Leibstadt

Rennvelo–Tagesausfahrt des Veloclubs Leibstadt mit tragischen Folgen

megaphoneLeserbeitrag aus LeibstadtLeibstadt
Fridolin Vögele, Alex Rohner, Walter Gärtner, Mario Rigassi und Werner Holenstein (vlnr.)

Fridolin Vögele, Alex Rohner, Walter Gärtner, Mario Rigassi und Werner Holenstein (vlnr.)

Die zur Tradition gewordene Tagesausfahrt am 17. Juni 2017 sollte uns die schöne Nordwestschweiz etwas vertrauter machen. Die Wetteraussichten und der morgendliche, wolkenlose Himmel liess keine Zweifel aufkommen und wir starteten in kurzen Trikots und mit möglichst viel Flüssigkeit. Punkt 8.00 Uhr fuhren Fridel und ich als Duo von Leibstadt in Richtung Brugg los und in der angenehmen Morgenfrische stiessen auf dem Schmidberg Walti und Alex dazu. In Villigen machte Mario das Quintett vollständig und unter dem Tempodiktat von Fridel radelten wir über Veltheim Aarau zu. Sichtlich erfreut führte er uns über den Radweg durch eine herrliche Naturlandschaft Richtung Erlinsbach und bemerkte, dass dieser Weg wohl nur Insider bekannt sei. Die Hauptstrasse verlangte von uns aber wieder mehr Aufmerksamkeit ab und die manchmal unverständlichen Autofahrer konnten uns die gute Laune nicht verderben.


Zufrieden über den ersten Streckenabschnitt legten wir in Oensingen eine verdiente Verschnaufpause ein. Bereits freuten wir uns auf eine interessante Weiterfahrt durch die Klus ins schöne Guldental vorbei am blumengeschmückten Mümliswil und leicht ansteigend, fast verkehrsfrei in wunderbarer Landschaft Richtung Passwang. In Ramiswil verlangsamten wir notgedrungen unser Tempo, schalteten auf unsere kleinen Übersetzungen und stellten uns auf eine längere Bergfahrt ein. Bei der Abzweigung zum Scheltenpass entschieden wir uns endgültig für den 13%-igen Anstieg. Die herrliche Fernsicht und die kämpfenden Mitradler animierten mich immer wieder ein Erinnerungsföteli zu machen. Ein ambitioniertes Trio setzte sich nun ab und Fridel und ich meisterten gemeinsam die Anhöhe vom Passwang wo die Erstplatzierten bereits auf ein Gruppenfoto warteten.


Nach der Abkühlung durch den Tunnel erfreuten wir uns an der neuen Sicht ins Baselbiet und natürlich auf die verdiente Abfahrt. Das Quintett harmonierte gut und in müheloser Fahrt hatten wir ein offenes Auge für die kleinen Dörfer, die herrliche Natur, ein altes Kloster, eine verwaiste Ruine und das uns stets begleitende Flüsschen Lüssel. Das war mehr als der Lohn für den erkämpften Aufstieg, das war Erlebnis, das war Geschenk. Beim Mittagshalt in Büsserach stärkten wir uns und ent
schieden uns für die Variante der Weiterfahrt über Nunningen, Reigodswil nach Liestal. Wir genossen den Moment und hatten Zeit für interessante Plaudereien über Hobbyradler bis zu erfolgreichen Amateursportlern und natürlich für einen abschliessenden Kaffee. Nun erwartete uns eine  abwechslungsreiche Weiterfahrt und gut gerüstet starteten wir in den Aufstieg nach Fehren. Gemeinsam genossen wir die kleine Abfahrt, passierten in angenehmem Tempo Zullwil und überholten leicht ansteigend gegen Nunningen einen Bikefahrer.


Plötzlich ein Hilferuf, Fridel war einige Meter zurückgefallen und regungslos zu Boden gestürzt. Der unbekannte Bikefahrer hatte es mitbekommen und sofort versuchten wir, jeder nach seinen Möglichkeiten zu helfen. Vorbeifahrende Autofahrer boten uns ihre Hilfe an und unterstützten uns in unseren Bemühungen. Herzmassage, beatmen, alarmieren, Verkehr regeln und einfach funktionieren bis die erwarteten Rettungskräfte eintrafen. Lange, bange Minuten waren zu überstehen bis wir unsere Verantwortung an professionelle Hilfe abgeben konnten. Ambulanz- und Regateam versuchten alles, Maschinen versuchten das Herz zu aktivieren, Menschen beatmeten, hielten Infusionen und beobachteten das Monitoring. Aber leider keine Anzeichen von Leben und dann die endgültige, traurige Nachricht durch den Regaarzt: «Ihr Freund ist tot». Da lag Fridel, in den rot/weissen Farben unseres Trikots, für alle sichtbar einer von uns, unser Freund. Noch ein letztes Abschied nehmen und wir entschlossen uns gemeinsam nach Hause zu Radeln, als Therapie und als Verarbeitung. Ja wir funktionierten einfach und je näher wir Leibstadt kamen, desto mehr spürten wir unsere Ohnmacht, unsere Hilflosigkeit und unsere Sprachlosigkeit. Trotzdem suchten wir das Zuhause von Fridel auf und berichteten seiner Familie vom Unfassbaren, das sich ereignet hatte. Die Begegnung, der Moment und das Gespräch hatte uns gut getan und etwas Entspannung gebracht.


Mitten im Leben sind wir vom Tod umgeben und jeder Tag, jeder Moment ist ein Geschenk. Mit viel Zuversicht werden wir unsere nächste Tagestour angehen, aber leider muss Fridel’s Führungsarbeit ein anderer übernehmen.

Bericht von Werner Holenstein

Meistgesehen

Artboard 1