Früh aufstehen mussten die etwa 30 Männerchörler, um den pünktlich abfahrenden Reisecar nicht zu verpassen. Das sommerliche Traumwetter hatte dies ohnehin den meisten leicht gemacht. Initiant und Organisator Othmar Rutz hatte während der Hinreise keinerlei Mühe, die mit einheitlichen, blauen Poloshirts ausstaffierte Sängerschar bei Laune zu halten. Flugs wurde das erste Etappenziel Andermatt erreicht. Nach Kaffee und Gipfeli ging es weiter Richtung Höhepunkt. In Realp waren die bereit stehenden Zugskompositionen der Furka Dampfbahn anhand der von weitem sichtbaren Rauchsäulen der schnaubenden Dampflok einfach zu finden. Eine Meisterleistung, was die Restauratoren in mühseliger Fronarbeit vollbracht haben. Romantische Museumsstücke auf Hochglanz herausgeputzt und so instand gebracht, dass heutige Sicherheitsstandards eingehalten werden. Gepolsterte Erstklassabteile, aber auch gemütlich eingerichtete Waggons in Holzklasse wurden uns von den mit echten alten Uniformen und Requisiten ausgerüsteten "Bähnlern" zugewiesen, während vorne ein schweisstriefender Lokführer die letzten Kohlebrocken in den Schlund des pustenden Dampfungetüms schaufelte. Unter Leitung des Vizedirigenten Hanspeter Senn wurden vor der Abfahrt zur Freude der wartenden Zuggäste spontan noch einige Lieder gesungen. Dann ging's aber los. Unglaublich, wie die kleine Dampflok die steile Bergstrecke in Angriff nahm. Nur dank Zahnradbetrieb ist eine solche alpine Trasse mit diesem Höhenunterschied zu bewältigen. Fronarbeiter hatten die nach Eröffnung des Furkatunnels überflüssige Strecke aufgepeppt und wieder auf Dampfbetrieb umgestellt. Heute steht sie in den Sommermonaten durchgehend bis ins Goms nach Oberwald für Bahnnostalgiefahrten zur Verfügung. Wäre sie nicht so steil, fühlte man sich in die Pionierszeit im wilden Westen versetzt. Ungewohnt romantisch, ohne jegliche Strommasten und Oberleitungen schmiegt sich die Trasse der unberührten Berglandschaft entlang. Zwei mal wurde unterwegs ein Halt eingelegt, um der ehrwürdigen alten Lady den Durst ihres Kessels zu stillen. In den kürzeren Tunnels konnte man mit dem nach Steinkohle riechenden Rauch Bekanntschaft schliessen. Vor der Passierung des längeren, alten Furaktunnels liessen die Kondukteure sämtliche Fenster schliessen. Mit Bravour bewältigte der Zug die restliche Talfahrt auf Walliser Boden über Gletsch nach Oberwald. Dann hiess es Abschied nehmen und die Bahn den neuen Touristen, die sich schon auf die Fahrt in Gegenrichtung freuten, Platz zu machen. Carchauffeur Fritz stand schon parat und bewältigte die vielen Serpentinen des viel befahrenen Grimselpasses im Handumdrehen. Noch schnell über die Staumauer und schon befand man sich im grossen, alpinen Hotel Grimsel Hospiz zum willkommenen Mittagessen. Gestärkt ging es anschliessend talwärts, um nach Meiringen den Brünigpass in Angriff zu nehmen. Dort manifestierte sich die Kehrseite des Traumwetters. Infolge immensen sonntäglichen Ausflugverkehrs sank die Durchschnittsgeschwindigkeit weit unter diejenige der alten Dampfbahn. Bevor die letzte Etappe nach Fislisbach begonnen werden konnte, waren es diesmal nicht die Dampflok, sondern die gut gelaunten Sänger, die bei einem Halt ihren Flüssigkeitshaushalt in Ordnung bringen konnten.
(Sm)