Bettwil

Reges Interesse an Solaranlagen auf Landwirtschaftsdächern im Aargau

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Am 19. Oktober 2019 fand auf dem Biobetrieb der Familie Winterberg, Bettwil, AG, eine Solarbauerntagung statt. Der Hof umfasst 25 ha, 10 Mutterkühe und 27 Pferde. Es wird Brot- und Futtergetreide angebaut. Im Zentrum der Veranstaltung stand die Information über die gegenwärtigen Rahmenbedingungen für die Anwendung der Solartechnik und den Ausblick aufgrund der vom Bund beschlossenen Energiewende. Es zeigte sich deutlich, dass die Landwirtschaft bereit ist, in die erneuerbaren Energien zu investieren, hingegen weit verbreitete Unsicherheit über die konkreten künftigen Fördermassnahmen besteht. Vieles ist angedacht, wenig noch detailliert bekannt und definitiv durch die zuständigen Gremien beschlossen.

Ideale Grossanlage auf den Dächern des Erushofes
Auf 2634.39 m2 Dachfläche ist eine Leistung von 404.325 kWp installiert. Die Ausrichtung beträgt Ost/West 15 Grad. Dies ermöglicht u.a. einen guten Ausgleich der Leistung über den Tagesverlauf. Pro Jahr wird eine Stromproduktion von bis zu 360 000 kWh erwartet. Die Anlage profitiert von einer Vergütung von 32,7 Rp. kWh durch die Kostendeckende Einspeisevergütung (KEV). Die Gesamtkosten einschliesslich der Eigenleistungen belaufen sich auf rund 1.1 Mio. CHF. Aufgrund der grossen elektrischen Produktion musste eine neue 800 m lange Zuleitung (16 KV-Kabel) und ein Trafo erstellt werden. Bei der Produktewahl wurde auf höchste Qualität geachtet und europäische Paneelen und Wechselrichtet gewählt.

Energieperspektiven bis 2050 gehen in die richtige Richtung
Nationalrat Bernhard Guhl, BDP, zeigte die wichtigsten Stossrichtungen der Energiestrategie des Bundes bis 2050 auf. Besonderes Gewicht legte er auf das Gebäudeprogramm und die Förderung der erneuerbaren Energien. Eher kritisch beurteilt er die möglichen Einsparungen beim Energiekonsum und der Verbesserung der Energieeffizienz als wichtigen Faktor zur Energiewende. Guhl stösst sich daran, dass immer wieder Gruppierungen Projekte der Wasser- oder der Windkraft bekämpfen und gleichzeitig den Ausstieg aus der Atomenergie energisch fordern. Die Anhänger der erneuerbaren Energien dürfen sich nicht gegenseitig bekämpfen, fordert Guhl. Der Ball liegt nun beim Parlament, welches die Vorschläge des Bundesrates zur Energiewende beraten und anschliessend Massnahmen beschliessen muss. Der Ausgang dieser Prozesse ist ungewiss, da es immer noch viele „konservative“ Energiepolitiker gibt, welche sowohl einer besseren Förderung der erneuerbaren Energien als auch einer ökologischen Steuerreform kritisch gegenüber stehen.

Vielfältige Beratungsmöglichkeiten
Landwirtschaftsbetriebe verfügen über ein grosses Potenzial bei der Anwendung der erneuerbaren Energien. (Solar, Biomasse, Holz, teilweise auch Windenergie) Landwirte, welche entsprechende Investitionen tätigen wollen, können auf ein ausgebautes Netz von Fachspezialisten zählen, so auf energieberatungAARGAU, eine Dienstleistung des Kantons Aargau und auf den aargauischen Bauernverband (Ralf Bucher). Dabei geht es in erster Linie darum, dass ein potenzieller Investor die ersten Schritte richtig einleiten kann, Kenntnis über Fördermassnahmen erhält und auch unterstützt wird bei den Bewilligungsverfahren, insbesondere dann, wenn Leitungen verstärkt werden müssen. Der aargauische Bauernverband verfügt zudem über eine Liste von Firmen, welche über die notwendigen Erfahrungen und Kenntnisse bei der Realisierung von Solaranlagen haben. Der Kanton Aargau unterstützt auf dem Gebiet der Anwendung der Solartechnik thermische Anlagen. Ein Grosskredit wird zurzeit vorbereitet und dem Grossen Rat zugestellt, welcher eine Erweiterung und Vertiefung der Förderung der „Erneuerbaren“ zum Ziel hat.

Praktische Hinweise
Der Zeitpunkt des Baus und der Inbetriebnahme einer Solaranlage ist entscheidend bezüglich der Höhe der Förderung, der (verbleibenden) Laufzeit der Einspeisevergütung durch die KEV und der Kosten. Obschon grundsätzlich per 1.1.2014 Verbesserungen bei der Förderung vorgesehen sind, ist es noch zu früh, diese als gegeben anzusehen, weil ein Referendum läuft. Investoren sind gehalten, sich laufend über die geltenden Bestimmungen zu orientieren und ihre Investitionsrechnung entsprechend auszurichten. In einer Investitionsrechnung müssen alle relevanten Kosten über die Anlagezeit erfasst und den zugesicherten Erträgen gegenüber gestellt werden. Kritisch soll man sich gegenüber sehr langen Garantiefristen verhalten, da nicht voraussehbar ist, ob eine Firma noch in 30 Jahren besteht und ob man an einem weit entfernten Ort sein Recht durchsetzen kann. Da auch geringe Leistungsunterschiede sowohl bei den Paneelen als auch bei den Wechselrichtern über die Anlagezeit hinweg zu grossen Ertragsunterschieden führen, lohnt es sich, nur qualitativ hochstehende Produkte einzusetzen, auch wenn diese im Beschaffungspreis etwas höher sind als sog. „günstige“. Diese Ansicht vertritt u.a. die für die Realisierung der Anlage „Erushof“ zuständige Firma mbrsolar, Wängi.

Sowohl die zuständige Fachstelle im Kanton Aargau als auch der kantonale Bauernverband setzen stark auf das Potenzial der Landwirtschaft beim Ausbau der erneuerbaren Energien. Von den 2500 Mitgliedbetrieben des aargauischen Bauernverbandes hofft man, dass man bei ihnen rund 500 Solarprojekte in den kommenden Jahren realisieren kann. Die Politik ist gefordert, dazu die notwendigen Rahmenbedingungen zeitgerecht und erfolgswirksam zu gestalten. Konstanz der gesetzlichen Vorgaben ist dabei für eine kontinuierliche Investitionsbereitschaft äusserst wichtig.

Max Meyer, Projektleiter „Solarbauern“, SSES

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