Eigentlich war es nichts Ungewöhnliches: Am Meisterschwander Seerose-Schiffsteg holte am Samstagvormittag das von Kapitän Bruno Fischer gefahrene Fahrgastschiff „Seerose“ etwa drei Dutzend am Steg Wartende zu einer etwa zweistündigen Sonderfahrt ab. Garniert an Bord natürlich mit einem reichlichen Brunch.

Es war nicht erkennbar. Aber es war eine ganz besondere Fahrgastgruppe die das Schiff füllte. Ihre Schiffreise hatte nämlich einen arbeitsgeschichtlichen Hintergrund. Es waren Mitglieder des Aargauer Kaminfegergesellenverbandes. Er feiert, so bestätigt Präsident Peter Gloor, in diesem Jahr seinen „Achtzigsten“. Momentan hat der schrumpfende AKGV noch etwa hundert Mitglieder, die in den 32 im Aargau sich auf Brandschutz spezialisierten Betrieben beschäftigt sind. Etwa ein drittel davon sind Frauen.

Als 2007 die Aargauer Kaminfeger den «Fünfundsiebzigsten» ihres Verbandes feierten geschah dies historisch. Schwarz gekleidet mit Zylinderhut und geschulterter Leiter mit einer Busreise ins Appenzellerische. Dort gibt es noch immer Kamine die man auch im Aargau sonst kaum noch findet und die einst auch die Wurzel des geschichtsträchtigen Kaminfeger-Berufes gewesen sind. Um sie zu reinigen mussten die Kaminkehrer damals auf Dächer klettern und durch die engen Röhren kriechen. Für diese Arbeit wurden oft arme Verdingkinder «missbraucht».

Den „Achtzigsten“ ihres Aargauer Verbandes wollten die als «schwarzen Glücksbringer» weltbekannten Kaminkehrer ganz verbandsintern feiern. Dies geschah ganz zivil am Samstag während der etwa zweistündigen Seerundfahrt auf der 1998 gebauten, 48plätzigen „Seerose“. (hf)