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Spielzeugfreie Zeit in der Kinderkrippe Wallbach

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In der Kinderkrippe Wallbach spielen die Kinder seit Anfang Juni 2020 ohne vorgefertigte Spielsachen. Fleissig wird mit wertlosem und unstrukturiertem Materialien experimentiert, und die Kinder sammeln wertvolle Erfahrungen in ihrer Kreativität.

Eine längere Zeit ohne Spielsachen – wie geht das? Diese Frage interessierte das Betreuungsteam der Kinderkrippe Wallbach. Die Mitarbeiterinnen vertieften sich unter der Leitung von Sina Müller in die Konzeptarbeit und überlegten sich die praktische Umsetzung.

Gemeinsam mit den Kindern räumten die Krippenfrauen die Spielsachen in grosse Koffer und schickten sie in die Ferien. So musste manches Kind seiner bevorzugten Puppe oder seinem Lieblingsauto Adieu sagen.

Anstelle vorgefertigter Spielsachen füllen nun Tücher, Kartonkisten, Seile, Klötze und Papierrollen die Krippenräume. Die Kinder lassen sich auf die neuen Betätigungen ein und lernen, Ideen zu erklären und sogar Spielregeln zu verhandeln.

Nach anfänglich wahrgenommenem Frust und vermehrten Streitsituationen in der ersten Woche ohne vorgefertigte Spielsachen hat sich die Lage in den darauffolgenden Wochen schnell beruhigt. Das „Problemglöggli“ läutet jedoch bei den 3-6 Jährigen Kindern oft. Die Kinder können damit versuchen, ihre Konflikte verbal und lösungsorientiert zu lösen. Die Hilfe der Erwachsenen wird in diesen Situationen, wenn nötig, geboten. „Mir isch langwilig“ hören die Betreuerinnen beim Beobachten des Öfteren, nach kurzem Ausharren heisst es dann aber plötzlich: „Huuuhuuuu ich bin en Geischt“ oder „Iihstiiige, de Bus fahrt ab“, und man sieht, wie die Kinder mit den Stühlen, Autositze herrichten oder mit Tüchern über dem Kopf als Gespenst umherlaufen.

Auch für die Erziehenden ist die spielzeugfreie Zeit eine grosse Herausforderung. Oft helfen die Erziehenden den Kindern vorschnell. In der spielzeugfreien Zeit wird sehr darauf geachtet, dass der Input von den Kindern kommt. Mit grossem Staunen stellen die Erziehenden fest, was für gute Ideen Kinder haben und wie geschickt sie beispielsweise den Sandkasten alleine öffnen oder schwierige Situationen wie kleine Erwachsene lösen können.

Die jüngsten Kinder beschäftigen sich, indem sie Bauklötze oder Korkzapfen in leere Flaschenöffnungen stecken, Wäscheklammern auf- und zumachen und Bilderbücher anschauen, bei denen die Sprachkompetenz laufend erweitert wird. Oder sie springen in den Räumen umher, lassen sich auf die Matten fallen und „giggele“ dabei.

Ein tägliches Highlight ist das Aussuchen, wer wo spielen darf. Die Kinder entscheiden seit dem Projekt Spielzeugfrei, in welchem Gruppenraum der Morgen oder Nachmittag verbracht wird oder ob sie rausgehen. Unsere Regel ist nach wie vor: Wer den ganzen Tag in der Krippe verbringt, geht einmal an die frische Luft.

Wie die spielzeugfreie Zeit endet oder ob sie vielleicht sogar weitergeht, wird in unseren Teamsitzungen besprochen. Was klar ist: Die Kinder werden nach ihrer Meinung dazu gefragt, sodass wir gemeinsam einen Entscheid treffen können.

Sehr gespannt sind wir schon auf unser nächstes Projekt «Hopp-la Fit – Generationen in Bewegung». Am 14. November 2020 findet im Gemeindesaal Wallbach eine öffentliche Impulsveranstaltung zum Thema Bewegung statt. Wir freuen uns, daran teilzunehmen und die erste Schnupperlektion zu besuchen. Ab dem 18. November 2020 startet das Projekt, und wir werden jeweils am Mittwochnachmittag von 15 – 16 Uhr mit den älteren Kindern am Hopp-la Fit teilnehmen.

Mehr Informationen dazu finden Sie auf unserer Homepage www.kinderkrippe-wallbach.ch.

Sina Müller

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