei an seinen zweiten Vornamen Beat gedacht. «Wer war dieser Mann?» Die spontane Verwunderung weckte Neugier. Aus der Neugier entspann sich ein Interesse für die althergebrachte Volksfrömmigkeit, die schliesslich zum Format «Spirituelle Wege der Schweiz» führte.

Dass es nicht immer einfach ist, Gäste zur Sendung einzuladen, durfte das Publikum am Beispiel von Umberto Eco erfahren. Solche Grössen könne man nicht direkt anfragen, sondern müssen über den Verlag oder das Management gehen. Im Falle Ecos lasse der Verlag nur bei Neuerscheinungen Interviews zu und diese auch noch in sehr begrenzter Zahl. «Zwei oder drei Interviews waren es damals. Eines davon wurde uns zugesprochen!» Ein Glücksfall und fast wie ein Lottogewinn. Die Begegnung mit dem italienischen Philosophen und Romancier sei von viel Menschenfreundlichkeit und Humor geprägt gewesen. Nicht nur vor, sondern auch hinter der Kamera wurde nicht nur ernst geredet, sondern auch viel gelacht.

Ordnung in die Fülle der Begegnungen brachte an diesem Abend der Pianist und Komponist Aldo Macchia. Zwischen den einzelnen Blöcken und zur Umrahmung des Abends spielte er Klavierstücke aus Klassik und Moderne. In seiner Musik verbanden sich Ernst und Leichtigkeit zu einer leuchten Botschaft, wie sie Nobert Bischofberger in seinem Schlusswort noch einmal auf dem Punkt brachte. Am Fusse des Berges scheint er unüberwindlich, doch steht man oben, weitet sich der Blick.

Christian Vogt, Ref. Pfarrer in Veltheim