Die Schulleiterin Astrid Welti Ferrante begrüsste die anwesenden Eltern, Sabina Eglin von der Suchtprävention Aargau und die Kindergärtnerinnen Jeannine Zürcher, Katharina Steinmann, Käthi Zweidler, Barbara Schleuniger und Elena Moscone.

Suchtprävention im Kindergarten?
Sabina Eglin spricht über Prävention. Alkohol, harte Drogen, Zigaretten, all das ist für die Kindergartenkinder noch kein Thema. Aber es geht darum, die Kinder schon in diesem Alter zu stärken, um einer möglichen späteren Sucht zuvor zu kommen. Die Bayrische Landesarbeitsstelle hat 1995 eine Studie dazu in Auftrag gegebenen. Diese Studie bestätigt, dass der „Spielzeugfreie Kindergarten", durch die Förderung der Lebenskompetenzen, sehr viel zum Schutze der Kinder vor einer Sucht beitragen kann.
In Wettingen starteten vor 2 Jahren die ersten 4 Kindergärten mit diesem Projekt und sammelten viele positive Erfahrungen, die durch eine schriftliche Elternbefragung bekräftigt wurden.
Eglin erwähnt drei wichtige Schutzfaktoren: Soziale Beziehungen entwickeln und pflegen, Konflikte erkennen und eigene Lösungen suchen und Kommunikation üben, um über eigene Befindlichkeit und Gefühle reden zu können.

Warum ohne Spielzeug?
Für drei Monate wird alles vorgefertigte Spielzeug aus dem Kindergarten entfernt. Was bleibt, ist das Mobiliar, Tücher, Waldmaterial, vielleicht eine leere Kiste und vor allem viel Raum. Raum für Bewegung, Raum für eigene Ideen, Rollenspiele, Kommunikation. Die Kindergärtnerin übernimmt das Monitoring,
das heisst, sie greift nur steuernd in die Situationen ein, falls Gefahr droht oder die Problemlösung nicht ohne flankierende Massnahmen ihrerseits durch die Kinder gefunden werden kann.
Was also, wenn die Kinder streiten? Was, wenn sich langweilen, wenn sie ihr altes Spielzeug vermissen? Wer setzt Grenzen, gelten noch Regeln?

Der blaue Stuhl
Wenn das Kind lernt, seine Langeweile auch einmal auszuhalten und selber Wege findet aus seiner Unzufriedenheit heraus, dann hat es schon viel für sein späteres Leben gelernt. Denn wenn es älter wird, wird auch nicht immer jemand da sein, der die Frustration aus dem Weg räumt und seine Bedürfnisse sofort befriedigt.
Will sich ein Kind Gehör verschaffen, zum Beispiel, wenn es sich ungerecht behandelt fühlt oder Hilfe braucht, so kann es sich auf den blauen Stuhl setzten, und die ganze Kindergruppe versammelt sich, um gemeinsam eine Lösung zu suchen. So werden die Kinder sozial gestärkt und sehr selbstständig.
Die Eltern werden laufend informiert und sind auch herzlich eingeladen, den „spielzeugfreien Kindergarten" selber in Augenschein zu nehmen.