Vertreter der Natur- und Vogelschutzvereine des Wynentals, des oberen Seetals und von Schlossrued trafen sich zum alljährlichen Austausch. Gastgeber war in diesem Jahr der Natur- und Vogelschutzverein Gränichen. Themen waren Waldränder, Trockenmauer und Neophyten.

Präsidentin Iris Kyburz begrüsste beim Zehnderhüsli die Vertreterinnen und Vertreter von neun Natur- und Vogelschutzvereinen. Diese treffen sich traditionell jährlich in einer anderen Gastgemeinde. Die diesmal zusätzlich eingeladenen Nachbarn des NV Suhr liessen sich wegen anderer Termine entschuldigen.

Waldränder

Als Referent für den Spaziergang über den Häbiger Richtung Pfadiheim konnte Waldfachmann, Gemeinderat und professioneller Naturschützer Hanspeter Lüem gewonnen werden. Er schilderte, wie sich die Philosophie im Waldbau seit seiner Lehre als Forstwart in den letzten Jahren verändert hat. Fichten möglichst nahe am Wegrand waren die Regel. Stufige Waldränder, wie sie vom Gränicher Forst momentan mit kantonalem Vertrag gestaltet werden, wären damals undenkbar gewesen. Wer so gearbeitet hätte, wäre entlassen worden, erklärte Lüem.  Rund dreihundertjährige mächtige Eichen, majestätische Buchen, aber auch die kleinen Beobachtungen wie das auf Augenhöhe in der natürlichen Baumnische brütende Amselweibchen bereicherten die sehr fundierten Ausführungen. Die bereits getätigten und noch geplanten Massnahmen bringen echten Mehrwert für die Natur, davon waren alle überzeugt. Lüem versteht es ausserordentlich, Theorie und Praxis, Liebe zur Natur und Machbarkeit unter einen Hut zu bringen.

Apéro an der Trockenmauer

Ein Genuss für die Sinne war der schlichte Apero an der letztes Jahr gemeinsam mit der Interessengemeinschaft Terrarienfreunde Suhr erstellten Trockenmauer im Fuden. Vom Löwenzahn- über Lavendel- bis zum heimlichen Favoriten Basilikumsirup aus Heidi Kleiners Chrüterchochi reichte die erfrischende Getränkeauswahl. Beim fachlichen Austausch oder dem persönlichen Plaudern schweifte der Blick immer wieder über die landschaftlichen Schönheiten des Gebietes Fuden – Strick, wo der NV Gränichen wieder zusammen mit der IGT in den kommenden Jahren eine zweite Trockenmauer und weitere Vernetzungselemente schaffen möchte. Hier direkt vor Ort konnten die Mauerbauer auch über bautechnische Details Red und Antwort stehen.

Bereits 100 Tierarten auf der Trockenmauer nachgewiesen

IGT-Präsident Gordon Ackermann zeigte in einem eindrücklichen Referat die fotografische Ausbeute seiner Mauerpirsch im Fuden. Während vier Monaten besuchte er letztes Jahr die Trockenmauer nicht weniger als vierzehn Mal mit seiner Kamera. Waren es anfänglich vor allem Spinnentiere und Insekten, kamen beim nächtlichen Besuch auch Erdkröte und Maus hinzu. Die sorgfältige Dokumentation und statistische Erhebung Ackermanns zeigt eindrücklich die Zunahme der Artenvielfalt und welche Arten auf der Mauer regelmässig anzutreffen sind. An einem der seltenen warmen Tage in diesem Jahr dann präsentierten sie sich dem Fotografen in wunderbarem Grün: mehrere Männchen der Zauneidechse und, farblich schlicht getarnt im Laub vom letzten Jahr, ein Weibchen. Die von der Qualität der Bilder und dem Gehörten beeindruckten Zuhörer spendeten dem Referenten begeisterten Applaus.

Nach der Verpflegung mit einer Suppe aus Naturkräutern und Kartoffeln, herrlichem Bauernbrot, Salaten und Würsten vom Grill tauschten sich die Vereinsvertreter darüber aus, wie in ihren Gemeinden dem rasant wachsenden Problem der Neophyten begegnet wird. Entlang der Wyna sind erfolgreiche Massnahmen auch eine Frage der Vernetzung. Zum Erhalt der Artenvielfalt in der Natur müssen zwingend Massnahmen ergriffen werden gegen diese optisch sehr attraktiven Einwanderer wie drüsiges Springkraut, Japanknöterich oder kanadische Goldrute. Während die Vertreter mancher Vereine berichten konnten, dass ihre politischen Gemeinden die Bedrohung erkannt haben und handeln, sehen sich andere auf sich alleine gestellt. Einig waren sich alle, dass die Fachstelle des Kantons für Nicht-Pilotgemeinden in keiner Weise eine Unterstützung ist. Ein grosser Stellenwert kommt der Sensibilisierung der Bevölkerung zu. Bei der Bekämpfung der invasiven Neophyten will man das Hauptgewicht momentan auf das drüsige Springkraut legen. Dieses kann vor der Blüte einfach ausgerissen und liegen gelassen werden, während andere Arten zwingend verbrannt werden müssen.

Das reichhaltige Dessertbuffet mit Bekanntem und Eigenkreationen aus der regionalen Küche und die engagierten Diskussionen rundeten die motivierende Veranstaltung würdig ab.